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Reizdarm : Die neue Volkskrankheit

Nicht nur an Feiertagen mit ihrem Hang zur Völlerei gilt für Reizdarm-Geschädigte: Hände weg von FODMAP! Bild: Getty

Millionen Menschen leiden unter ständigen Unterleibskrämpfen und Durchfall. Bis das Reizdarm-Syndrom diagnostiziert wird, absolvieren Betroffene oft einen Ärzte-Marathon.

          Das Essen war gut, das Essen war schwer, und jetzt geht es uns schlecht. Die Völlerei um Weihnachten ist für den menschlichen Körper ziemlich anstrengend, nicht nur, weil er die vielen zusätzlichen Kalorien verarbeiten muss (siehe Interview unten). Das Gemüse, das es zur Gans gab, führt zu unangenehmen Blähungen, die vielen Plätzchen zu Magenkrämpfen. Trost spendet da nur der Gedanke: Im neuen Jahr wird alles besser, dann wird weniger gegessen, und der Körper erholt sich wieder.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Bei vielen Männern und Frauen verschwinden die Symptome aber nicht, selbst wenn sie sich wieder normal ernähren. Sie leiden regelmäßig, wenn nicht ständig unter starkem Durchfall, Blähungen, die auch schmerzhaft sein können, und Unterleibskrämpfen. Bei einigen werden die Beschwerden chronisch und sind so stark, dass sie jeden unnötigen Gang aus dem Haus vermeiden. Sie fühlen sich unwohl oder schämen sich, ihr ganzes Leben leidet darunter.

          Die Diagnose des Arztes lautet dann oft: Reizdarm-Syndrom. Der Begriff ist sehr schwammig, weil unter ihn eine ganze Reihe von Symptomen gefasst wird. Es ist vielmehr eine Definition ex negativo: Wenn der Patient keine gängige Magen- oder Darmerkrankungen hat, aber die Beschwerden bleiben, leidet er eben unter dem Reizdarm-Syndrom. Nach Schätzungen sollen zehn bis 15 Prozent - manche Ärzte sprechen auch von 20 Prozent - der Menschen in den Industrieländern davon betroffen sein, Frauen häufiger als Männer. Obwohl die Krankheit damit schon fast als Volkskrankheit bezeichnet werden kann, ist über ihre Ursachen noch relativ wenig bekannt - und auch ihre wirksame Behandlung kommt nur langsam voran.

          Fructose, Lactose, Sorbitol

          Wer die beschriebenen Symptome hat, geht in der Regel erst einmal zum Hausarzt. Der verweist meist an den Internisten oder Gastroenterologen, der eine Magen-Darm-Spiegelung, vielleicht noch eine Ultraschalluntersuchung macht - und nichts findet. Auch Blut- und Hauttests bleiben meistens ohne Befund, eine Unverträglichkeit zum Beispiel gegenüber Lactose kann auch nicht nachgewiesen werden. Nicht selten werden die Patienten dann weggeschickt mit der Bemerkung, dass es sich wahrscheinlich um ein psychosomatisches Leiden handle. Das ist für viele Patienten unbefriedigend, denn selbst wenn sie den Stress reduzieren, der oft ein Auslöser für psychosomatische Erkrankungen ist, verschwinden die Beschwerden nicht.

          Erst mit der Zeit hat die Forschung gezeigt, dass es sich doch um eine organische Erkrankung handelt. Zwar wurden die Reizdarm-Patienten jetzt nicht mehr gleich als nervöse Psychos abgetan, aber so richtig weiter war man noch nicht. Naheliegenderweise war die Ernährung schnell im Verdacht, die Darmprobleme zu verursachen. Forscher identifizierten eine Reihe von Stoffen, die, wenn sie von Reizdarm-Patienten bei der Ernährung vermieden werden, oft zu einer Verbesserung führen. Diese Stoffe werden unter der Abkürzung „FODMAP“ zusammengefasst und umfassen einige Kohlenhydrate und mehrwertige Alkohole, die in vielen Lebensmitteln vorkommen. Dazu zählen Fructose, das in den meisten Obst- und Gemüsesorten enthalten ist, die vor allem in Milch enthaltene Lactose, und Sorbitol, was oft als Süßstoff in zuckerreduzierten Lebensmitteln verwendet wird.

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