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Medizin : Haarausfall ist kein Schicksal mehr

Diese wird durch die Wirkung des Enzyms 5-Reduktase aus dem männlichen Geschlechtshormon Testosteron gebildet. „Durch die verstärkte Wirkung des DHT kommt es zu einer Miniaturisierung der Haare in den betroffenen Regionen“, erklärt der Haarexperte Wolff. Die Follikel verkümmern nach und nach, die Haare verlieren ihre Dicke und Länge und werden immer feiner und dünner, schließlich bildet sich eine Glatze.

Falsche Versprechungen im Internet

Dieser Prozess aber lässt sich seit ein paar Jahren aufhalten und sogar umkehren. Jeder Haarfollikel kann nach Einschätzung von Wolff durch eine Therapie wieder in ein kräftiges Kopfhauthaar verwandelt werden, solange der betroffene Follikel noch ein mittelkräftiges Haar bildet. „Dort wo die Haare kaum noch sichtbar sind, ist es für den Follikel aber wahrscheinlich zu spät.“ Eine möglichst frühe Therapie ist also entscheidend. Zwei Wirkstoffe stehen zur Wahl: Finasterid (Propecia), das in Tablettenform täglich eingenommen werden muss, und Minoxidil (zum Beispiel Regaine oder Lonolox). Finasterid hemmt das Enzym 5-Reduktase und damit die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron, der Spiegel von DHT im Blut sinkt dadurch um etwa 70 Prozent.

Mit Minoxidil wird seit langem Bluthochdruck therapiert. Ein Nebeneffekt: verstärktes Haarwachstum. Die Mediziner gehen davon aus, dass der Wirkstoff, der auf die Kopfhaut aufgetragen wird, die feinen Blutgefäße rund um den Haarfollikel erweitert. Er vergrößert sich dadurch und bringt am Ende wieder ein dickeres Haar hervor. Die Wissenschaftler vermuten, dass an der haarwachstumsfördernden Wirkung von Minoxidil noch weitere Faktoren beteiligt sind. „Die Effekte am Haarfollikel“, sagt Wolff, „sind noch nicht ganz geklärt.“

Weitere wirksame Haarwuchswirkstoffe gibt es derzeit nicht. Wolff warnt davor, sich auf vor allem im Internet beworbene und verheißungsvoll klingende Wundermittel einzulassen. Das seien alles falsche Versprechungen. Auch kosmetische Artikel, die Coffein und Creatin enthalten oder vermeintliche andere Wirkstoffe von Aloe bis Zink, beeinflussen den anlagebedingten Haarausfall nicht oder höchstens kaum.

Andererseits kann er aber auch nicht durch Umwelteinflüsse befördert werden, wie viele Männer glauben. Weder das Tragen einer Mütze oder eines Toupets noch häufigeres Haarewaschen oder -kämmen führen schneller zu einer Glatze. Auch Stress oder eine „falsche“ Ernährung lassen die Haare nicht schneller verschwinden. Genauso wenig wachsen sie besser oder sogar nach, wenn Mann zum Beispiel eiweißreicher isst. Multivitaminpräparate, Eisentabletten, Gelatinekapseln, Kieselerde, Hefetabletten und was sonst noch so gehandelt wird, ist bei der Erbkrankheit Glatze ebenfalls wirkungslos.

Sind Kahlköpfige die besseren Liebhaber?

Und wie sieht es mit der vielfach behaupteten Hypothese aus, dass Glatzköpfe die eifrigeren oder gar besseren Liebhaber sind? „Auch nur Göttersagen und Mythen“, sagt Wolff. Sexuelle Aktivität stimuliere zwar tatsächlich die Bildung von Testosteron, was wiederum zu mehr Dihydrotestosteron im Blut führe. Doch die Steigerung spiele, wissenschaftlich gesehen, keine Rolle, da die genetisch vorgeprägten Haarfollikel so empfindlich auf das Hormon reagierten, dass sie bereits bei einem normalen DHT-Spiegel schrumpfen. Mehr Geschlechtshormone im Blut lassen also nicht mehr Haarfollikel schrumpfen.

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