28.05.2011 · Die massenhaften Durchfallerkrankungen durch Ehec-Erreger haben zwei weitere Todesopfer gefordert. Eine 38 Jahre alte Frau erlag in Kiel ihrer schweren Erkrankung, eine 87-Jährige starb im Hamburg. Damit sind bislang acht Menschen nach einer Ehec-Infektion gestorben.
Der Ehec-Erreger hat in Deutschland zwei weitere Todesopfer gefordert. In Kiel starb eine 38 Jahre alte Frau bereits am Donnerstagabend im Städtischen Krankenhaus an der schweren Komplikation HUS, dem hämolytisch-urämischen Syndrom, wie eine Krankenhaussprecherin am Samstag berichtete. Im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) gab es in der Nacht zu Samstag einen Todesfall: eine 87 Jahre alte HUS-Patientin.
Damit hat der gefährliche Darmkeim in Deutschland bislang zu mindestens acht Todesfällen geführt - jeweils zwei davon in Hamburg und Schleswig-Holstein. Bundesweit schweben mehrere Menschen weiter in Lebensgefahr.
Neue Behandlung begonnen
Am Hamburger UKE, das die meisten Ehec-Infizierten in der Hansestadt behandelt, setzen die Mediziner inzwischen auf eine neue Behandlung. Sechs Ehec-Infizierte mit Komplikationen bekämen im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) derzeit einen speziellen Antikörper, sagte Prof. Rolf Stahl am Samstag. Der Antikörper Eculizumab soll gegen das akute Nierenversagen bei HUS wirken, wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtete.
Ärzte und Wissenschaftler aus Heidelberg, Montreal und Paris stellten im Fachblatt „New England Journal of Medicine“ die erfolgreiche Behandlung von drei Kleinkindern mit diesem Antikörper vor. Die Kinder waren im vergangenen Jahr nach Ehec-Infektionen an HUS erkrankt. (siehe auch Ehec: Mediziner melden Hoffnungsschimmer).
Höhepunkt noch nicht erreicht
Nach Einschätzung von Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) ist der Höhepunkt der Krankheitswelle noch nicht erreicht, da bis zu zehn Tage zwischen einer Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit liegen könnten. Er gehe außerdem davon aus, dass es außer den spanischen Salatgurken vom Hamburger Großmarkt noch weitere Ansteckungsquellen geben müsse.
Unterdessen dementierten spanische Behörden Informationen der EU-Kommission, wonach zwei Agrarbetriebe in Südspanien wegen Ehec-Verdachts vorübergehend geschlossen worden seien. In den beiden Betrieben in den Provinzen Almería und Málaga seien lediglich bestimmte Mengen von abgeernteten Gurken vorsichtshalber sichergestellt worden, die möglicherweise mit den in Deutschland aufgetretenen Ehec-Infektionen in Verbindung stehen könnten, teilte das Gesundheitsministerium der Region Andalusien in der Nacht zum Samstag in Sevilla mit.
Die Produktion in den beiden Betrieben sei in keiner Weise gestoppt worden. Experten entnahmen Boden-, Wasser und Produktproben. Diese werden derzeit analysiert. Das Hamburger Hygiene-Institut hatte den Darmkeim am Donnerstag auf drei Salatgurken aus Spanien gefunden. Nach Angaben der Europäischen Kommission stammen die Gurken von Unternehmen aus Málaga und Almería, beide Städte liegen in der südspanischen Region Andalusien. Laut den spanischen Behörden wurde bislang in Spanien aber keine EHEC-Belastung entdeckt.
Deutschlands Bauern klagen indes weiter über starke Absatzeinbrüche: Der Vizepräsident des schleswig-holsteinischen Bauernverbands Hans-Peter Witt sieht „irrsinnige Schäden“ bei heimischen Landwirten. Salat sei praktisch nicht zu verkaufen, sogar bei Erdbeeren sei der Verkauf mancherorts um 50 Prozent zurückgegangen. Da es sich bei den Bauernhöfen heute hauptsächlich um Spezialbetriebe handele, die sich auf den Anbau eines Produktes konzentrieren, sei dies existenzgefährdend.
Bislang stammen alle Todesopfer aus Norddeutschland. Drei Frauen kamen aus Niedersachsen, drei aus Schleswig-Holstein und eine aus Bremen. Das bislang einzige männliche Opfer kam aus Hamburg. Krankheitsfälle gibt es auch im Ausland: Schweden hat bisher 25 nachgewiesene Ehec-Erkrankungen, Dänemark sieben, Großbritannien drei, Österreich zwei und die Niederlande eine.
tatsächlich neu
Hans Koss (hanskoss)
- 28.05.2011, 17:56 Uhr
Also wenn man diesen Artikel richtig interpretiert weiß man bis zur Stunde ...
Rolf-Dirk Maehler (RDMAEHLER1)
- 28.05.2011, 19:49 Uhr
Massenpanik als Politikinstrument oder das Versagen des Journalismus als 4.Kraft
Claus-Peter Leonhardt (leon_top)
- 28.05.2011, 20:13 Uhr
eine schwere Zeit
Hans-Joachim Mueller (hansprag)
- 28.05.2011, 21:02 Uhr
Mit Angst Menschen regieren.
Jürgen Häussner (jh_bln)
- 28.05.2011, 21:44 Uhr