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Altenpflege : „Der Zustand der Betagten hat sich stark verbessert“

  • -Aktualisiert am

Altenpflege in Deutschland: Neue Technologien versprechen effizientere Behandlungen. Bild: dpa

Alte Menschen nehmen oft viele verschiedene Medikamente, die dann zu schweren Wechselwirkungen führen können. Pflegewissenschaftler Jürgen Osterbrink will dem mit einer gezielten Vernetzung von Ärzten, Apothekern und Pflegern entgegenwirken.

          Herr Professor Osterbrink, mit einem Pilotprojekt wollen Sie Wechselwirkungen von Medikamenten verhindern, und zwar durch eine bessere Kommunikation zwischen Ärzten, Apothekern und Pflegern. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

          Ich forsche seit Jahren zu der Frage, wie wir Schmerzen von Patienten lindern können. Vor einiger Zeit habe ich mich intensiv mit der Schmerzsituation von betagten und hochbetagten Menschen beschäftigt, die bereits im Altersheim leben. Ich war in 24 Heimen in Münster unterwegs, und im Durchschnitt erhielten die Patienten dort 15 unterschiedliche Medikamente. Eine ganze Menge! Ich habe dann weiter recherchiert und herausgefunden, dass die Situation in ganz Deutschland ähnlich ist: Fast überall bekommen die Patienten eine hohe Anzahl an Medikamenten, die der Hausarzt und verschiedene Fachärzte verschrieben haben. Sie haben die Medikamente aber oft nicht aufeinander abgestimmt.

          Warum ist die hohe Anzahl an Medikamenten so ein großes Problem?

          Die Wirkstoffe der einzelnen Medikamente können sich untereinander beeinflussen und zu teilweise heftigen Nebenwirkungen führen: Manchen Patienten wird übel, andere dämmern regelrecht vor sich hin und bekommen kaum noch mit, was um sie herum passiert. Wieder anderen wird schwindelig. Dadurch stürzen sie schneller und brechen sich eher etwas. Insgesamt kann man sagen, dass gerade sehr alte Menschen durch die Wechselwirkungen von Medikamenten ein hohes Risiko haben, bettlägerig zu werden. Das ist gefährlich, denn ein Hochbetagter, der eine Woche im Bett verbringt, verliert in dieser Zeit im Schnitt drei Kilo Muskelmasse. Die trainiert er sich in der Regel nicht wieder an, und so kommt er unter Umständen nach einigen Wochen im Bett gar nicht mehr auf die Beine.

          Und ist dann wegen anderer Beschwerden in Behandlung als aufgrund derer, für die er die Medikamente nimmt.

          30 Prozent aller Krankenhauseinweisungen können wir bei alten Menschen auf die Wechselwirkungen von Medikamenten zurückführen. Es ist ein schleichender Prozess, aber auf lange Sicht verkürzen diese Wechselwirkungen das Leben.

          Was sollte sich an dieser Situation ändern?

          Ich glaube, wenn Sie die Leute auf der Straße fragen, ob Ärzte, Apotheker und Pfleger die Medikation von Altenheimbewohnern aufeinander abstimmen, würden die meisten sagen: Ja klar! Das ist aber sehr häufig eben nicht der Fall. Wechselwirkungen und die Anzahl der Medikamente verringern, das können wir aber nur dann, wenn diese drei Berufsgruppen miteinander kommunizieren. Und genau das haben wir in unserem Projekt ermöglicht.

          Für Ihr Pilotprojekt haben Sie in Münster mit 90 Patienten zusammengearbeitet, die in insgesamt zehn Altenheimen untergebracht waren. Mitgemacht haben auch 15 Ärzte und zwölf Apotheken, die die Heime beliefern.

          Ganz genau. Zwei Jahre lang haben wir unsere 90 Patienten begleitet. Wir haben eine Online-Plattform entwickelt, auf der die Ärzte und Apotheker zu jedem Patienten eintragen konnten, welche Medikamente sie ihm verschrieben haben. Auch die Altenheime konnten diese Informationen einsehen. Natürlich haben wir uns dabei streng an den Datenschutz gehalten. Die Ärzte und Apotheker haben sich auch angeschaut, bei welchen Patienten es schädliche Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten geben könnte und wer möglicherweise mehrere Medikamente nimmt, die eine ähnliche Wirkung haben. Dann haben sie in jedem einzelnen Fall entschieden: Können wir Medikamente streichen? Können wir ein Medikament durch ein anderes, besser verträgliches Präparat ersetzen? Oder nehmen wir auch mal bestimmte Nebenwirkungen in Kauf, um die Ursache einer Krankheit besser behandeln zu können?

          Pilotprojekt für einen besseren Einsatz von Medikamenten: Prof. Jürgen Osterbring

          Das klingt aufwendig für ein Gesundheitssystem, in dem kaum Zeit für den Patienten ist.

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