04.06.2008 · Menschen aus unteren sozialen Schichten essen ungesünder als solche mit hohem Einkommen und höherer Bildung: In Berlin wurde der zweite Teil der Nationalen Verzehrsstudie veröffentlicht. Was alle Bundesbürger gemeinsam haben - sie essen zu wenig Gemüse.
Von Christina HucklenbroichKörpergewicht, Kochverhalten und das Wissen der Deutschen über Ernährung standen im Mittelpunkt des ersten Teils der Nationalen Verzehrsstudie, die Anfang des Jahres veröffentlicht wurde. „Im zweiten Schritt geht es jetzt darum, wie die Essgewohnheiten in Ost und West, bei Frauen und Männern und in unterschiedlichen sozialen Schichten voneinander abweichen“, sagt Iris Lehmann vom Max-Rubner-Institut, das die Studie im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums anfertigte und den zweiten Teil unlängst in Berlin vorstellte. Mehr als 15.000 Deutsche zwischen 14 und 80 Jahren waren 2005 und 2006 zu ihrem Ernährungsverhalten befragt worden.
Männer mit höherem Einkommen, Bildungsabschluss und höherer beruflicher Stellung essen demnach satte 20 Prozent weniger Fleisch, Fleischerzeugnisse und Wurstwaren als Männer aus unteren sozialen Schichten, die außerdem mit mehr als 360 Gramm pro Tag fast viermal so viel Limonade wie ihre Geschlechtsgenossen mit höherem Bildungsabschluss trinken. Frauen und Männer aus unteren sozialen Schichten trinken außerdem weniger Wasser und essen weniger Obst und Gemüse. Die größte Wassermenge, nämlich im Durchschnitt 1216 Gramm am Tag, trinken gebildete Frauen mit höherem Einkommen. Männer derselben Schicht liegen mit 1158 Gramm nur knapp darunter.
Fast alle essen zu wenig Gemüse
Das Max-Rubner-Institut erfasste auch regionale Unterschiede. In den neuen Bundesländern stehen häufiger Brot, Obst, Fette, Wurst und Fleischerzeugnisse auf dem Speiseplan, seltener hingegen Milch und Milchmischgetränke, Kaffee und Tee. Spitzenreiter bei Fleischerzeugnissen - wie Kassler oder Schinken - und Wurst sind Sachsen und Thüringen. Aber auch Streichfette wie Butter und Margarine werden im Osten in größerer Menge verzehrt. Bei den Frauen liegt Brandenburg mit 31 Gramm pro Tag vorn, bei den Männern Mecklenburg-Vorpommern mit 52 Gramm pro Tag.
Zwischen Nord und Süd finden sich dagegen geringere Unterschiede. Die Hamburger essen zwar den meisten Fisch, aber Frauen aus Mecklenburg-Vorpommern belegen trotz Küstennähe beim Fischverzehr den letzten Platz. Das meiste Bier in Deutschland trinken Männer aus Sachsen vor den Männern in Bayern. Bei den Frauen, die insgesamt wenig Bier trinken, liegen die Thüringerinnen und Bayerinnen vorn.
Bei den meisten Vitaminen entspricht die mittlere Zufuhr den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Allerdings unterschreiten 79 Prozent der Männer und 86 Prozent der Frauen die Empfehlung für Folsäure und 82 Prozent der Männer und 91 Prozent der Frauen die für Vitamin D. Insgesamt essen fast 90 Prozent der Befragten täglich eine kleinere Menge Gemüse als die 400 Gramm, die die DGE empfiehlt. Und etwa 60 Prozent beherzigen die Referenzwerte für Obst nicht und essen täglich weniger als 250 Gramm.
Christina Hucklenbroich Jahrgang 1978, Redakteurin im Ressort „Natur und Wissenschaft“
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