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Neue Regelung Ab sofort zahlen Kassen die Hautkrebs-Vorsorgeuntersuchung

19.06.2008 ·  Deutschland führt als erstes Land der Welt eine flächendeckende und standardisierte Hautkrebs-Früherkennung ein. Gesetzlich Versicherte ab 35 können sich nun auf Hautkrebs untersuchen lassen. Außerdem sollen Solarien Auflagen erhalten.

Von Christina Hucklenbroich
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Wer sich Gedanken um Hautkrebs macht, der kennt die ABCD-Regel: Sie gilt für den besonders gefährlichen schwarzen Hautkrebs und steht für Asymmetrie, Beschaffenheit, Colour (Farbe) und Durchmesser. „Bei Beschaffenheit geht es etwa darum, ob die pigmentierte Stelle ausgefranst ist, bei der Farbe ist eine schwarz-braune Mischung verdächtig“, sagt die Medizinerin Eva Kalbheim von der Deutschen Krebshilfe. Mehr Sicherheit als das eigene Augenmaß bietet aber der Blick eines Arztes. Deshalb führt Deutschland als erstes Land der Welt eine flächendeckende und standardisierte Hautkrebs-Früherkennung ein. Vom 1. Juli an hat jeder gesetzlich Versicherte, der 35 Jahre oder älter ist, alle zwei Jahre Anspruch auf ein solches Screening beim Arzt. „Der Arzt schaut dabei mit dem bloßen Auge, ohne Hilfsmittel, die ganze Haut vom Scheitel bis zu den Fußsohlen an“, sagt Eckhard Breitbart, der zweite Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention, am Donnerstag in Berlin.

Anlass für das neue Angebot sind die steigenden Fallzahlen: In Deutschland befinden sich mindestens 870.000 Hautkrebs-Patienten in medizinischer Behandlung. Seit 1980 hat sich die jährliche Neuerkrankungsrate annähernd versechsfacht. Mittlerweile erkranken jedes Jahr rund 140.000 Menschen neu, mindestens 22.000 von ihnen am besonders gefährlichen malignen Melanom, dem „schwarzen Hautkrebs“, an dem jährlich 3000 Menschen sterben. Mediziner machen dafür ein geändertes Freizeitverhalten verantwortlich - also Sonnenurlaube rund um das Jahr und häufige Solarienbesuche.

Hautkrebs kann im frühen Stadium geheilt werden

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Einführung des Screenings bereits im November 2007 beschlossen. Er trug damit der Tatsache Rechnung, dass Hautkrebs in einem frühen Stadium häufig geheilt werden kann. Haus- und Hautärzte müssen sich für die Untersuchung in einer achtstündigen Schulung fortbilden. Durch das Screening können das Basalzellkarzinom und das spinozelluläre Karzinom, zusammen unter dem Namen „weißer Hautkrebs“ bekannt, und das maligne Melanom erkannt werden.

Der schwarze Hautkrebs bildet häufig Metastasen in Lunge, Knochen und Leber. „Wichtig ist zu erkennen, wie tief das maligne Melanom schon in die Haut eingewachsen ist“, sagt Eva Kalbheim. „Unter einem Millimeter Tiefe ist die Wahrscheinlichkeit nicht so groß, dass es schon Metastasen gebildet hat.“ Dann kann der Tumor unter lokaler Betäubung mit dem Skalpell weiträumig herausgeschnitten werden. Hat die Krebsgeschwulst aber bereits Metastasen im Körper gestreut, hilft nur noch Chemotherapie oder eine Interferonbehandlung. „Weißer Hautkrebs tritt eher in Form verhornter Stellen auf, die sich oft in der Mitte einsenken und auch mal bluten können“, sagt Kalbheim. Hier reicht es wegen der geringen Metastasengefahr, wenn der Arzt die Stellen herausschneidet.

Hautkrebs findet neuerdings mehr Beachtung - das zeigte sich am Donnerstag auch daran, dass Experten des Bundesumweltministeriums mit Vertretern der Solarienbranche verhandelten. Anlass war eine Anhörung zum Teil IV des geplanten Umweltgesetzbuches. „Darin wird es unter anderem darum gehen, eine Rechtsgrundlage zu schaffen für Sonnenstudios“, sagt Wolfgang Weiss, der zuständige Fachbereichsleiter im Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Um mit dem Siegel „Geprüftes Sonnenstudio“ des BfS zu werben, müssen Sonnenstudios schon jetzt Grenzen der Bestrahlungsstärke einhalten, Beratung anbieten und Jugendliche unter 18 Jahren abweisen. 350 von 6000 Sonnenstudios in Deutschland besitzen das Siegel bisher. Sollten die Bestimmungen des Siegels in Zukunft verbindlich werden, wäre das das Ende für automatische Solarienanlagen ohne beratendes Personal, sagt Weiss: „Geld einwerfen und drunterlegen - das geht dann nicht mehr.“

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Jahrgang 1978, Redakteurin im Ressort „Natur und Wissenschaft“

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