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Niedersächsischer Minister : „Über 35 Millionen Fipronil-Eier nach Deutschland geliefert“

  • Aktualisiert am

In Belgien sind derzeit 21 Betriebe wegen einer zu hohen Fipronilbelastung in den Eiern gesperrt. Bild: dpa

Das Landwirtschaftsministerium in Niedersachsen schätzt die Zahl der mit Fipronil belasteten Eier, die nach Deutschland geliefert worden sind, deutlich höher als bislang angenommen. Der Bund widerspricht.

          Allein nach Niedersachsen sind nach Angaben des Landesagrarministers 35,3 Millionen Eier geliefert worden, die möglicherweise mit Fipronil belastet waren. Dies gehe aus Daten des EU-Schnellwarnsystems hervor, sagte Christian Meyer (Grüne) am Mittwoch im Landtag.

          Außerdem seien aus Niedersachsen knapp 17 Millionen Eier geliefert worden, die im Verdacht stehen, mit dem Insektizid belastet zu sein. Dabei handelt es sich sowohl um Eier aus Verdachtsbetrieben in den Niederlanden als auch um Eier aus vier niedersächsischen Legehennenbetrieben, in denen Fipronil nachgewiesen wurde. Das Ausmaß des Fipronil-Skandals sei damit größer als vom Bundesagrarministerium behauptet. Das Ministerium hatte erklärt, es sei davon auszugehen, dass „rund 10,7 Millionen möglicherweise mit Fipronil belastete Eier aus den Niederlanden nach Deutschland geliefert worden sind“.

          Das Bundeslandwirtschaftsministerium bleibt bei seinen Angaben. Aus Sicht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit führe es zu einer „massiven Überschätzung“ der Zahl, wenn man die vom europäischen Schnellwarnsystem übermittelten Zahlen „rein mathematisch“ zusammenführe, sagte eine Sprecherin des
          Ministeriums am Mittwoch in Berlin. Die Zahl 10,7 Millionen sei die Zahl der in Deutschland bekannten Fälle, bei denen in Eiern Fipronil nachgewiesen worden sei.

          Fraglich ist, seit wann Betriebe in Niedersachsen betroffen sind

          Zu einem Streitpunkt in der Landtagsdebatte wurde die Frage, seit wann belastete Eier in Niedersachsen in den Handel gelangt sind. Anders als Minister Meyer geht der CDU-Agrarexperte Helmut Dammann-Tamke davon aus, dass bereits ab Mai über eine Zeit von zweieinhalb Monaten belastete Eier von niedersächsischen Betrieben ausgeliefert wurden.

          Das Landesagrarministerium bestreitet das. Am Montag gab Meyer in einer Pressemitteilung abermals an, die ersten positiven Testergebnisse haben erst Anfang August vorgelegen. Daraufhin habe man unverzüglich das Schnellwarnsystem aktiviert.

          Mindestens 15 EU-Staaten vom Skandal betroffen

          Währenddessen hat Ungarns Amt für Lebensmittelsicherheit aus Deutschland kommende, mit Fipronil belastete Tiefkühlprodukte sichergestellt. Die Ladung wurde mit Hilfe von Informationen des europäischen Schnellwarnsystems für Lebens- und Futtermittel (RASFF) ausfindig gemacht und vernichtet, teilte die Behörde am Dienstagabend in Budapest mit. Bei dem Produkt handele es sich um tiefgefrorene Pfannkuchen-Masse. Bestellt worden sei er von einer Budapester Firma. Damit sind zum ersten Mal seit dem Ausbruch des Fipronil-Skandals vor zwei Wochen Lebensmittel in Ungarn gefunden wurden, die mit dem Insektengift belastet waren.

          Von dem Fipronil-Skandal sind nach jüngsten Erkenntnissen mindestens 15 EU-Staaten sowie mehrere Nicht-EU-Länder wie die Schweiz, Südkorea und Hongkong betroffen. Nach den bisherigen Ermittlungen gelangte das Insektengift in die Eier, weil es unerlaubterweise zur Reinigung von Ställen eingesetzt wurde.

          In Belgien sind mittlerweile alle Legehennen- und Aufzuchtbetriebe auf Fipronil getestet. Nach den jüngsten Tests wurden sieben weitere Betriebe gesperrt, wie die Aufsichtsbehörde FASNK am Dienstagabend berichtete. Für Verbraucher soll allerdings keine Gefahr bestanden haben. Die Fipronil-Konzentration in den getesteten Eiern habe unter dem Wert gelegen, der nach EU-Erkenntnissen gesundheitsschädlich sein könnte. In Belgien seien insgesamt noch 21 Unternehmen gesperrt, teilte die FASNK mit. In ebenfalls getestetem Hühnerfleisch sei bislang kein Fipronil nachgewiesen worden.

          Quelle: jant./dpa

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