18.01.2006 · Spanien nach dem Verbot
Seit in Spanien das Rauchen in den Büros verboten ist, sammeln sich die Zigarettenkippen in unwirtlicher Menge auf den Straßen. Im Interesse der Sauberkeit und des Umweltschutzes will nun die Stadtverwaltung von Bilbao in der nächsten Woche ein Zeichen setzen und zwanzigtausend Handaschenbecher verteilen. Sie sollen kostenlos an den Eingängen zur Metro und anderen strategischen Punkten ausgegeben werden.
Die baskischen Stadtväter haben als weiteres Pilotprojekt auch schon neue Papierkörbe mit integrierten Aschenbechern in Auftrag gegeben. Die Handaschenbecher, die einem Bonbondöschen ähneln und wie Handys am Gürtel befestigt werden können, sind klein, einfach zu benutzen und waschbar.
Hartnäckiger Widerstand der Raucher
Die spanische Gesundheitsministerin Elena Salgado gab unterdessen bekannt, daß das Rauchverbot auch für überdachte Stierkampfarenen und die baskischen „frontones“ für Ballspieler gelte. An beiden Orten ist noch hartnäckiger Widerstand von Zigarrenrauchern zu beobachten. Während in Madrid die Betreiber von Zeitungskiosken, die seit dem 1. Januar keinen Tabak mehr verkaufen dürfen, Einnahmeverluste von zwanzig Prozent beklagen und eine Protestdemonstration vorbereiten, halten die spanischen Statistiker der Bevölkerung einen aktualisierten Gesundheitsspiegel vor.
Danach ist für neun von zehn Lungenkrebstoden das Rauchen die Ursache. Jedes Jahr würden nahezu neunzehntausend neue Krebsfälle im Land diagnostiziert. Frau Salgado, die nicht müde wird, ihren Landsleuten Komplimente für die weitgehend brave Einhaltung der neuen Vorschriften zu machen, hofft vor allem auf einen Rückgang des Tabakkonsums bei Jugendlichen. Jeder zweite junge Spanier (Mädchen in gleicher Zahl eingeschlossen) raucht. Ein Drittel der Gewohnheitsraucher sagt, sie möchten gern damit aufhören. Drei Viertel bedauern, daß sie überhaupt damit angefangen haben.