21.05.2004 · Sex ist nicht nur eine Gefühls-, sondern auch eine „Kopfsache“. Dies gilt vor allem für Frauen. Wissenschaftler der Universitätsklinik in Essen haben ihren eigenen „Verdacht“ jetzt bestätigt.
Für die unterschiedlichen Empfindungen von Männern und Frauen beim Sex gibt es jetzt eine weitere wissenschaftliche Bestätigung: Frauen aktivieren beim Geschlechtsverkehr und beim Orgasmus mehr Gehirn. Das haben Untersuchungen des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Universitätsklinik Essen ergeben.
„Den Verdacht hatten wir immer schon, jetzt ist es bewiesen“, sagte Professor Michael Forsting. Die Wissenschaftler hatten mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie die Hirnaktivität von Testpersonen während des Betrachtens hoch erotischer Filme beobachtet. Das Ergebnis: Bei den Männern zeigten sich nach Angaben Forstings Aktivierungen in beiden Schläfenlappen der Großhirnrinde, bei den Frauen zusätzlich ein Areal im rechten Stirnhirn. Welche Funktionen diese aktiven Bereiche haben, können die Forscher allerdings noch nicht sagen.
Wichtig für Verfolgung von Sex-Tätern?
Nach Einschätzung der Experten haben die Untersuchungen durchaus praktische Bedeutung - etwa für die Beurteilung von Sexualstraftätern. Diese seien sehr viel leichter erregbar als durchschnittliche Erwachsene. Für den Strafvollzug, den Gutachter und die Gesellschaft stelle sich die Frage, ob und wann diese Menschen wieder in die Freiheit entlassen werden dürften. Eine von mehreren Voraussetzungen dafür könnte es sein, bei den Betroffenen mit Hilfe solcher so genannter Hirnscans eine Normalisierung der Erregungsmuster nachzuweisen, betonte Forsting.