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Plastische Chirurgie : Dem Leben wieder Farbe geben

  • -Aktualisiert am

Durch Mikropigmentation ist die detailgetreue Rekonstruktion einer amputierten Brust möglich. Bild: plainpicture/Mira

Frauen, die durch den Krebs eine Brust verloren haben, kann die plastische Chirurgie helfen. Mittlerweile ist die detailgetreue Rekonstruktion einer amputierten Brust möglich.

          Mit zwei Fingern spannt die dunkelblonde Frau sanft die Haut, setzt das silberne Gerät an und betätigt den Fußschalter am Boden. Sieben im Kreis stehende Nadeln schießen hervor. Begleitet von einem monotonen Surren, ritzen sie die oberste Hautschicht an und transportieren Farbpigmente in das Gewebe. Was nach einer herkömmlichen Tätowierung klingt, täuscht.

          Statt in einem Hinterzimmer eines schummrigen Studios spielt sich die Szene in einer Münchner Arztpraxis ab. Mit konzentriertem Blick und ruhigen Fingern hält die Ärztin die summende Maschine in der Hand und setzt abermals an der Brustwarze ihrer Patientin an. Rund zehn Frauen sind heute in die Praxis gekommen, um sich ihre Brustwarze und den Warzenhof nach einer Krebsbehandlung pigmentieren zu lassen. Es sind Frauen, die viel durchgestanden haben, doch wenn sie heute die Münchner Praxis verlassen, wird man im besten Fall keinen Unterschied mehr zwischen der behandelten Stelle und ihrer natürlichen Schwester auf der anderen Seite erkennen.

          Pigmentierung: „Das i-Tüpfelchen der Rekonstruktion“

          Laut der Deutschen Krebshilfe erkranken jedes Jahr schätzungsweise mehr als 75 000 Menschen an Brustkrebs. Das macht die Krankheit zur häufigsten Krebserkrankung bei Frauen. Und die Zahl steigt. Mittlerweile erhält etwa eine von acht Frauen im Laufe ihres Lebens die erschütternde Diagnose. Danach folgt eine Odyssee zu Ärzten, Chemotherapien und Operationen. Durch verstärkte Vorsorge, frühen Therapiebeginn und neue Behandlungsmethoden können Ärzte heute bei vielen Patienten die betroffene Brust erhalten. Ist der Tumor jedoch zu groß, muss die Brust entfernt werden.

          Die verlorene Brust kann dann von Ärzten mit Implantaten oder aus Eigengewebe rekonstruiert werden. Sogar die Brustwarze wird von den Medizinern detailgetreu nachgebaut, ihre natürliche Farbe allerdings erhalten sie meist nicht mehr wieder. Rekonstruierte Brustwarze und Warzenhof bleiben oft wesentlich heller als auf der gesunden Seite. Ein belastender Zustand für die Frauen.

          Deshalb entscheiden sich immer mehr Patientinnen für eine Pigmentation der Brustwarze, eine der wenigen Möglichkeiten, die Farbe anzugleichen. „Sie ist das i-Tüpfelchen der gesamten Rekonstruktion“, sagt die Münchner Plastische Chirurgin Irene Richter-Heine, während sie die Nadeln in die Haut sticht und eine Patientin mit den Worten zitiert: „Eine Brustwarze ohne Farbe ist wie ein ungeschminktes Gesicht.“

          „Ich fühle mich wieder als richtige Frau“

          Der Ablauf einer Pigmentation ist immer gleich: Erst überträgt Richter-Heine nach Augenmaß die Form des natürlichen Brustwarzenhofs auf die andere Seite, dann mischt sie die passende Farbe. Letzteres ist der schwierigste Schritt der gesamten Pigmentation. Zwar stehen der Medizinerin zwanzig Plastikfläschchen mit unterschiedlichen Farbnuancen zur Verfügung, doch gibt es laut Richter-Heine kaum eine Patientin, deren Brustwarzenhof einer vorgefertigten Farbe entspricht. Also heißt es mischen.

          Ergebnisse einer Mammographie: Auffälligkeiten in einer weiblichen Brust.

          „Man braucht viel Erfahrung, um den Hautton der Patientin perfekt zu treffen“, sagt die Ärztin. „Wird die Farbnuance zu dunkel gewählt, ist eine Korrektur schwierig.“ Mal rosastichig, dann wieder mit einem grauen Einschlag oder leicht gelblich: Die Farben unterscheiden sich teilweise nur gering, doch die jahrelange Erfahrung hat das Auge der Medizinerin geschult. Stimmen Form und Farbe, folgt die oberflächliche Betäubung der Brustwarze. Anschließend bringt Richter-Heine mit der Maschine, die einem Zahnarztbohrer gleicht, in klopfenden und kreisenden Bewegungen die Farbe unter die Haut. Die Patienten spüren von der Behandlung meist nichts. So auch Sabine Schreil. Die 44 Jahre alte Frau verzieht nur kurz das Gesicht, als die Nadeln zu einer sensiblen Stelle kommen: „Das kitzelt.“

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