31.10.2009 · Nachdem erstmals eine Patientin ohne Vorerkrankung in Deutschland an der Schweinegrippe gestorben ist, erwarten Fachleute nun weniger Impfskepsis. Gesundheitsministers Rösler (FDP) hält die normale Herbstgrippe derzeit noch für gefährlicher als die Schweinegrippe.
Nach weiteren Todesfällen bei Schweinegrippe-Patienten in Deutschland rechnen Fachleute damit, dass die Skepsis der Deutschen gegen eine Impfung nachlässt. Michael Pfleiderer, Virologe am Paul-Ehrlich-Institut, sagte: „Ich weiß, dass die Stimmung über Nacht umschlägt, sobald wie jetzt in den Vereinigten Staaten die Zahl der Schwerkranken steigt und die Krankenhausbetten knapp werden.“ Es gebe keinen Grund für Vorbehalte, sagte er der „Wirtschaftswoche“. Umfragen zufolge will sich ein Großteil der Bevölkerung bisher nicht impfen lassen.
Am Freitag waren mindestens zwei weitere Schweinegrippe-Patienten gestorben, zudem ein fünfjähriges Kind. Bei einer 48 Jahre alten Patientin, die am Freitag in der Bonner Uni-Klinik starb, wurden bisher keine Vorerkrankungen festgestellt, die den schweren Krankheitsverlauf erklären würden. Martin Exner, Direktor des Instituts für Hygiene und öffentliche Gesundheit an der Uni-Klinik Bonn, sagte, der Fall zeige, dass eine Infektion auch ohne Vorerkrankungen ernst verlaufen könne. Möglicherweise beginne jetzt eine zweite Welle der Epidemie. In der kälteren Jahreszeit seien nun auch schwerere Krankheitsverläufe möglich.
Beide Impfungen gleichrangig
Bundesgesundheitsministers Philipp Rösler (FDP) hält die normale Herbstgrippe derzeit noch für gefährlicher als die Schweinegrippe. Er werde sich erst einmal gegen die normale Grippe impfen lassen, sagte Rösler der „Bild am Sonntag“. Danach lasse er sich gegen die Schweinegrippe impfen. Den Bürgern empfahl er, sich mit ihrem Arzt zu besprechen.
Ähnlich äußerten sich die baden-württembergische Gesundheitsministerin Monika Stolz (CDU) und ein Sprecher des thüringischen Gesundheitsministeriums. „Die saisonale Grippe ist momentan noch gefährlicher als die Schweinegrippe; an ihr sterben jedes Jahr rund zehntausend Menschen“, sagte er. Beide Impfungen seien gleichrangig, sagte Frau Stolz. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte, er werde sich Anfang Dezember gegen die neue Grippe impfen lassen, wenn die Risikogruppen geimpft worden seien.
Der aktuelle Bericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza des Berliner Robert-Koch-Instituts meldet weiter steigende Zahlen bei den Neuerkrankungen durch den Schweinegrippen-Erreger H1N1: In der vorvergangenen Woche kamen mehr als 1600 Patienten hinzu. Die Weltgesundheitsorganisation meldete, es gebe weltweit mehr als 440.000 Influenza-Erkrankungen und 5700 Todesfälle wegen des Pandemie-Virus H1N1.
Panikmache
Falk Hammer (FalkHammer)
- 31.10.2009, 21:32 Uhr