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Tumordiagnostik Jack und der Krebs

Mit fünfzehn Jahren soll ein Teenager einen Krebstest erfunden haben, der schneller und billiger ist als bisherige Verfahren. Ein Geniestreich oder ein ziemlich guter PR-Gag?

© Intel Die Freude des Jungforschers: Jack Andraka (Mitte) wird für seinen Frühtest mit einem Preis geehrt.

Die Geschichte ist genial. Sie handelt von einem 15 Jahre alten Schüler aus Maryland, der die Krebsdiagnostik revolutioniert hat. Sein Name ist Jack Andraka, er hat das Mondgesicht eines Teenagers und eine Frisur, die der Sänger Justin Bieber vor fünf Jahren trug. Bis vergangenes Jahr war Jack Andraka ein ganz normaler Nerd. „So nennen mich jedenfalls meine Mitschüler“, sagt er am Telefon. In seiner Freizeit faltete er Origami und nahm an Mathematikwettbewerben teil. Dann kam die Sache mit dem Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Heute wird Andraka in den Vereinigten Staaten als Einstein Junior gehandelt. Er hat einen Frühtest für Bauchspeicheldrüsenkrebs erfunden und dafür einen wichtigen Preis für Nachwuchsforscher gewonnen, den mit 75 000 Dollar dotierten „Gordon E. Moore“-Preis von Intel. Seither wird er als Genie gefeiert, gibt der BBC und der Zeitschrift „Forbes“ Interviews, wird ins Weiße Haus geladen und plauscht mit dem Präsidenten. „Das ist alles ziemlich cool“, sagt der heute Sechzehnjährige, eben ist er aus der Schule gekommen.

Die Geschichte beginnt mit einer privaten Tragödie

Jacks Geniestreich besteht aus einem Papierstreifen, mit dem man den Mesothelin-Spiegel eines Menschen messen kann. Mesothelin ist ein Protein, eine erhöhte Konzentration im Blut oder Urin kann ein Anzeichen für bösartige Tumore in der Bauchspeicheldrüse sein; auch bei Lungen- und Eierstockkrebs kommt das Eiweiß vor. Als Krebsmarker wird Mesothelin schon im bislang geläufigen Verfahren genutzt, dem Elisa-Test. Der ist aber aufwendig und teuer. Jack Andrakas Methode, bei der ein Antikörper an Nanokohlenstoffröhrchen gedockt wird, ist nach seinen Angaben 168 Mal schneller, 26.000 Mal billiger und zu annähernd hundert Prozent präzise.

“Wenn das stimmt, ist es schon ein großer Erfolg“, sagt der Heidelberger Pankreas-Spezialist Jens Werner. Speziell was den Bauchspeicheldrüsenkrebs betrifft, eine hinterhältige Krebsart, für die es noch keine zuverlässige Früherkennungsmethode gibt. Erst zu einem sehr späten Zeitpunkt bemerkt der Betroffene Symptome, dann ist es oft zu spät für eine Heilung.

Es ist nicht so, als wäre Jack die Idee, in die Krebsforschung einzusteigen, zwischen Hausaufgaben und Papierkraniche-Falten gekommen. Die Geschichte spinnt sich vielmehr aus einer privaten Tragödie: Ein enger Freund der Familie - Jack nennt ihn „Onkel“ - stirbt plötzlich an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Der Junge beginnt zu recherchieren, stellt fest, dass die Verfahren zur Diagnostik von Pankreaskrebs kompliziert sind, und, so sagt er auf der Internet-Konferenz Tedx in San Diego: auch noch „älter als mein Dad“. Er will mehr wissen und stöbert im Netz nach wissenschaftlichen Artikeln.

„Krebsforschung ist nicht so easy“

Im Biologieunterricht will er einen Text über die Einsatzmöglichkeiten von Kohlenstoffnanoröhrchen in der Medizin gelesen haben - klammheimlich unter dem Tisch. Dann nimmt er in der Klasse Antikörper durch, Stoffe, die Proteine binden können, wie das Krebs-Eiweiß Mesothelin, das vermutlich auch im Blut seines Onkels in großen Mengen schwamm. Jack kombiniert sein Wissen über Kohlenstoffnanoröhrchen und Antikörper, schreibt ein Exposé und schickt es an zahlreiche Wissenschaftler der renommierten Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, die eine halbe Autostunde von dem Zweitausend-Seelen-Nest Crownsville entfernt ist, in dem er mit seiner Familie lebt. Es klingt mühsam wie die biblische Herbergssuche: 200 Anfragen habe er verschickt, 199 Absagen bekommen.

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