29.04.2009 · In den Vereinigten Staaten ist ein Kleinkind an der Schweinegrippe gestorben. In Deutschland haben sich nachweislich drei Mexiko-Urlauber aus Hamburg und aus Bayern mit der Krankheit infiziert. Bundesgesundheitsministerin Schmidt warnt vor Reisen nach Mexiko, in Frankreich wird gar ein Stopp aller Flüge in das mittelamerikanische Land gefordert.
In den Vereinigten Staaten ist ein 23 Monate altes Kleinkind der Schweinegrippe zum Opfer gefallen. Das im Bundesstaat Texas gestorbene Kind ist das erste Todesopfer der gefährlichen Grippe in den Vereinigten Staaten, wie das Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (CDC) am Mittwoch mitteilte. Es handelt sich auch um den ersten Todesfall durch die Schweinegrippe außerhalb Mexikos.
In den Vereinigten Staaten sind bereits mehr als 60 Erkrankungen an dem gefährlichen Virus vom Typ A/H1N1 bestätigt worden. Mehrere Menschen werden in Krankenhäusern behandelt. In Mexiko starben an der Schweinegrippe bereits sieben Menschen, mehr als 150 weitere Todesfälle sind womöglich auf das Virus zurückzuführen.
Bisher drei Infizierte in Deutschland
In Deutschland sind zwei Menschen in Bayern und einer in Hamburg an der Schweinegrippe erkrankt. Das hat das Robert Koch-Institut RKI am Mittwoch bestätigt. Weitere Verdachtsfälle aus mehreren Bundesländern würden untersucht. Für die Bevölkerung gebe es nach wie vor „keine allgemeine Gefährdung“ durch die Schweinegrippe.
Bei einem Fall handele sich um eine 22 Jahre alte Frau, die nach einer Mexikoreise mit grippeähnlichen Symptomen in ein Hamburger Krankenhaus gekommen war. Erkrankt ist auch ein Mann Ende 30, der in der Universitätsklinik Regensburg behandelt werde. Ein dritter Fall sei aus Kulmbach in Bayern bestätigt worden. Die 37-jährige Frau sei ebenfalls aus Mexiko zurückgekommen. Die drei Erkrankungsfälle seien am Morgen vom Nationalen Referenzzentrum für Influenza der RKI bestätigt worden.
Die beiden in Bayern mit der Schweinegrippe infizierten Patienten sind nach Angaben von Landesgesundheitsminister Markus Söder bereits auf dem Weg der Besserung. Bei der Frau aus Kulmbach sei bereits eine „vollständige Genesung“ eingetreten, sagte der CSU-Politiker am Mittwoch in München. Die Frau fühlt sich den Medizinern zufolge beschwerdefrei. Auch im zweiten Fall, einem Mann Ende 30 aus dem Raum Regensburg, gebe es eine Besserung. In Bayern sind derweil für 20 Prozent der Bevölkerung Medikamente wie Tamiflu und Relenza für den Notfall eingelagert. Darüber hinaus verfügen auch Krankenhäuser und Apotheken über die antiviralen Medikamente.
Vorsichtsmaßnahmen
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt warnte vor Reisen nach Mexiko. „Wer nicht unbedingt nach Mexiko reisen muss (...), sollte das verschieben“, sagte sie am Mittwoch in Berlin. Man tue alles, was möglich ist, um die Ausbreitung einzudämmen. Sie hoffe, dass am Donnerstag ein gemeinsames Vorgehen der europäischen Länder beschlossen werde. Niemand könne derzeit aber sagen, wie sich die Ausbreitung der zunächst in Mexiko ausgebrochenen Grippe in den nächsten Tagen und Wochen weiterentwickeln kann.
Nach Einschätzung des RKI wird es einen Impfstoff gegen die sich rasant ausbreitende Schweinegrippe frühestens in drei Monaten geben. Institutspräsident Jörg Hacker sagte, zunächst müssten die Virenstämme gezüchtet werden, die die Grundlage für einen Impfstoff bilden könnten.
Ministerin Schmidt kündigte an, im Falle einer Pandemie werde die Bevölkerung in Deutschland zwei Mal geimpft. Wirksame antivirale Medikamente würden für 20 Prozent der Bevölkerung vorrätig gehalten. Sie appellierte an Bundesbürger, die mit Grippesymptomen aus dem Ausland anreisen, sofort einen Arzt aufzusuchen.
Wegen der Schweinegrippe fordert Frankreich von der EU ein Stopp aller Flüge nach Mexiko. „Frankreich fordert eine Dringlichkeitssitzung der EU-Verkehrsminister zu dem Thema“, sagte Gesundheitsministerin Roselyne Bachelot am Mittwoch nach einem Krisentreffen im Élysée-Palast. Die französische Tourismusbranche hat bereits alle Reisen nach Mexiko storniert.
„Müssen uns auf weitere Fälle einstellen“
Der Mikrobiologe Alexander Kekulé von der Universität Halle-Wittenberg sagte, er sei „nicht überrascht“ über den ersten bestätigten Fall in Deutschland. In den kommenden Tagen würden vermutlich weitere Fälle hinzukommen. „Darauf müssen wir uns einstellen“, sagte Kekulé. Es gebe wahrscheinlich eine hohe Dunkelziffer. Der Wissenschaftler äußerte sich „enttäuscht“ über die schnelle Ausbreitung in Deutschland. Mit strengeren Flughafen-Kontrollen hätte dies herausgezögert werden können.
WHO korrigiert Opferzahlen nach unten
Der Ausbruch der Schweinegrippe in Mexiko hatte die Sorge vor einer Pandemie, einer weltweiten Verbreitung, geweckt. In Mexiko sind nach Angaben der Regierung bislang bis zu 159 Menschen an der Grippe gestorben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigte am Dienstag jedoch nur sieben Todesfälle durch Schweinegrippe. Alle seien in Mexiko aufgetreten. In anderen Ländern wurden bislang keine Todesopfer registriert. Infektionen werden jedoch auch aus den Vereinigten Staaten, Kanada, Spanien, Schottland, Neuseeland und Israel gemeldet.
Informationen zur Schweinegrippe gibt es ab sofort von den Experten des Bundesgesundheitsministeriums unter der Telefonnummer 01805 99 66 19. Dies teilten Schmidt und der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) Jörg Hacker am Mittwoch in Berlin mit. Die Experten sind dort von montags bis donnerstags von 8.00 bis 18.00 Uhr erreichbar. Am Freitag ist die Leitung von 8.00 bis 12.00 Uhr besetzt.