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Raumfahrtmedizin Raumflüge verändern das Erbgut

07.11.2006 ·  Keine gute Nachricht für alle, die von endlosen Reisen durch die endlosen Weiten des Alls träumen: Langzeitaufenthalte im Weltraum bleiben nicht ohne Auswirkungen. Das Erbgut von Astronauten verändert sich in der Schwerelosigkeit.

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Langzeitflüge ins All schädigen das Erbgut in den Blutzellen von Astronauten. Schon in recht erdnahen Umlaufbahnen - etwa 500 Kilometer über der Erde - lasse die kosmische Strahlung Chromosomen der Astronauten gehäuft brechen, sagte der Genetiker Christian Johannes von der Universität Essen-Duisburg am Montag.

Der Forscher untersucht in einer Langzeitstudie Blutproben von Astronauten vor und nach deren etwa sechsmonatigem Flug zur Internationalen Raumstation ISS. Ergebnis: „Im Schnitt steigt der Anteil von Zellen mit veränderten Chromosomen von einem Prozent auf anderthalb Prozent“, sagte Johannes. Damit steige auch das Risiko, an Krebs zu erkranken. Jedoch seien dies erst vorläufige Ergebnisse; die Studie laufe noch mindestens zwei Jahre.

Häufung von gebrochenen Chromosomen

Die Wissenschaftler nahmen bislang die weißen Blutkörperchen von zwölf Astronauten unter die Lupe. Sie isolierten jeweils mindestens tausend Lymphozyten aus dem Blut und suchten nach Veränderungen im Erbgut. „Wir fanden eine Häufung von gebrochenen Chromosomen, zum Teil haben diese sich über Brücken zusammengelagert“, sagte Johannes. Insgesamt sollen mindestens 20 Astronauten getestet werden.

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Bei manchen der zwölf Untersuchten habe sich allerdings keine Häufung von Mutationen gefunden, sagte Johannes. „Das bedeutet jedoch nicht, daß diese Menschen besonders strahlungsresistent sind.“ Manchmal seien tausend Zellen schlichtweg zuwenig, um Veränderungen aufzuspüren. Wie sich die Mutationen dauerhaft auswirkten, sei bislang nur an drei Astronauten erforscht. Ein halbes und ein Jahr nach deren Rückkehr aus dem All sei der Anteil veränderter Chromosomen bei ihnen wieder gesunken gewesen.

Die Untersuchungen sollen helfen, die Langzeitfolgen von Raumflügen für Astronauten abzuschätzen. Letztlich sollen so auch mögliche Schutzmaßnahmen für Flüge zum Mars oder Mond erarbeitet werden.

Quelle: F.A.Z., 07.11.2006, Nr. 259 / Seite 9
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