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Marburg-Virus Angola: Menschen fliehen in heller Panik

11.04.2005 ·  Erst der Bürgerkrieg, nun das tödliche Marburg-Virus: Die Menschen in Angola sind verzweifelt und derart hilf- und haltlos, daß selbst die vermummten Helfer gegen die Seuche angegriffen werden.

Von Ralf Krüger, dpa
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In Angolas kriegszerstörtem Nordwesten grassiert die Panik. Apokalyptische Szenen spielen sich dort ab. Mit Masken vermummte Männer in Schutzanzügen nehmen wehklagenden Eltern ihre im Sterben liegende Kinder weg. Militärs in Uniform bergen Leichen, deren Blut verkrustet am Körper klebt. Nach fast drei Jahrzehnten Bürgerkrieg schafft der schlimmste Ausbruch des tödlichen Marburg-Virus seit Menschengedenken nun neue Horror-Szenen in Angola. Die noch weitgehend unerforschte Virusinfektion, die meist tödlich endet, hat bisher mindestens 180 Menschenleben gekostet. Darunter sind mittlerweile auch mehr als ein Dutzend Helfer.

Doch vor Ort droht den Helfern noch eine neue Gefahr: Gewalt durch Unverständnis. Die vom Bürgerkrieg traumatisierte Bevölkerung reagiert hilflos auf ein Phänomen, das sie sich nicht erklären kann. „Es ist schon sehr erschreckend, wenn ein paar Männer mit vermummten Gesichtern auftauchen, während man gerade jemanden verloren hat oder das Kind krank ist, und dann diese Männer auch noch den Menschen oder die Leiche wegtragen“, meinte ein WHO-Sprecher in der Provinz Uige, dem Epizentrum der Seuche. Aberglaube und Furcht vor dem Unerklärlichen führte zu verzweifelten Angriffen auf Helfer.

Ohnmacht, Wut und Verzweiflung

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sprechen von einer aufgeladenen Atmosphäre aus ohnmächtiger Wut und Verzweiflung. Hilflos müssen Angehörige beobachten, wie sich die vom Virus befallenen Opfer mit zuckenden Gliedern und blutenden Augen, Ohren und Nasen zu Tode quälen. Die hohe Sterblichkeitsrate - meist innerhalb von drei bis fünf Tagen - hat zudem das Vertrauen in die Mediziner schwinden lassen. Die Eindämmung des Virus wird auch durch die in ganz Afrika weit verbreitete Kultur der Ahnenverehrung problematisch. Denn Berührungen der Toten bergen ebenso wie Kontakte mit Körperflüssigkeiten der Erkrankten das Risiko der Infektion. Die Leichen müssen daher schnellstens begraben werden - oft ohne Ritual.

Das aggressive Virus droht das ohnehin noch sehr zerbrechliche Gesundheitswesen des afrikanischen Trümmerstaates zu sprengen. Sieben der 18 Provinzen Angolas sind bereits betroffen, und viele Menschen fliehen in heller Panik. In der Hauptstadt Luanda, die drei Jahre nach Kriegsende gerade wieder ihren Weg in die Normalität suchte, traten ebenfalls erste Fälle auf. Fliehende Menschen aus der Provinz schleppten das Virus mit. In dem afrikanischen Land - in dem zahlreiche Straßen, Brücken und Gleise noch immer vermint und viele Gebäude zerstört sind - bahnt sich nach Ansicht von Beobachtern trotz der Petrodollar des Ölförderstaates eine Katastrophe an.

In mehreren Nachbarländern müssen sich aus Angola einreisende Besucher bereits besondere Untersuchungen gefallen lassen. Denn gegen das Fieber, das 1967 erstmals in Marburg nach der Übertragung durch Laboraffen aus Uganda bekannt wurde, gibt es weder Impfung noch Medikamente. Die zuvor größte registrierte Erkrankungswelle gab es in der Demokratischen Republik Kongo. Von 1998 bis 2000 starben dort 123 Menschen.

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