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Diagnose Borreliose : Zeckenkrieg

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Aus Sicht vieler anderer Mediziner ist das pure Geschäftemacherei. Borreliose sollte ihrer Ansicht nach als eine Verdachtsdiagnose behandelt werden, die in erster Linie auf den klinischen Symptomen basiert. Tests zum Nachweis spezifischer Antikörper im Blut könnten die Diagnose dann eventuell untermauern, aber nicht umgekehrt. Patienten mit Symptomen wie Erschöpfung, Nerven- und Gelenkschmerzen benötigten eine differenziert ärztliche Ursachenforschung statt blinden Vertrauens in unzureichende teure Tests, wie es heute oft die Praxis ist.

Lymphozytentransformationstest

Mediziner Fingerle vom Nationalen Referenzzentrum für Borrelien warnt ausdrücklich davor, den oft eingesetzten „Lymphozytentransformationstest“ (LTT) als Maß aller Dinge zu nehmen. Daran verdienten zwar die Labore gut. Patienten aber werde eine falsche Gewissheit gegeben. Keiner der gegenwärtigen Borreliose-Tests könne eine Erkrankung eindeutig beweisen, betont er. Und auch ein negatives Testergebnis heiße noch lange nicht, dass wirklich keine Erreger im Körper aktiv seien, denn Borrelien könnten sich beispielsweise auch im Bindegewebe oder in den Gelenken verstecken.

Bei der Deutschen Borreliose-Gesellschaft steht der LTT allerdings hoch im Kurs. „Er ist ein valider Test und geeignet, Borrelien-Aktivitäten anzuzeigen“, sagt Professor Hartmut Prautzsch, Erster Vorsitzender der Gesellschaft. Eine zwei Jahre alte Studie des Krankenhauses Nordwest in Frankfurt zeigt hingegen vor allem, dass von den Testverfahren Labors in Deutschland gut leben können. Die Frankfurter Forscher um Klaus-Peter Hunfeld kamen zu dem Ergebnis, dass die Lyme-Borreliose allein die gesetzlichen Krankenkassen über fünfzig Millionen Euro pro Jahr kostet. Den größten Teil verschlingen dabei die aufwendigen Labortests.

Borrelien auf frischer Tat ertappen

Für den Laien ist es schwierig, in diesem Dickicht an Ärzten, Zahlen, Tests und Aussagen vertrauensvolle Informationsquellen von unseriösen zu unterscheiden. Doch aus München gibt es Hoffnung auf mehr Klarheit: Zurzeit wird dort am Klinikum München Pasing in einer klinischen Studie ein neues Verfahren zur Borreliose-Diagnostik getestet. Dieses misst die direkte Reaktion der Monozyten im Blut. Monozyten zählen zu den weißen Blutkörperchen und spielen bei der Bekämpfung akuter Infektionen eine wichtige Rolle. Der neue „Spirofind“-Test soll die Borrelien somit quasi auf frischer Tat ertappen und nicht wie bei den meisten bisherigen Verfahren nur Spuren finden, ohne zu wissen, ob die Bakterien auch aktiv sind.

Im Herbst 2015 sollen die Ergebnisse der Studie veröffentlicht werden. Sind diese positiv, wäre es vermutlich möglich, eine akute und eine späte Lyme-Borreliose endlich direkt nachzuweisen. Für Spekulationen wäre dann kein Platz mehr, und Patienten blieben nervenzehrende Odysseen, Angst und falsche Diagnosen erspart. Bis dahin rät Neurologe Rupprecht, der die Studie leitet, Patienten, bei verdächtigen Symptomen immer zuerst den Hausarzt aufzusuchen. Mit ihm sollten alle in Frage kommenden Ursachen besprochen werden. Die Lyme-Borreliose sei da eine unter vielen. Nicht mehr.

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