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Medizin : Haarausfall ist kein Schicksal mehr

Mit den richtigen Wirkstoffen kann der Haarausfall gestoppt werden. Bild: interTOPICS

Wer einen Vater mit Glatze hat, entgeht der Erbkrankheit Kahlköpfigkeit nicht. Das galt bis vor wenigen Jahren. Heute kann eine frühzeitige Therapie wahre Wunder bewirken.

          Er war 17 Jahr und hatte blondes Haar - ganz anders als sein Vater. Der hatte schon seit seiner Studentenzeit eine Vollglatze; nur ein schwarzer Haarkranz, der sich vom Nacken über die Ohren zog, war ihm in seinen Mittzwanzigern geblieben. Es war also keine Überraschung, dass auch dem Sohn die blonden Locken nicht mehr lange blieben. Die Eltern gingen mit ihm zu einem Spezialisten - und waren überrascht: Denn der Trichologe hatte selbst eine Glatze. Dem Jungen konnte er kaum Hoffnung machen. Ein wirksames Mittel gegen den anlagebedingten Haarausfall gebe es nicht, sagte er damals in den achtziger Jahren.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Heute könnte der Teenager seine blonden Locken behalten, zumindest wenn er rechtzeitig in die Haarsprechstunde eines Experten wie Hans Wolff von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität ginge. „Haarausfall“, sagt Wolff, „ist kein Schicksal mehr.“ Der Professor hat sich als Dermatologe auf zwei Schwerpunkte spezialisiert: die Trichologie, die sich mit Kopfhaut, Haarwurzeln und Haaren beschäftigt, sowie die Andrologie, die Männerkunde ganz allgemein. Und mit einer Therapie, die auch Wolff anwendet, lässt sich bei neun von zehn Männern der Haarausfall nicht nur stoppen. Bei fast zwei Dritteln von ihnen nimmt die Haardichte sogar wieder zu.

          Um das Männerleiden Haarausfall ranken sich jede Menge Mythen. Das mag auch daran liegen, dass selbst Mediziner noch nicht alles über den schleichenden Haarverlust wissen. Dabei ist die Krankheit so weit verbreitet, dass Krankenkassen sie nicht einmal als Krankheit ansehen und deswegen die Behandlungskosten auch nicht übernehmen. Bis zu 80 Prozent der männlichen Mitteleuropäer leiden unter Haarausfall, und das schon recht früh, sobald sie das Erwachsenenalter erreicht haben. Oft bleibt es bei Geheimratsecken, doch bei einigen Männern kommt schon bald eine Tonsur hinzu, aus der sich schließlich eine Vollglatze bilden kann. Dabei bleiben stets die Haare über den Ohren und am unteren Hinterkopf erhalten. Aus einem einfachen Grund: Sie sind resistent gegen ein bestimmtes Geschlechtshormon.

          Verantwortlich sind mehrere, weitgehend unbekannte Gene

          Dass das Haarwachstum und damit auch der Haarausfall durch Geschlechtshormone gesteuert werden, zeigt sich schon beim Blick auf die unterschiedliche Körperbehaarung von Mann und Frau. Nach derzeitigen Erkenntnissen basiert die „Alopecia androgenetica“ des Mannes auf einer anlagebedingten Empfindlichkeit der Follikel, also der Haarschäfte unter der Haut, gegenüber männlichen Geschlechtshormonen (Androgenen).

          Genetisch vorbestimmt ist dabei, wann die Follikel empfindlich werden: zum Beispiel nach 20 Jahren in den Geheimratsecken und nach 30 Jahren auf dem Oberkopf. Verantwortlich dafür sind mehrere, weitgehend noch unbekannte Gene. Die Vater-Sohn-Krankheit verläuft dabei nicht immer gleich: Hatte ein Vater schon mit Mitte 20 nur noch einen Haarkranz, beim Sohn haben sich bis Mitte 20 aber nur Geheimratsecken gebildet, bleibt dem Nachwuchs eine spätere Vollglatze oft erspart.

          Ein Mensch hat zwischen 90.000 und 150.000 Haare auf dem Kopf: Blonde bis zu 150.000, Schwarzhaarige und Brünette bis zu 110 000, Rothaarige bis zu 90.000. Sie befinden sich in einem beständigen Zyklus des Wachsens, es dauert zwei bis sechs Jahre, und des Ausfallens (bis zu 100 Haare am Tag). Jeder Haarfollikel folgt einem eigenen Zyklus, der Haarbestand bleibt so letztlich immer gleich. Es sei denn, der Follikel hat eine ererbte Empfindlichkeit auf das Stoffwechselprodukt Dihydrotestosteron (DHT).

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