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Dienstag, 14. Februar 2012
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Medikamentenskandal Immer mehr Vioxx-Betroffene melden sich

13.10.2004 ·  Das vollständige Ausmaß des Skandals um das Rheumamittel Vioxx ist noch nicht abzusehen. Immer mehr möglicherweise Betroffene melden sich, Todesfälle werden untersucht.

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Bei der Deutschen Rheuma-Liga melden sich immer mehr besorgte Patienten oder Angehörige, die nach Einnahme des inzwischen zurückgenommenen Mittels Vioxx von Herzattacken oder Schlaganfällen berichten. Dies teilte der Bundesverband am Mittwoch in Bonn mit. Ob juristische Klagen Aussicht auf Erfolg haben, wird nach Einschätzung der Rheuma-Liga vom jeweiligen Einzelfall abhängen. Der Berliner Anwalt Andreas Schulz prüft im Auftrag von Hinterbliebenen bisher 40 bis 50 Todesfälle, die möglicherweise auf die Einnahme von Vioxx zurückgehen.

Seit der weltweiten Marktrücknahme des Rheuma- und Schmerzmittels vor zwei Wochen hätten sich außerdem 120 bis 150 Betroffene an ihn gewandt, die von „sehr schweren“ Nebenwirkungen des Medikaments berichteten, sagte Schulz am Mittwoch. Seine Kanzlei erhalte täglich mehr als hundert Anrufe von verunsicherten Patienten und deren Angehörigen.

Vorsicht vor schnellen Klagen

Vor juristischen Schnellschüssen, die vor allem Kosten mit sich brächten, sei allerdings zu warnen, sagte die Geschäftsführerin des Bundesverbandes, Ursula Faubel. Auch eine „allgemeine Medienhysterie“ nutze den Betroffenen wenig. Herz-Kreislauf-Gefährdete sollten in jedem Fall bis auf weiteres auf die Einnahme von Coxiben verzichten. Bevor möglicherweise Schadensersatzansprüche gegen den Vioxx-Hersteller Merck gestellt werden könnten, müßte jeder Einzelfall geprüft werden, heißt es. Geschädigte können sich bei der Rheuma-Liga in eine Liste aufnehmen lassen und erhalten dann Informationen über die weitere Entwicklung und Klagemöglichkeiten.

Chronisch kranke Rheumapatienten hätten bei Medikamenten „in der Regel nur die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub“, erläuterte Faubel. Alle hochwirksamen Präparate hätten Nebenwirkungen und könnten Leber, Nieren, Herz oder Magen schädigen. „Bei Vioxx und anderen Coxiben-Mitteln sind Herz- Kreislaufschwächen im Vorfeld abzuklären. Wir sehen daher nicht nur den Hersteller in der Pflicht, sondern auch die behandelnden Ärzte.“

Viele Patienten potentiell betroffen

Seit 1999 haben nach Herstellerangaben etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland Vioxx eingenommen, viele aber nur wenige Tage. Zum Zeitpunkt der Marktrücknahme hätten schätzungsweise 120.000 Menschen das Mittel erhalten, sagte ein Sprecher der Unternehmensgruppe MSD, die zum amerikanischen Pharmakonzern Merck & Co. gehört.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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