Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) hat im vergangenen Jahr mehr Behandlungsfehler von Ärzten und Krankenhäusern nachgewiesen. Ob Karies, Knochenbrüche oder Gelenkoperationen: Gutachter haben 12.686 Fehlervorwürfe des Jahres 2011 untersucht und stellten in jedem dritten Fall einen Behandlungsfehler fest. „Nach unserer Erfahrung kommt es bei einer erheblichen Zahl von Behandlungsfehlern zu einer Verkettung von Versäumnissen“, sagte die Ärztin Astrid Zobel vom MDK Bayern am Mittwoch in Berlin. Drei Viertel der 4068 Behandlungsfehlern verursachten auch den entstandenen Schaden. 2007 lag die Zahl der Gutachten noch bei knapp 11.000 Fällen.
Der Anstieg liege vor allem daran, dass sich immer mehr Menschen bei den Gutachtern der Krankenkassen melden, die die Institution mit den meisten Fällen ist. Mit dem geplanten Patientenrechtegesetz soll diese Kann-Leistung der Kassen zur festen Bedingung werden - somit dürfte die Zahl weiter steigen. Zudem können sich Patienten auch an Gutachterstellen der Ärzte wenden, die im vergangenen Jahr 2287 Behandlungsfehler nachgewiesen haben. Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), erhofft sich von dem Patientenrechtegesetz, dass eine „Fehlerkultur zum festen Bestandteil des Behandlungsgeschehens“ wird.
Zwei Drittel der Gutachten des MDK behandeln mögliche Fehler im Krankenhaus, während nur ein Drittel der Fälle niedergelassene Ärzte betreffen. Die häufigsten Vorwürfe fielen in der Orthopädie/Unfallchirurgie, der Chirugie und Zahnmedizin an. Die Bestätigungsquote lag mit 51 Prozent in der Pflege und mit 43 Prozent in der Zahnmedizin besonders hoch. Entsprechend untersuchten die Gutachter am häufigsten Knie- und Hüftgelenkarthrose sowie Zahnkaries. Die Vorwürfe bestätigten sich in 50 Prozent der Fälle bei der Entzündung des Zahnnervs und in 47 Prozent bei Zahnkaries.
Einen drastischen Fall eines Behandlungsfehlers stellte die Ärztin Astrid Zobel vor: Ein 67 Jahre alter Mann war frisch an der Gallenblase operiert, aber besser ging es ihm nicht. Der Patient klagte über ungewöhnlich starke Bauchschmerzen. Röntgenaufnahmen brachten keine eindeutigen Nachweis. Als es ihm wesentlich schlechter ging, folgte eine Notoperation. Der Dickdarm war eingerissen und in der Bauchhöhle lag ein Beißkeil, der bei der ersten Operation verhindern sollte, dass der Patient in den Beatmungsschlauch beißt. Dass der Mann diesen offenbar verschluckt hatte, hätte bemerkt werden müssen. Der Patient starb an den Folgen.
Vermeidbare Fehler endlich angehen
Herbert Sax (H.Sax)
- 06.09.2012, 11:53 Uhr
Entscheidungsfehler
Jonas Müller-Hübenthal (Dr_Dolittle)
- 06.09.2012, 11:05 Uhr
Nur Qualität bezahlen
Hans-Erich Börner (Boerners1)
- 06.09.2012, 10:58 Uhr
gesundheitssystem
michael lopatar (den1348)
- 06.09.2012, 06:40 Uhr
Man stelle sich mal vor,
Anna Menz (Anna_Menz)
- 05.09.2012, 22:21 Uhr
