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Schlafforscher Jürgen Zulley : „Zu wenig Schlaf macht krank, dumm und dick“

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Gute Nacht! Bild: ddp

Wie viel Schlaf braucht der Mensch? Das ist, wie so vieles, eine individuelle Sache - aber im Schnitt schläft der Deutsche sieben Stunden. Und weniger ist hier nicht mehr: Wer zu wenig schläft, wird krank, dumm und dick, warnt die Forschung. Also Vorsicht bei der Zeitumstellung, die eine Stunde Schlaf raubt.

          Wie viel Schlaf braucht der Mensch? Das ist wie so vieles eine individuelle Sache - aber im Schnitt schläft der Deutsche sieben Stunden. Und weniger ist hier nicht mehr: Wer zu wenig schläft, wird krank, dumm und dick, warnt der Rostocker Schlafforscher und Psychologe Jürgen Zulley im Gespräch mit der F.A.Z. Also Vorsicht bei der Zeitumstellung, die eine Stunde Schlaf raubt.

          Herr Zulley, das John-Lennon-Gymnasium in Berlin hat entschieden, auch weiterhin um acht statt um neun Uhr mit dem Unterricht zu beginnen. Sind nun bleibende Schäden zu befürchten?

          Das nicht. Aber die Schüler würden bessere Leistungen bringen, wenn der Unterricht erst um neun starten würde.

          Das ist ja eine tolle Ausrede: Weil die Klassenarbeit in der ersten Stunde war, habe ich eine fünf geschrieben.

          Es ist eine Tatsache, dass sich der Biorhythmus bei Jugendlichen in der Pubertät verschiebt. Sie sind dann morgens um acht Uhr in etwa so fit und leistungsfähig wie um Mitternacht, also mehr oder weniger überhaupt nicht.

          Aber wer später mit dem Unterricht anfängt, geht auch abends später ins Bett und ist dann morgens genauso müde.

          Genau das passiert eben nicht, wie Studien aus Finnland, Israel und den Vereinigten Staaten belegen. Die Schüler gehen nicht später schlafen - und davon würde ich auch hier ausgehen.

          Würde denn ein Schulbeginn um neun überhaupt helfen? Oder sind Schüler in der Pubertät erst mittags richtig fit?

          Nein, zwischen acht und neun Uhr geht die Leistungskurve steil nach oben. Das hat mit biochemischen Prozessen im Körper zu tun, der zwischen drei und vier Uhr nachts mit der Kortisonausschüttung beginnt, die am Vormittag ihren Höhepunkt erreicht.

          Aber gibt es nicht auch bei den Schülern Lerchen und Eulen, also Früh- und Spätaufsteher?

          Sicher, wir sind nicht nach Seriennummer gebaut. Aber in der Pubertät herrscht eine größere Müdigkeit. Das vorübergehende Eulentum legt sich spätestens mit dem 25. Lebensjahr.

          So früh? Gerade Studenten gelten doch als notorische Langschläfer.

          Ja, aber unser Körper passt sich an. Wer die freie Wahl hat, tendiert meistens zu späterem Aufstehen. Das können Sie auch gut am Wochenende und ganz besonders am kommenden Sonntag beobachten. Wenn die Uhr eine Stunde vorgestellt wird, klagen viele Menschen. Die Umstellung auf die Winterzeit im Herbst ist dagegen wie ein Festtag für die innere Uhr.

          Sind die Deutschen eher den Eulen oder den Lerchen zuzurechnen?

          Es gibt keine festen Kriterien, ab wann man eine moderate Lerche oder eine extreme Eule ist. Etwa 80 Prozent der Menschen sind ohnehin Indifferenztypen, also weder richtige Früh- noch richtige Spätaufsteher. Generell aber ist festzustellen, dass die Jugend eher zum Eulentum neigt, während im Alter die meisten zu Lerchen werden.

          Der Mehrheit der Schüler am Lennon-Gymnasium scheint der frühe Schulbeginn aber nichts auszumachen?

          Es überrascht mich nicht, dass die Schüler letztlich so entschieden haben. Bei solchen Fragen spielen eben häufig Kriterien wie mehr Zeit am Nachmittag oder Freizeitinteressen eine größere Rolle als gesundheitliche Aspekte. Ein späterer Schulbeginn würde zwangsläufig auch eine Mittagspause sowie Unterricht am Nachmittag erfordern.

          Ist statt der Aufsteh-Zeit nicht auch die Länge des Schlafes von Belang?

          Natürlich, Schlaf ist ein äußerlich ruhiger, innerlich aber hochaktiver und erholsamer Prozess, der viel Zeit braucht. Das Gehirn ist in mancher Schlafphase so aktiv wie im wachen Zustand. Generell gilt: Der durchschnittliche Deutsche schläft sieben Stunden. Zu wenig Schlaf macht krank, dumm und dick.

          Und wann stehen Sie auf?

          Meist gegen 6.30 Uhr. Ich genieße diese Zeit. Ganz im Gegensatz zu meiner Schulzeit, wo ich schon vor sechs Uhr raus musste. Das war gar nicht schön.

          Die Schulkonferenz des John-Lennon-Gymnasiums in Berlin-Mitte hat mit klarer Mehrheit beschlossen, dass auch in Zukunft die Schule um acht Uhr morgens beginnen soll - bis auf weiteres jedenfalls. Viele Beteiligte und Beobachter rühmen vor allem das Verfahren, in dem es zu der Entscheidung kam: Die Schüler stimmten darüber ab, erst die Oberstufe, die mehrheitlich dafür war, dann die Unterstufe, die mehrheitlich dagegen war. Dann berieten Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam in der Schulkonferenz. Dort wurde mit elf Stimmen für den frühen Schulbeginn votiert, es gab eine Enthaltung und eine Nein-Stimme. Bei den Schülern war der Abstand größer: 397 stimmten für acht, 264 für neun Uhr.

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