http://www.faz.net/-gum-7920w

Medizin : Haarausfall ist kein Schicksal mehr

Auch dass Männer mit einer Glatze Führungsstärke ausstrahlen, hält Wolff für eine nicht unbedingt haltbare Theorie. Dabei kam gerade erst wieder eine amerikanische Studie zu genau diesem Ergebnis. Albert E. Mannes, Glatzenträger und Management-Professor an der Universität von Pennsylvania, will herausgefunden haben, dass das Bild eines kahlköpfigen Mannes häufig mit „Hypermaskulinität“ assoziiert wird. In Film und Fernsehen seien häufig Actionhelden mit Glatzen zu sehen.

Das Bild brenne sich bei den Menschen ein und würde auch auf andere Lebensbereiche übertragen - zum Beispiel auf den Berufsalltag. Mannes zeigte Probanden Aufnahmen von Männern mit und ohne Haare. Das Ergebnis: Die Befragten verbanden mit den Glatzköpfigen Begriffe wie „dominant“, „größer“ und „stärker“, wie er in seiner Studie „Shorn Scalps and Perceptions of Male Dominance“, erschienen in der Zeitschrift „Social Psychological and Personality Science“, schreibt.

Der Münchner Professor Wolff glaubt das nur bedingt: „Kennen Sie einen amerikanischen Präsidenten mit einer Glatze?“ Gerade unter den führungsstarken Politikern gebe es doch eher wenige Kahlköpfige. Und einige Regierungschefs wie etwa der Italiener Silvio Berlusconi, der sich zudem gerne als Ober-Macho geriert, hat sich sogar Haare transplantieren lassen.

Letztes Mittel: Haartransplantation

Eine Haartransplantation ist für Wolff nur das allerletzte Mittel. Oft rät er seinen jüngeren Patienten, sich die verbliebenen Haare erst einmal ganz kurz zu schneiden oder zu rasieren, um zu sehen, ob sie sich mit einer Glatze nicht gut und attraktiv fühlen. Voraussetzung dafür sei aber ein schön geformter Kopf - wie etwa bei Andre Agassi oder Bruce Willis. „Ist die Kopfform eher grobschlächtig, sieht man schnell wie ein Skinhead aus“, sagt Wolff. Die ideale Indikation für eine Haartransplantation sieht er bei einem älteren Mann gegeben, bei dem der Haarausfall weitgehend zum Stillstand gekommen ist. Sonst besteht die Gefahr, dass um die verpflanzten Haare die genetisch vorgeprägten Haarfollikel weiter schrumpfen. Denn ganz lässt sich der Prozess nicht immer aufhalten.

Für eine Haartransplantation werden resistente Follikel aus dem Haarkranz am Hinterkopf an die kahlen Stellen auf dem Oberkopf verpflanzt. Die Transplantate, bis zu 3000 Follikel, werden sorgfältig präpariert und unter örtlicher Betäubung in kleine Schlitze (“Slit-Technik“) oder Löcher (“Holes-Technik“) eingesetzt. Der medizinisch-ästhetische Eingriff, der bei einem spezialisierten Facharzt etwa 5000 bis 6000 Euro kostet, ist in Deutschland zwar längst noch nicht so üblich wie in den Vereinigten Staaten, Brasilien oder den Niederlanden. Doch steht die Eigenhaarverpflanzung nach Angaben der Verbands der deutschen Haarchirurgen bei Männern inzwischen weit oben auf der Wunschliste von Verschönerungsoperationen.

Dass sich ausgerechnet der Trainer von Borussia Dortmund, Jürgen Klopp, einer Eigenhaarverpflanzung unterzog, hat den Haarexperten Wolff doch eher gewundert. „Ich hatte nicht den Eindruck, als habe er das nötig“, sagt er. Wenn er es einem Fußballtrainer empfehlen müsste, dann Ottmar Hitzfeld. Der Schweizer Nationaltrainer habe den typischen Hubschrauberlandeplatz auf seinem Hinterkopf, bestens für eine Transplantation geeignet.

Auch Jürgen Klopp gehörte lange zu den Männern, die mit längeren Haaren versuchen, kahle Stellen zu kaschieren. Seit der Transplantation ist Klopps Frisur wesentlich kürzer geworden. Tennisstar Agassi litt augenscheinlich ebenfalls unter seinem früh einsetzenden Haarausfall. Er zählt zu der Generation Männer, für die das haarwachstumsfördernde Mittel zu spät auf den Markt kam, auch wenn es bereits 1986 in den Vereinigten Staaten zugelassen wurde. Deutschland folgte erst 15 Jahre später. Grund dafür: Die Zuständigen in der Arzneimittelbehörde waren offenbar der Meinung, dass der Haarausfall zum Leben eines Mannes dazugehöre.

Für mehr Haare

Haarmediziner wie Hans Wolff von der Ludwig-Maximilians-Universität raten gerade jungen Männer dazu, sich bei anlagebedingtem Haarausfall immer an einen Dermatologen zu wenden. Frühzeitige Therapien können heute eine Glatzenbildung stoppen. Eine Behandlung mit einem Milligramm Finasterid kostet etwa einen Euro am Tag, mit Minoxidil, das es mittlerweile auch als leicht aufzutragenden Schaum gibt, etwa die Hälfte. Weitere Informationen zum Thema „Alopecia androgenetica“ gibt es unter www.haarerkrankungen.de.

Quelle: F.A.S.

Weitere Themen

Der Mann hinter Wikipedia Video-Seite öffnen

Jimmy Wales : Der Mann hinter Wikipedia

Der Gründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia könnte Geld wie Heu scheffeln, wenn die Werbeindustrie Anzeigen auf Wikipedia stellen dürfte. Darf sie aber nicht. Warum ist Jimmy Wales nicht am Profit interessiert?

Topmeldungen

Bundeskanzlerin Merkel auf dem Weg auf dem Weg zum EU-Gipfel

EU-Gipfel in Brüssel : Poker mit Erdogan

Auf ihrem Gipfel in Brüssel beraten die EU-Staaten, wie sie den Druck auf die Türkei erhöhen können. Ein Abbruch des Beitritts ist bisher nicht in Sicht – wohl aber andere Maßnahmen.

Christian Lindner : Demut unter der Dusche

Der FDP-Vorsitzende legt am zweiten Tag der Sondierungen ein Buch über die Rückkehr der Liberalen vor – und seine Rolle dabei. Zudem will er einen Autoritätsverlust bei Merkel erkennen.
Eheschließung für alle: Kritiker des Gesetzes befürchten eine schleichende Islamisierung des sozialen Lebens.

Türkei beschließt neues Gesetz : Ehe für alle

In der Türkei dürfen künftig auch Muftis Paare vermählen. Kritiker sehen das Gesetz als Angriff auf den Säkularismus – und befürchten eine Zunahme von Kinderheiraten.
Ihre Bewerbung gefällt dem Kreml: die russische Journalistin Xenia Sobtschak, hier 2012 in Moskau

Kandidatin Sobtschak : Ein Geschenk des Glamours

Die Journalistin Xenia Sobtschak, die schon Glamour-Girl und Heldin in Reality-TV-Shows war, will bei der russischen Präsidentenwahl antreten. Das stößt auf Kritik – aus Sicht des Kremls ist ihre Bewerbung aber von Vorteil.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.