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Oklahoma – eine Stadt speckt ab : „Das Gewicht ist bei uns kein Tabu mehr“

  • Aktualisiert am

Gewichtsprobleme: Oklahoma City war 2007 unter den Top Ten amerikanischer Städte mit den dicksten Einwohnern Bild: AP

Die Einwohner von Oklahoma City hatten ein weitverbreitetes Problem: Sie waren zu dick. Also setzte Bürgermeister Mick Cornett die ganze Stadt auf Diät, und gemeinsam nahmen die Bürger über eine Million Pfund ab.

          Mr. Cornett, die meisten Menschen schaffen es nicht mal, sich selbst zu einer Diät zu motivieren. Wie haben Sie gleich eine ganze Stadt davon überzeugt?

          Es heißt ja, nichts ist so kraftvoll wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Uns geht es gut in Oklahoma. Wir haben eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten des Landes und einen hohen Lebensstandard. Für mich war es logisch, dass wir als Nächstes mehr auf unsere Gesundheit achten müssen. Wären die Leute nicht motiviert gewesen, hätte es nicht geklappt.

          Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, Ihre Stadt auf Diät zu setzen?

          Im Frühjahr 2007 habe ich im Netz eine Liste des Magazins „Men’s Fitness“ entdeckt, auf der Amerikas Städte mit den dicksten Einwohnern aufgezählt wurden. Und meine Stadt, Oklahoma City, war nicht nur dabei, sondern auf Platz acht von 25. Die drei dicksten Städte waren damals Las Vegas, San Antonio und Miami. Ich selbst wog damals 110 Kilo. Nach dem Schock nahm ich erst einmal 20 Kilo ab.

          Das klingt viel zu einfach. Jeder, der schon mal eine Diät gemacht hat, weiß, wie man sich dabei quält.

          Ich habe meine Kalorienzahl von 3000 auf 2000 pro Tag reduziert. Das ist immer noch ziemlich viel. Das habe ich vierzig Wochen durchgezogen und pro Woche ein halbes Kilo abgenommen. Viel schwieriger war es danach, mein Gewicht zu halten.

          Bürgermeister Mick Cornett
          Bürgermeister Mick Cornett : Bild: Wayne Coyne

          Und? Haben Sie es geschafft?

          Ja, obwohl ich Nachtisch liebe. Er sagt meinem Körper, dass die Mahlzeit vorbei ist. Dafür esse ich kaum Brot und viel weniger Nudeln und Kartoffeln. Ich mache jeden Tag Liegestütze und spiele Tennis. Inzwischen gehe ich auch mehr zu Fuß als früher. Weil ich oft lange Tage habe, kommen da einige Meter zusammen. Und manchmal fahre ich Rad.

          Wie haben Sie es geschafft, mit solchen allseits bekannten Maßnahmen Ihre Bürger zu mehr Bewegung und Gesundheit zu animieren, während andere Institutionen es nicht hinbekommen?

          Es gibt so viele Programme, die die Regierung sich für Übergewichtige ausgedacht hat, zum Beispiel, dass die Leute mehr Rad fahren sollen. Das ist eine nette Idee, aber sie bekämpft nicht das Problem. Es geht darum, was man isst und wie viel man isst. Das ist das, was unser Programm von anderen Diätprogrammen unterscheidet. Wir haben den Menschen Ernährungsinformationen und Kalorientabellen gegeben, so dass sie selbst sehen konnten, dass ihre Ernährung das Problem ist. Ich glaube, dass wir deshalb erfolgreich waren und andere eben nicht.

          Warum wollten Sie, dass gleich Ihre ganze Stadt abnimmt?

          Es geht nicht darum, ein Schönheitsideal zu erfüllen. Es geht darum, dass wir gesund leben. Bei den Kindern unserer Stadt sah man fast schon so viele Übergewichtige wie bei den Erwachsenen. Von allein ändert sich das nicht. Wer alt werden will, kann das nicht ignorieren.

          Wie haben Sie das den Leuten gesagt?

          An Silvester 2007 stand ich vor dem Elefantengehege in unserem Zoo. Ich konnte mit gutem Beispiel vorangehen, weil ich schon 20 Kilo abgenommen hatte. An Silvester nehmen sich ohnehin Tausende Menschen vor, endlich dünner zu werden; die Medien berichten über Leute, die es bereits geschafft haben. Ich habe also eine Pressekonferenz gegeben und erklärt, mein Ziel sei, dass die Stadt eine Million Pfund abnimmt. So viel, wie 100 Elefanten zusammen wiegen.

          Wie war die Reaktion?

          Viel besser, als ich dachte. Ich war nicht sicher, ob die Medien sich nicht über mich lustig machen und die Stimmung in der Stadt beeinflussen würden. Aber im Gegenteil, sie schrieben: Viele Amerikaner sind zu dick, und endlich will eine Stadt was dagegen tun. Wir haben die Website thiscityisgoingonadiet.com ins Leben gerufen. Darauf konnte sich jeder Einwohner von Oklahoma City registrieren und regelmäßig sein aktuelles Gewicht eintragen. Schon in der ersten Woche registrierten sich 49 000 Menschen.

          Aber damit allein nimmt man ja noch nicht ab.

          Ich habe mich schon während meiner eigenen Diät oft gefragt, warum die Menschen in anderen Städten dünner sind als wir. Ich sah plötzlich die Stadt mit anderen Augen und stellte fest: Für unsere Autos war die Lebensqualität höher als für uns Menschen. Die Straßen waren mehrspurig, es gab viele Parkplätze, aber kaum Bürgersteige und Fahrradwege. Über Fußgängerampeln musste man rennen, damit man bei Grün noch die Straße überqueren konnte. Es war leichter, sein Kind mit dem Auto vor die Schule zu fahren, als die Schule zu Fuß zu erreichen. Unsere Bibliothek hatte gar keinen direkten Zugang für Fußgänger, dafür aber einen riesigen Parkplatz.

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