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Psychosomatik : Wenn die Seele juckt und tränt

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Nicht nur das Lächeln: auch die Augen und die Haut können von der Psyche beeinflusst werden Bild: Getty

In immer mehr medizinischen Fachgebieten achten Ärzte bei Diagnostik und Therapie auf seelische Faktoren. Auch auf Augen und Haut kann die Psyche ihre Wirkung haben.

          In der Filmkomödie „Hollywood Ending“ spielt der Exzentriker Woody Allen einen erfolglosen Regisseur. Dieser erhält noch einmal eine große Chance in seiner Karriere, doch dann - ausgerechnet kurz vor Beginn der Dreharbeiten - erblindet er. Körperlich scheint alles intakt, es handelt sich um eine rein psychische Reaktion auf die Affäre seiner Ex-Frau mit dem gutaussehenden Studiochef.

          Seelisches Erblinden gibt es nicht nur im Film, sondern tatsächlich in der Augenmedizin. Allerdings sind solch spektakuläre Fälle weniger lustig, als es der bekanntermaßen hypochondrische Woody Allen darstellt. Die Verschiebung psychischer Probleme auf körperliche Symptome ist das Feld der Psychosomatik. Auch Fachdisziplinen wie Dermatologie, Zahnmedizin, Orthopädie oder eben die Augenheilkunde interessieren sich für Ansätze, seelische Faktoren miteinzubeziehen, nicht nur als Ursache, sondern auch bei dem Umgang mit der Erkrankung.

          „Wenn Menschen plötzlich nicht mehr sehen können, stecken dahinter möglicherweise traumatische Erlebnisse“, berichtet Gabriele Emmerich, Ressortleiterin des Arbeitskreises Psychosomatik vom Berufsverband der Augenärzte. Ein Grund könne beispielsweise sexueller Missbrauch sein. Vorsichtige und gefühlvolle Aufnahme der Krankengeschichte sei dann wichtig. Letztendlich helfe nur eine Traumatherapie.

          Danach fängt es an, mehrschichtig zu werden

          Doch solche schweren Fälle kommen in der augenärztlichen Praxis selten vor. Wenn von psychosomatischen Aspekten in der Augenheilkunde die Rede ist, geht es häufig um Patienten, die Sehstörungen in Verbindung mit brennenden, schmerzenden oder trockenen Augen schildern. Das Aufspüren von psychischen Auslösern hinter solchen Augenproblemen beschreibt Emmerich so: „Zunächst kläre ich ab, ob das Symptom rein körperlicher Natur ist und dementsprechend behandelt werden kann.“

          Danach fängt es an, mehrschichtig zu werden. Emmerich, die Augenärztin mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie ist und auch als Psychotherapeutin arbeitet, hört auf die emotionale Verfassung des Gegenübers, achtet auf seine Haltung. Und sie fragt, was der Patient bisher versucht hat. „Dann erkenne ich, welche Fähigkeit der Patient zur Problemlösung entwickelt hat.“ Zeigt die körperliche Untersuchung nichts, was die geklagten Symptome rechtfertigt, liegt der Verdacht nahe, dass etwas Seelisches in die Augenbeschwerden hineinspielt.

          Ebenso hat der Verlust des Augenlichts eine große psychische Komponente, die häufig übersehen wird. Die Menschen hätten große Angst, mit dem Augenlicht auch ihre Selbständigkeit zu verlieren, die in unserem Kulturkreis hoch geschätzt wird, sagt Emmerich. In ihrer psychotherapeutischen Sprechstunde behandelt sie eine 96-jährige Frau, der es so ergeht. Die ältere Dame leidet stark unter dem fortschreitenden Verlust ihrer Sehfähigkeit: „Augenärztlich wird ihr bereits geholfen. Sie leidet im Prinzip daran, dass die Lebenskräfte nachlassen.“ Darüber müsse man mit den Patienten sprechen, sie versuchen zu trösten, erläutert Emmerich.

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