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Übergewicht Die Vorpommern werden immer dicker

Eine Greifswalder Studie belegt: Fettleibigkeit ist zum gesellschaftlichen Problem geworden. Vor allem in Vorpommern werden die Menschen immer dicker.

© AP Vergrößern Fettleibigkeit wird immer mehr zu einem Problem in der Gesellschaft.

Die gesundheitspolitisch gute Nachricht lautet: In Vorpommern wird nicht mehr so viel geraucht wie noch vor zehn Jahren. Auch der Alkoholkonsum hat merklich nachgelassen. Die schlechte Nachricht hingegen: Die Vorpommern werden immer dicker. Fettleibigkeit (Adipositas) war schon vor zehn Jahren bei einem Viertel aller Männer festzustellen, mittlerweile ist es schon ein Drittel. Bei Frauen ist der Anteil leicht von 26 Prozent auf 30 gestiegen. Das hat Folgen. Diabetes etwa ist wesentlich häufiger geworden als vor zehn Jahren.

Frank Pergande Folgen:  

„Das Problem der stark Übergewichtigen mit all den Folgeproblemen rollt mit immer größerer Wucht auf die Gesellschaft zu“, sagt der Greifswalder Wissenschaftler Henry Völzke. Er ist Leiter der Langzeitgesundheitsstudie Ship (Study of Health in Pomerania), einer der umfangreichsten Gesundheitsstudien der Welt zur Erforschung von Volkskrankheiten. Ship läuft seit fünfzehn Jahren. Die Vorpommern sind damit so gut untersucht wie keine andere Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Die neue Studie zeigt, dass die Vorpommern sich in ihrer Freizeit mehr bewegen und mehr Sport treiben als früher. Der Anteil älterer Leute, die Sport treiben, ist sogar um mehr als 50 Prozent gestiegen.

Häufigkeit von Risikofaktoren und Erkrankungen besser erforschen

Der mittlere Blutdruck ist in allen Altersgruppen gesunken, was freilich auch mit der besseren medizinischen Versorgung in Vorpommern zu tun hat. Erhielten vor zehn Jahren 39 Prozent der Männer und 42 Prozent der Frauen Medikamente gegen hohen Blutdruck, so sind es heute 54 Prozent und 55 Prozent. Zur ersten Ship-Studie, die 1997 mit 4308 Teilnehmern begann, kam inzwischen eine zweite, Ship-Trend genannt, mit noch einmal 4420 Probanden zwischen 20 und 79 Jahren. Zum Programm gehören inzwischen genetische Untersuchungen, eine Ganzkörperuntersuchung im Magnetresonanztomographen (MRT), das Schlaflabor sowie die Erfassung von Körperdaten im Bodyscanner. Haben Ship-Trend-Probanden alle Studienangebote angenommen, so sind sie insgesamt 25 Stunden lang untersucht worden. Das sei ein Weltrekord, sagt Völzke.

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Insgesamt sind an den Untersuchungen und Auswertungen 50 Mitarbeiter beteiligt. Hinzu kommen viele Kooperationspartner auf der ganzen Welt. Sinn der Untersuchung ist es, die Häufigkeit von Risikofaktoren und Erkrankungen in der Bevölkerung besser zu schätzen und festzustellen, was eigentlich als gesundheitlich normal gelten kann. Und schließlich: Durch die Studie lässt sich ziemlich genau festlegen, wie groß der Bedarf an medizinischer Versorgung künftig sein wird.

Konzept für Vorsorge und Behandlung soll helfen

Nebenbei hat die Studie aber auch ganz andere Erkenntnisse erbracht. Zahnerkrankungen etwa fördern das Entstehen von Lungen- und Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes. Die Verfettung der Leber steht in Zusammenhang mit hormonellen Veränderungen, Diabetes und Gefäßverkalkungen. Genetische Faktoren spielen eine große Rolle bei Gicht, Fettleber und Schilddrüsenveränderungen. „2013 wird die nächste Ship-Runde eingeläutet“, sagt der Leiter des Institutes für Community Medizin an der Universität Greifswald, der Epidemiologe Wolfgang Hoffmann - dank der Forschungsmittel von der Universität und vom Land. Bislang war Ship vom Bund finanziert worden.

Von 2013 an wird es auch internationale Studien geben. Das erste Partnerprojekt ist in die Region Blumenau/Pomerode in Brasilien vergeben, wohin einst viele Pommern auswanderten. Weil ausgerechnet das „Gesundheitsland“ Mecklenburg-Vorpommern bei Fettleibigkeit den Spitzenplatz unter allen Bundesländern einnimmt, wurde in diesem Jahr ein einheitliches Konzept für die Vorsorge und Behandlung vorgelegt. So soll es künftig in Mecklenburg-Vorpommern Adipositas-Zentren geben, wo Mediziner gemeinsam mit Ernährungsberatern, Physiotherapeuten und Psychologen in festen Teams zusammenarbeiten.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 05.12.2012, 06:59 Uhr

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