Brustvergrößerungen führen die Hitliste sogenannter Schönheitsoperationen zwar weiter an, werden aber weniger oft nachgefragt als noch vor einem Jahr. Zu dem Schluss kommt die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) gut ein halbes Jahr nach dem PIP-Skandal um schadhafte Brustimplantate. Erstmals seit Start der jährlichen Patientenbefragung 2008 ist der Wert, gemessen an allen plastisch-chirurgischen Eingriffen, gesunken, und zwar auf 23,5 Prozent (Vorjahr 29,2 Prozent). Patientinnen seien vorsichtiger geworden, sagte DGÄPC-Präsident Sven von Saldern. Die Zahl der vorgenommenen Brustvergrößerungen schätzt die Gesellschaft auf Basis verkaufter Implantate auf 15 000 bis 20 000 im Jahr.
Saldern wies aber darauf hin, dass der prozentuale Rückgang die Zahl der tatsächliche Eingriffe überzeichne, weil die Zahl der Schönheitsoperationen insgesamt zugenommen habe. Bei Frauen ist die Lidstraffung inzwischen der zweithäufigste Eingriff, das Fettabsaugen wurde auf den dritten Platz verdrängt. Es folgen die durch das Präparat Botox bekannte Botulinumbehandlung, Faltenunterspritzung, Hals-Stirn-Facelift und Brustverkleinerung. Bei Männern dominiert weiterhin Fettabsaugen (23 Prozent) vor Lidstraffung, Nasenkorrektur und Brustverkleinerung. Auch die Penisvergrößerung hat ihren Platz unter den zehn beliebtesten Eingriffen behauptet.
Die Befragung ergab auch, dass die Patienten im Schnitt älter werden. Im Vergleich zum Vorjahr stieg das Durchschnittsalter um rund zwei Jahre auf 40,7 Jahre. Mit einen Plus von fast fünf Prozent ist die Zunahme in der Altersgruppe der Einundvierzig- bis Fünfzigjährigen stark ausgefallen, auch der Anteil der Patienten über 60 Jahre ist mit knapp vier Prozent klar gestiegen.
Europäische Kommission fordert stärkere Kontrollen
Nicht zuletzt als Konsequenz aus dem Skandal um fehlerhafte Implantate der französischen Firma Poly Implant Prothèse (PIP) hat die Europäische Kommission am Mittwoch eine Verschärfung der aus den neunziger Jahren stammenden EU-Vorschriften für Medizingeräte vorgeschlagen. Es dürften nur sichere Geräte auf den Markt gelangen, damit sich Betrugsfälle nach dem PIP-Muster nicht wiederholen könnten, sagte Gesundheitskommissar John Dalli.
Die Vorschläge umfassen neben verschärften Kontrollen eine generelle Pflicht zur Zertifizierung von Geräten wie Herzschrittmachern, Hüftprothesen oder Röntgengeräten durch unabhängige, ebenfalls einer strengeren Überwachung unterliegende Stellen. Eine eigenständige Zertifizierung durch Hersteller soll zum Beispiel für Heftpflaster oder klassische Brillen möglich sein.
Europaabgeordnete wie Dagmar Roth-Behrendt (SPD) und Peter Liese (CDU) beklagen, dass Dallis Vorschläge nicht weit genug gingen. In der Kritik stehen die geplanten Regeln für HIV- oder auch Gentests. In der Kommission wurde am Mittwoch die Befürchtung zurückgewiesen, die geplanten Regeln genügten nicht höchsten Standards; zudem sei ein weitreichender Schutz vor der Weitergabe persönlicher Daten von Patienten an Arbeitgeber oder auch Versicherungsgesellschaften vorgesehen.
