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Schulkantinen : Das Kind muss essen

„Geredet wird genug. Wir brauchen Beispiele“: Spitzenkoch Johann Lafer sitzt über den Plänen der neuen Mensa in Bad Kreuznach Bild: Fricke, Helmut

Fader Geschmack, zu wenig Vitamine: Die Verpflegung in deutschen Schulkantinen taugt nicht viel. Jetzt will Fernsehkoch Johann Lafer eine Mensa betreiben - mit Frischem aus Region und Saison.

          Fladenbrot mit Trauben, Speck und Rosmarin, Tafelspitz an herbstlichem Blattsalat, Kartoffelsuppe mit frischem Lauch und Sellerie. Johann Lafer blättert in einem seiner Kochbücher, in dem wahrscheinlich genauso viele Fotos von ihm selbst zu sehen sind wie von den beschriebenen Speisen, und redet sich in Fahrt: Hühnchen sind gut, ein leckeres Geschnetzeltes mit Champignons vielleicht. Oder ein schönes, pochiertes Landei mit Salat. Immer mehr Gerichte fallen Lafer ein, die bald schon auf der Speisekarte stehen könnten - und zwar nicht im Nobelbistro auf seiner „Stromburg“ am Hunsrück, wo er zudem noch ein Gourmet-Restaurant und ein Hotel betreibt, sondern gut 15 Kilometer weiter südlich in der Schulmensa des Gymnasiums am Römerkastell in Bad Kreuznach.

          Noch stehen dort die Bagger in einer leeren Baugrube vor dem Siebziger-Jahre-Schulkomplex, spätestens im November soll aber die neue Mensa eingeweiht werden, ein energiesparender Holzbau mit dem Modernsten, was die Küchentechnik zu bieten hat, einem schicken Speiseraum mit Sofaecke, Kaffeebar und großen Flachbildschirmen. Die Kosten für den Bau, rund vier Millionen Euro, teilen sich das Land Rheinland-Pfalz und der Landkreis Bad Kreuznach. Den Betrieb der Mensa wird Sterne-, Star- und Fernsehkoch Johann Lafer übernehmen. Gekocht werden soll Vollwertkost aus frischen Produkten der Saison und der Region.

          Schlechte Hygiene, fehlende Vollwertigkeit

          „Geredet wird genug“, sagt Lafer. „Wir brauchen Beispiele.“ Und so will er mit der Mensa in Bad Kreuznach ein Beispiel setzen für gute Ernährung in der Schule. Denn die ist in Deutschland fast überall mangelhaft - nicht nur gemessen an den Vorstellungen eines bekannten Kochs.

          Ernährungswissenschaftler der Hochschule Niederrhein haben in den vergangenen fünf Jahren knapp 200 Schulen untersucht und sind zu dem Ergebnis gekommen: Mehr als 90 Prozent der deutschen Schulkantinen haben Qualitätsmängel. In ihrer nun veröffentlichten Studie beklagen die Wissenschaftler „schlechte Hygiene“ ebenso wie fehlende „Vollwertigkeit“. Viel zu selten stehen demnach Fischgerichte, Gemüse und Salate auf den Speiseplänen. Außerdem wird das Essen oft mehrere Stunden lang warm gehalten, bevor es auf den Tellern der Schüler landet. Dadurch verliert es nicht nur an Geschmack, sondern auch wichtige Vitamine.

          „Kinder, die nicht wussten, was Haselnüsse sind“

          Diese Ergebnisse sind umso ernüchternder, je mehr man sie an der wachsenden Bedeutung misst, die das Schulessen für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen hat. In ganz Deutschland sind Tausende Ganztagsschulen aufgemacht worden, an den Gymnasien wird durch das beschleunigte Abitur bis weit in den Nachmittag hinein unterrichtet. Trotzdem kommt ein Viertel aller Schüler morgens zur Schule, ohne gefrühstückt zu haben. Rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind übergewichtig, viele von ihnen leiden an Bluthochdruck oder Diabetes. Immer weniger lernen zu Hause in ihren Familien, sich gut zu ernähren.

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