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Veröffentlicht: 11.05.2017, 22:23 Uhr

Leistungsdruck Mehr Berliner leiden unter schlechtem Schlaf

In Berlin häufen sich die Fälle von Insomnie. Immer mehr Menschen leiden wegen des Leistungsdrucks unter Schlafstörungen. Dabei wird der Zustand häufig unterschätzt.

von , Berlin
© dpa Leistungsdruck und ständige Erreichbarkeit stören den gesunden Schlaf.

Vor sieben Jahren hat die Krankenkasse DAK schon einmal eine Schlaf-Befragung unter Erwerbstätigen in Berlin unternommen. Damals sagten 34 Prozent der Befragten, dass sie häufiger als drei Mal die Woche schlecht ein- oder durchschlafen können; das lag leicht unter dem Bundesdurchschnitt von 35 Prozent. 2016, das teilte die DAK am Donnerstag in Berlin mit, berichteten 76 Prozent der Berliner Arbeitnehmer von Schlafschwierigkeiten, unter den 35 bis 65 Jahre alten Befragten waren es sogar 82 Prozent. Etwa zehn Prozent der Erwerbstätigen leiden unter Insomnie, einer Krankheit, mit der Patienten häufiger als dreimal die Woche schlecht ein- oder durchschlafen, die Qualität des Schlafes als schlecht betrachten und sich tagsüber erschöpft fühlen. Die Fälle von Insomnie haben sich in der Region Berlin in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. Arbeiter und Angestellte leiden häufiger darunter als Beamte, qualifiziert Tätige häufiger als Hochqualifizierte. Fünf bis sieben Nachtschichten im Monat sind dabei riskanter als acht und mehr. Der auffälligste Risikofaktor aber ist die Arbeit an der Leistungsgrenze, gefolgt von als stark empfundenem Termin- und Leistungsdruck – und der ständigen Erreichbarkeit.

Mechthild Küpper Folgen:

Wegen ihrer Schlafschwierigkeiten waren nur 3,6 Prozent der Berliner zum Arzt gegangen – Schlafmittel aber hatten mehr als zehn Prozent in den drei Monaten vor der Befragung eingenommen. Nur vier Tage im Jahr fehlten Arbeitnehmer wegen ihrer Schlafprobleme bei der Arbeit, Insomnie-Patienten fehlten sogar nur 1,56 Tage. Schlafschwierigkeiten, so hieß es bei der DAK, gehörten zu den „unterschätzten“ Gesundheitsstörungen. Die DAK bietet daher eine immer besetzte Schlaf-Hotline an, bei der Hilfe in 22 Sprachen erbeten werden kann. Thomas Penzel, Leiter des Schlaflabors der Charité, wies auf die beträchtlichen Wartezeiten in allen diesen Einrichtungen hin. Zum Arzt gehen solle jeder, empfiehlt er, der tagsüber seinen Aufgaben wegen Müdigkeit nicht gewachsen ist oder während der Arbeit einschläft. Das Einschlafen sei ein Prozess, den man unterstützen könne, durch Verzicht auf schweres Essen, Alkohol und anstrengenden Sport am Abend. Patienten seien heute besser über „Schlafhygiene“ informiert als früher, sagte Penzel.

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„Schlaf wird älter“, wie alle Körperfunktionen, sagt Penzel, das müsse man wissen, ehe man sich für krank hält, weil man schlechter schläft als früher. Wer länger als eine halbe Stunde zum Einschlafen benötige und sich daran erinnere, aufgewacht zu sein, zähle sich zu den schlechten Schläfern. Normalerweise wache man zehn bis zwanzig Mal die Nacht auf, nur jeweils zehn bis zwanzig Sekunden lang, während Ältere oft zwei bis drei Minuten wach lägen und das als störend wahrnähmen. Sieben Stunden pro Nacht, nicht zwingend unterbrechungsfrei, gelten international als gute Schlafdauer.

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