11.01.2012 · Eine neue Regelung der EU soll medizinisches Personal vor elektromagnetischer Strahlung schützen. Das könnte dazu führen, dass bald weniger Kernspintomographien durchgeführt werden.
Von Michael Stabenow, BrüsselDie bei der Diagnose und Behandlung von Krebs, Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie neurologischen Erkrankungen seit mehr als einem Vierteljahrhundert genutzte Kernspintomographie könnte künftig nur noch eingeschränkt zur Anwendung gelangen. Vor dieser Entwicklung warnt die "Alliance for MRI", eine 2007 zur Förderung der Magnetresonanztomographie (MRT oder MRI) gegründete europäische Interessenvertretung. Sie fürchtet, dass die Kernspintomographie nicht mehr im bisherigen Umfang genutzt werden könnte, falls es in der einschlägigen EU-Regelung zum Schutz vor elektromagnetischen Feldern von kommendem Jahr an nicht eine entsprechende Ausnahmeregelung für medizinisches Personal geben sollte.
Das Gesetz, das medizinisches Personal und auch Streitkräfte vor übermäßiger elektromagnetischer Strahlung schützen soll, hätte die Folge, dass Ärzte oder Krankenschwestern unruhige Patienten, vor allem Kinder und ältere Demenzkranke, nicht mehr in die Untersuchungsröhre begleiten könnten. Im Gegensatz zum Europäischen Parlament und zur Mehrheit der EU-Staaten widersetzen sich die Regierungen Deutschlands, Italiens, Polens und Österreichs nach Angaben des CDU-Europaabgeordneten Peter Liese noch der Klausel. "Wir brauchen die Ausnahmeregelung" sagte Liese. Stephen Pickard, der Geschäftsführer von "Alliance for MRI", verwies darauf, dass es bei der Kernspintomographie nur sehr selten zu unerwünschten Nebenwirkungen komme. "Kommt es zu einem Gesetz ohne Ausnahmeregelung, dann wird es mehr Todesopfer und mehr Menschen mit Blut an den Händen geben."
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