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Grassierendes Norovirus : Hände waschen!

Regelmäßiges Händewaschen hilft gegen das grassierende Novovirus. Bild: dapd

Das Norovirus macht zurzeit ganz Deutschland krank. Zehn Fragen und Antworten zu einem echt fiesen Keim.

          Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen kursieren zurzeit in Deutschland. An Türklinken, Geldscheinen, Lichtschaltern und Händen warten die Noroviren nur darauf, vom einen Mensch zum andern zu gelangen.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zwar hat das Virus, das zum ersten Mal im Jahr 1968 in der amerikanischen Kleinstadt Norwalk für einen großen Ausbruch sorgte, jedes Jahr in den Wintermonaten Konjunktur. Doch laut Robert Koch-Institut (RKI), dem Aufseher über die Infektionserkrankungen in Deutschland, traten die Norovirus-Infektionen in diesem Jahr deutlich früher und stärker auf als im Vorjahr. Bundesweit meldete das RKI für November mehr als 14.500 Fälle. Zahlen für Dezember liegen noch nicht vor. Doch die ständigen Auswertungen des RKI zeigen: Rund dreimal so viele Menschen liegen mit Magenkrämpfen, Übelkeit und Durchfall zurzeit im Bett wie im vergangenen Jahr zum etwa gleichen Zeitpunkt. Die Dunkelziffer liegt dabei noch höher, nicht jeder mit Magen-Darm-Beschwerden geht zum Arzt. Und noch seltener wird getestet, welcher Erreger zu den Beschwerden führt. Ist das Norovirus identifiziert, gilt in Deutschland eine Meldepflicht.

          Da laut Experten noch nicht abzusehen ist, welchen Verlauf die Norovirus-Welle dieses Jahr noch nehmen wird, haben wir uns angeschaut, was man über den sehr ansteckenden Keim weiß, wie man sich schützt und was es mit Magen-Darm-Infektionen eigentlich auf sich hat.

          Warum sind jetzt so viele betroffen?

          Das Norovirus besitzt eine extreme Wandlungsfähigkeit. Immerfort ändert sich sein Erbgut. Die Folge: Seine Oberfläche ist plötzlich anders beschaffen, es besitzt neue Fähigkeiten. Das macht dem menschlichen Immunsystem Probleme. Ständig wird es vom Virus ausgetrickst, erkennt ihn in seiner neuen Form nicht als Feind. Etwa alle zwei bis vier Jahre soll so ein neuer Subtyp beim Norovirus entstehen. Dieses Jahr war es wieder so weit. Das RKI konnte es in Stuhlproben nachweisen. Dabei ist die neue Variante nicht gefährlicher, es gibt nur einfach weniger Menschen, die schon dagegen immun sind. Und dazu kommen die alten Subtypen, die bei sinkenden Temperaturen ebenso beginnen, ihr Unwesen zu treiben. Damit steigen die Zahlen der Erkrankten schnell. Seit 1995 gab es weltweit fünf große Norovirus-Pandemien; ob die Saison das Potential hat, die sechste hervorzurufen, wird sich noch zeigen.

          Wieso ist das Virus so ansteckend?

          Als hüllenloser Erreger ist das Norovirus gegenüber Umwelteinflüssen sehr resistent. Der Erreger ist bei Temperaturen zwischen minus 20 Grad und plus 60 Grad lebensfähig, auch Feuchtigkeit und Desinfektionsmittel kommen nicht immer dagegen an. Tage, manchmal Wochen lang können diese Viren auf Gegenständen überleben. Schon zehn Viren von jeweils rund dreißig Nanometern Größe reichen unter Umständen für eine Ansteckung. Das ist im Vergleich zu anderen Erkrankungen sehr wenig. Dazu vermehren sie sich rasant im menschlichen Körper. Der einzige Trost bei einer so hohen Infektiosität: „Im Normalfall ist aber auch die Immunantwort des Körpers sehr schnell und effizient. Nach wenigen Stunden bis Tagen hat der Körper die Erreger im Griff“, sagt Professor Ansgar Lohse, Klinikdirektor des Zentrums für Innere Medizin am Hamburger Uniklinikum und Experte der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten.

          Wie kann ich mich schützen?

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