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Neuer Drogenbericht Deutschlands Jugend trinkt zuviel

04.05.2009 ·  Mehr als 23.000 Kinder sind im vergangenen Jahr betrunken ins Krankenhaus gebracht worden, teilweise sogar bewusstlos. Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing forderte deshalb, mehr als bisher gegen das „Koma-Saufen“ zu tun.

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Wodka, Tequila und Co. bis zur Bewusstlosigkeit: Immer mehr Jugendliche trinken sich ins Koma und landen danach in der Notaufnahme. Der Anteil der Jugendlichen, die mindestens ein Mal übermäßig betrunken gemeldet wurden, ist zwar von rund einem Viertel im Jahr 2007 auf etwa ein Fünftel im vergangenen Jahr gesunken. Das Verhältnis an sich trügt jedoch. Denn auch im vergangenen Jahr wurden mehr als 23.000 Kinder, teils bewusstlos, betrunken ins Krankenhaus gebracht - so viele wie nie zuvor, sagte die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) in Berlin während der Vorstellung des neuen Drogenberichts.

Mehr als 20 Prozent der Minderjährigen seien 2008 mindestens einmal pro Monat betrunken gewesen, fast jeder zehnte Jugendliche konsumiere riskant oder gefährlich viel Alkohol. Trotzdem liegen geplante nationale Aktionsprogramme gegen Alkohol und Tabak wegen Streits in der Koalition auf Eis, kritisierte Bätzing. „Man muss hier mehr tun.“

1,3 Millionen Deutsche gelten als alkoholabhängig

Das Problem liegt nicht nur bei den Jugendlichen: Nach dem Bericht trinken in Deutschland fast zehn Millionen Menschen Alkohol in riskanter Form, also weit mehr als gut für sie wäre. Zehn Liter reiner Alkohol rinne im Durchschnitt jedes Jahres durch die Kehle eines Bundesbürgers. Rund 1,3 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig.

Die Tendenz beim Alkoholkonsum ist zwar leicht rückläufig. Deutschland liegt aber nach Angaben aus dem neuen Drogenbericht der Regierung im internationalen Vergleich weiter unter den ersten Zehn. „In der Gesellschaft herrscht eine weit verbreitete unkritisch positive Einstellung zum Alkohol vor“, heißt es in dem Bericht.

Schärfere Kontrollen sollen her, denn neue Gesetze sind kaum durchsetzbar. Die SPD-Politikerin wirft der Union vor, das Nationale Aktionsprogramm gegen Alkohol und gegen Rauchen aus Wahlkampfgründen zu blockieren. Widerstände sollen aus dem Wirtschafts-, dem Familien- und dem Verbraucherministerium gekommen sein - diese werden von Unionspolitikern geführt.

Weniger Jugendliche rauchen

Dabei war die Vorschlagsliste schon geschrumpft. Die ursprünglichen Offerten des Nationalen Drogen- und Suchtrates nach einer Promillegrenze im Autoverkehr von 0,2 und einem Alkoholverbot an Tankstellen waren im aktuellen Entwurf bereits nicht mehr enthalten. Die Wirkung höherer Steuern auf den Konsum von Bier und Wein sollte nur noch geprüft werden. Von einem Scheitern will Bätzing noch nicht sprechen. „Wir werden hier mit dem Koalitionspartner nochmal Gespräche führen.“

Beim Kampf gegen das Rauchen fällt die Bilanz der Drogenbeauftragten weit besser aus. Nur noch knapp 15 Prozent aller Jungen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren rauchten 2008, im Jahr 2001 seien es noch gut 27 Prozent gewesen (die entsprechenden Zahlen für Mädchen in demselben Alter sind 16 und 28 Prozent). Das ergab eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Nach dem bundesweiten Gesetz zum Nichtraucherschutz in Bahnen, Bussen und Behörden gibt es seit dem Sommer des vergangenen Jahres in allen Ländern Regelungen für Gaststätten. Bätzing bemängelte hierbei allerdings die Ausnahmen. Erfolgreich war der Kampf gegen die Modedroge „Spice“, die sie im Januar per Eilverordnung verboten hatte. Die Kräutermischungen verschwanden nach Bätzings Angaben aus den entsprechenden Läden und aus dem Internetvertrieb.

Sieben Prozent hängen an Internet und Computerspielen

Die Online-Sucht insgesamt werde jedoch zu einem immer größeren Problem. Bis zu sieben Prozent der Bundesbürger sollen abhängig sein vom Internet und von Computerspielen. „Wir müssen hier vielmehr die Medienkompetenz stärken“, sagte Bätzing und zielt damit auf Eltern wie auf die Jugendlichen selbst.

Vor allem Jungen und junge Erwachsene zeigten ein Suchtverhalten bis hin zur psychopathologischen Auffälligkeit. Den Kampf gegen die Internet- Sucht sieht die Drogenbeauftragte als entscheidende Aufgabe für die Zukunft.

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