Home
http://www.faz.net/-guw-10my7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Nun auch in deutschen Asia-Läden Bonbons aus China unter Melamin-Verdacht

02.10.2008 ·  Der Milchskandal in China ist nun auch in Deutschland angekommen. Nach dem Fund von verseuchten Milchbonbons aus China in Baden-Württemberg gibt es auch in anderen deutschen Regionen den Verdacht auf Melamin in chinesischen Süßigkeiten. Der Verzehr einzelner Bonbons sei nicht gefährlich, heißt es.

Artikel Bilder (2) Video (1) Lesermeinungen (0)

Der Milchskandal in China wirkt sich nun doch auf die Verbraucher in Deutschland aus: Nach dem Fund von Melamin-verseuchten Bonbons in einem Asia-Laden in Stuttgart haben die Behörden am Donnerstag weitere Bonbons und Schokoladen mit der giftigen Chemikalie im Handel entdeckt. Bundesweit wurden verdächtige Packungen aus dem Verkehr gezogen. Verbraucherzentralen und Politiker forderten die Europäische Union dazu auf, den Einfuhrstopp für Milchprodukte aus China auch auf andere Lebensmittel auszudehnen. Mit konkreten Untersuchungsergebnissen der neuen Proben sei erst in der kommenden Woche zu rechnen, teilten die Behörden mit. Vom Verzehr einzelner Milchbonbons, Schokoladen oder Kekse gehe jedoch keine Gefahr aus.

In Baden-Württemberg wurden weitere Süßigkeiten der Marke „White Rabbit“ (Weißer Hase) und „White Rabbit Chocolate“ sichergestellt. Der baden-württembergische Verbraucherminister Peter Hauk (CDU) sagte am Donnerstag, vermutlich sei die möglicherweise belastete Ware bundesweit im Handel. Er forderte die EU und die Bundesregierung auf, den verhängten Importstopp für Milchprodukte aus China auch auf milchhaltige Waren mit weniger als 50 Prozent Milchanteil anzuweiten. Generell müsse vor dem Verzehr von Lebensmitteln aus China gewarnt werden, sagte der Politiker.

Verbraucherschützer für schärfere Kennzeichnung

Die Verbraucherzentralen fordern nach dem Fund auch eine schärfere Kennzeichnung von Lebensmitteln. „Dieser Fall zeigt, wie notwendig eine Herkunftskennzeichnung der Hauptbestandteile eines Produkts und die Rückverfolgbarkeit über alle Stufen sind“, sagte die Ernährungsexpertin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Angelika Michel-Drees, am Donnerstag in Berlin. „Es besteht keine akute Gefahr, aber wir müssen uns um das grundsätzliche Problem kümmern.“

In Österreich fanden die Behörden Melamin in einem Milchshake, der in einem Chinarestaurant in Graz angeboten worden war. Der Restaurantbesitzer habe das Getränk von einem Asia-Händler in Wien bezogen, dort seien alle Getränke dieser Art vom Markt genommen worden, berichtete die Nachrichtenagentur APA. Weitere mit Melamin verseuchte Produkte hätten die Kontrolleure aber bisher nicht gefunden. Das österreichische Gesundheitsministerium warnte vor einer Panikreaktion, für Erwachsene bestehe ohnehin keine Gefahr.

Die Chemikalie, die in der Industrie als Bindemittel benutzt wird und günstig herzustellen ist, wurde in China in großem Stil Milchpulver beigemischt, um damit einen höheren Eiweißgehalt der gepanschten Milch vorzutäuschen. Nach offiziellen Angaben sind in der Folge in China mehr als 50.000 Säuglinge an Nierensteinen erkrankt, drei Todesfälle sind bestätigt.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen