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Weltweit : Erstmals weniger als 100.000 Masern-Tote im Jahr

Eine sudanesische Ärztin impft 2015 in Khartum ein Kind gegen Masern. Bild: dpa

Jedes 15. Kind in Europa wird nicht rechtzeitig gegen Masern und Röteln geimpft. Die völlige Ausrottung der Masern wird aber nur zu schaffen sein, wenn der Impfstoff jedes Kind erreicht.

          Jeden Tag sterben noch immer 245 Menschen auf der Welt an Masern. Das sind rund 90.000 pro Jahr. Der überwiegende Teil von ihnen sind Kinder unter fünf Jahren. Allerdings sterben damit wesentlich weniger als im Jahr 2000. Damals lag die Zahl bei 1500 Masern-Toten am Tag. Insgesamt gab es damals mindestens 55.0000 Menschen, die an Masern oder damit einhergehenden Komplikationen starben. Bis 2016 ging die Zahl um 84 Prozent zurück. Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen lag sie im vergangenen Jahr bei weniger als 100.000, wie das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) am Freitag mitteilte.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Den Erfolg führen Unicef, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die 2001 gegründete Masern und Röteln-Initiative (M&RI) auf die massiven Impfkampagnen der vergangenen zwei Jahrzehnte zurück. Seit dem Jahr 2000 seien 5,5 Milliarden Dosen Masern-Impfstoff zur Verfügung gestellt worden. Damit konnten 20,4 Millionen Leben gerettet werden. „Wir sehen seit mehr als zwei Jahrzehnten einen erheblichen Rückgang“, sagte Jean-Marie Okwo-Bele, WHO-Direktor der Abteilung Immunisierung, Impfstoffe und Biologie. Ziel müsse aber die völlige Ausrottung der Masern sein. Das sei nur zu schaffen, wenn der Impfstoff jedes Kind erreiche.

          Das von der WHO gesteckte Ziel, die Masern bis zu einem bestimmten Jahr auszurotten, ist schon mehrfach nicht erreicht worden. Auch das nun angepeilte Jahr 2020 wird nicht zu schaffen sein. Allein in Europa gab es in diesem Jahr schon 11.000 gemeldete Masernfälle. Nach Schätzungen der WHO ist die Durchimpfungsrate mit der ersten Dosis Masern-Impfstoff sogar wieder gesunken – von 95 Prozent (2012) auf 93 Prozent (2016). Eine Durchimpfungsrate von mindestens 95 Prozent ist nötig, damit die Übertragungswege unterbrochen werden. 2016 lagen 25 Mitgliedstaaten der WHO in Europa unterhalb dieser Schwelle. Jedes 15. Kind in Europa wird nicht rechtzeitig gegen Masern und Röteln geimpft.

          International sind die Zahlen noch schlechter. Nur etwa 85 Prozent der Kinder bekommen die erste Impfung, 64 Prozent die zweite. Fast die Hälfte der mehr als 20 Millionen Kinder, die nicht einmal die erste Impfdosis bekommen, lebt in sechs Ländern: Nigeria (3,3 Millionen), Indien (2,9 Millionen), Pakistan (zwei Millionen), Indonesien (1,2 Millionen), Äthiopien (0,9 Millionen) und Demokratische Republik Kongo (0,7 Millionen).

          Masern gelten als besonders infektiös. Das Virus wird über die Luft übertragen, was auch in Europa immer wieder zu größeren Ausbrüchen führt. Durch Masern wird das Immunsystem geschwächt. Dadurch kann es zu Komplikationen wie Lungen- und Gehirnentzündung, Blindheit und Durchfall kommen. Da die vor allem von Masern betroffenen Länder bei ihren Gesundheitsprogrammen von Projekten mitfinanziert werden, mit denen die Kinderlähmung ausgerottet werden soll, könnte es zu weiteren Rückschritten kommen: Denn sollte Polio in Kürze ausgerottet werden, könnten wichtige Partner und über Jahre aufgebaute Infrastruktur den Masern-Programmen verloren gehen.

          Quelle: F.A.Z.

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