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Neuer Gammelfleisch-Skandal Verdächtiger Fleischhändler legt Geständnis ab

28.08.2007 ·  In Bayern sind rund 20 Tonnen nur als Tierfutter geeignetes Fleisch in den Verkauf gelangt. Ein Händler aus Wertigen hat gestanden, tierische Nebenprodukte umetikettiert und an einen Döner-Hersteller verkauft zu haben. Das Fleisch wurde wahrscheinlich schon verzehrt.

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In Bayern gibt es einen neuen Gammelfleisch-Skandal: Eine Fleischfirma in Wertingen soll mindestens 20 Tonnen genussuntaugliches Puten- und Rindfleisch an einen Döner-Hersteller geliefert haben. Wie die Staatsanwaltschaft Memmingen am Dienstag mitteilte, stellten die Behörden nach einem Tipp eines Lastwagenfahrers schon am vergangenen Freitag weitere 11,4 Tonnen Schlachtabfälle bei der Firma sicher. Der Ehemann der Firmenchefin habe auch dieses für den menschlichen Verzehr ungeeignete sogenannte K-3-Material umetikettiert an den Döner-Hersteller verkaufen wollen.

Der Verdächtige legte nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Geständnis ab. Demnach habe er die 20 Tonnen Fleischabfälle schon im Juli an den Döner-Produzenten verkauft. Die Behörden gehen davon aus, dass diese Ware möglicherweise schon von nichts ahnenden Verbrauchern verzehrt worden sei. Die Dönerfleisch-Firma soll dem Geständnis des Mannes zufolge nicht gewusst haben, dass es sich um Fleischabfälle gehandelt habe.

Mitarbeiter wurde misstrauisch

Die Behörden kamen dem Fall auf die Spur, nachdem am Freitag ein misstrauischer Speditionsmitarbeiter bei der Anlieferung der Fleischabfälle die Polizei eingeschaltet hatte. Wie Staatsanwalt Jürgen Brinkmann erklärte, fiel dem Fahrer auf, dass der Verdächtige die nur für die Tierfutter-Produktion bestimmte Ware an einem möglichst unauffälligen Ort abgeladen haben wollte. Der Verdächtige habe zudem sofort begonnen, die Etiketten von der Ware zu entfernen.

Die Polizei durchsuchte den Betrieb noch am gleichen Tag. Auch bei der Dönerfleisch-Firma und dem ursprünglichen Lieferanten der Fleischprodukte seien zahlreiche Unterlagen sichergestellt worden. Das bayerische Verbraucherschutzministerium sei von Anfang an in die Ermittlungen eingebunden gewesen.

Ohne Wissen der Geschäftsführerin

Gegen den Ehemann der Firmenchefin werde „wegen Inverkehrbringens von nicht sicheren Lebensmitteln und Betrugs“ ermittelt, erklärte Brinkmann. Der Mann habe gegenüber den Polizisten zugegeben, dass er plante, das Fleisch als verzehrtauglich an den Döner-Produzenten zu verkaufen. „Dies habe er schon im Juli 2007 mit 20 Tonnen Fleisch so praktiziert, ohne dass seine Ehefrau, die Geschäftsführerin der Firma, oder irgendein Mitarbeiter hieran beteiligt gewesen seien“, erklärte der Staatsanwalt.

Bei dem sogenannten K-3-Material handelt es sich nach EU-Recht um ein tierisches Nebenprodukt, dass nur als Tierfutter für Heim- oder Zootiere verarbeitet werden darf, nicht aber für Nutztiere, die der Mensch später verzehrt.

Fleischskandale belasteten Verbraucherminister

Erst im vergangenen Dezember hatte das Landgericht Memmingen einen Deggendorfer Fleischhändler wegen Betrugs mit derartigen Schlachtabfällen zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, nachdem er tonnenweise umetikettiertes K-3-Material an die Lebensmittelindustrie für Suppen und Gelatine verkauft hatte.

Für einen bundesweitem Verkaufsrückgang bei Döner-Buden sorgte genau vor einem Jahr der Fall des Münchner Fleischhändlers Georg Bruner. In seinem Kühlhaus stellten die Behörden zig Tonnen verdorbenes Fleisch und Lebensmittel sicher. Der Geschäftsmann nahm sich wenige Tage später das Leben. Der bayerische Verbraucherminister Werner Schnappauf (CSU) geriet später schwer unter Druck, als bekannt wurde, dass Behörden schon Monate zuvor über Missstände bei der Münchner Firma informiert waren. Im bayerischen Landtag beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit der Serie von Fleischskandalen im Freistaat.

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