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Organverkauf in Moldau : Zahlung nur bei Ware wie versprochen

  • -Aktualisiert am

Niere verkauft: „Gerechtigkeit ist eine Frage der Ethik. Mit dem Leben der Menschen hier hat das nichts zu tun.“ Bild: Jörn Klare

Ein Mann in Moldau will eine seiner Nieren verkaufen. Er ist nicht der Einzige. Dort gibt es viele Menschen, die diesen Schritt sehr bewusst gehen. Alles hat seinen Preis.

          Er will es für seinen Vater tun. Der ist schwer herzkrank und kann hier in der moldauischen Hauptstadt Chisinau, zweieinhalb Flugstunden von Frankfurt entfernt, nicht behandelt werden. Ärzte in St. Petersburg, die den Vater bereits untersucht haben, verlangen für eine Operation am Herzen mindestens 15000 Euro. Zu viel für die Familie, viel zu viel. Aber weil der Vater, so die Ärzte, nach dem Eingriff wohl noch 15 Jahre leben könnte, hat sich der fünfunddreißigjährige Sohn entschlossen, eine seiner Nieren zu verkaufen. Um die Behandlung bezahlen zu können. Er schwitzt, ist blass und will Sergej genannt werden.

          Sergej sagt, dass er zugenommen habe, weil er nicht mehr rauche und keinen Alkohol mehr trinke, damit seine Niere so gesund wie möglich ist, wenn sie ihm herausgeschnitten wird. Wann genau das sein wird, weiß er nicht. Er wartet auf einen Anruf aus Italien. „Ich tippe auf Mailand oder Turin“ sagt er. Dort soll seine Niere dem Käufer direkt eingepflanzt werden. Sein Vater weiß von alldem nichts.

          Nicolae hat es hinter sich. Er verkaufte eine seiner Nieren schon vor zwölf Jahren in Istanbul. „Sie haben mich reingelegt“, sagt er. Er habe nur Arbeit gesucht und den Versprechungen einer Frau aus seinem Dorf geglaubt. Hinter der türkischen Grenze nahmen ihm Männer, die er nicht kannte, den Pass weg. Sie drohten ihm und boten Geld für eine seiner Nieren: 2500 Dollar. Das waren damals zwei bis drei moldauische Jahreslöhne. Wenn Nicolae davon in seinem kleinen Garten hinter seinem baufälligen Häuschen in einem Dorf, zwei Autostunden von der Hauptstadt entfernt, erzählt, hat er Tränen in den Augen. 37 Jahre ist er alt und Vater von drei Kindern. Seit ihm die Niere fehlt, kann er nicht mehr richtig arbeiten. Es kommt immer wieder vor, dass seine Familie hungern muss.

          Der Arzt hat die Niere nicht der Tochter gegeben, sondern verkauft

          In seinem schmucklosen Büro einer privaten Universität in Chisinau erzählt der Psychologie-Dozent Darii von seiner Nachbarin. Ende der neunziger Jahre war deren Tochter schwer krank, der Arzt riet zu einer Nierentransplantation. Da es keine Alternative gab, spendete die Mutter ein eigenes Organ. Entgegen den Prognosen verstarb die Tochter wenig später. Bei einer Obduktion stellte sich heraus, dass das Kind die Niere seiner Mutter gar nicht bekommen hatte. Der Arzt hatte sie verkauft. Darii ist um die vierzig Jahre alt. Er streicht sich über seinen markanten kahlen Kopf. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, sagt er, gab es in den neunziger Jahren viele, die von hier aus vor allem in die Türkei reisten, um eine Niere zu verkaufen. „Sie waren naiv und wurden ausgenutzt.“ Irgendwann wurden es weniger. Jetzt, so Darii, gäbe es eine neue Welle von Leuten, die diesen Schritt sehr bewusst mit klaren Vorstellungen gehen.

          Sergej bekam von einem Arzt, der von seiner Notlage wusste, eine Telefonnummer in Italien. Er kaufte eine freie SIM-Karte für sein Handy, fuhr in eine andere Stadt und schmiss die Karte nach dem Gespräch in den Müll. Er ist vorsichtig. Der Handel mit Organen ist auch in Moldau offiziell verboten. Die Polizisten würden ihn aber nicht vor Gericht bringen, sondern mitkassieren wollen.

          In Italien meldete sich eine Frau mit estnischem Akzent. Sie sagte: „Ich weiß, dass du Geld brauchst“, und gab ihm die Adresse einer Privatklinik in der 500 Kilometer entfernten ukrainischen Hauptstadt Kiew mit dem Auftrag, sich dort bestimmten Untersuchungen zu unterziehen. Die Ergebnisse faxte Sergej mit einer Kopie seines Ausweises wieder an eine italienische Nummer. Seine Niere wurde akzeptiert. „Die Reise und die Untersuchungen habe ich selbst bezahlt“, sagt er. Dazu kommen Ausgaben für Antibiotika und andere Medikamente, um seinen Körper auf die Operation vorzubereiten. 700 Dollar insgesamt. Sergej nennt das eine Investition.

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