07.11.2005 · Der Skandal um den Fleischzerlegebetrieb in Lastrup ist perfekt: Rund ein Drittel von 20 genommenen Proben waren verdorben, weitere von zweifelhafter Qualität. Die Verbraucherzentralen fordern, die betroffenen Produkte offen zu benennen.
Im jüngsten Fleischskandal hat sich der Verdacht gegen den inzwischen geschlossenen Geflügelzerlegebetrieb im niedersächsischen Landkreis Cloppenburg erhärtet: Das dort beschlagnahmte Geflügelfleisch war in sieben von 20 untersuchten Proben eindeutig verdorben, wie das Landwirtschaftsministerium von Niedersachsen am Montag in Hannover erklärte. Vier weitere Proben hatten demnach Anzeichen von Ranzigkeit oder Gefrierbrand. Lediglich neun Proben habe man als unbedenklich eingestuft, sagte Ministeriumssprecher Dominik Mayer.
Daß an seinem Gestank leicht erkennbares verdorbenes Fleisch bis zum Verbraucher gelangt sei, halte man aber weiter für unwahrscheinlich. Möglicherweise sei aber Fleisch, das auf der Kippe stand, bis auf den Teller gekommen, sagte Mayer. Insgesamt waren 65 Proben genommen worden. In den beiden Betrieben in den Ortschaften Lastrup und Lindern hatte die Staatsanwaltschaft in der vergangenen Woche mehr als 20 Tonnen Geflügelfleisch sichergestellt. Endgültige Untersuchungsergebnisse aller Proben erwartet das Ministerium am Donnerstag. Bis dahin sollen die unverdorbenen Proben auch auf Krankheitserreger untersucht werden.
Fleisch aus weiteren Betrieben wird noch untersucht
Auch die Staatsanwaltschaft Oldenburg kündigte für Donnerstag weitere Informationen zum Stand ihrer Ermittlungen an. Die Behörde hatte bei der Durchsuchung von 15 Betrieben in ganz Deutschland, die von dem Zerlegeunternehmen beliefert worden waren, tonnenweise Geflügelfleisch beschlagnahmen lassen. Zugleich widersprach die Ermittlungsbehörde jedoch Berichten, wonach auch dieses Fleisch verdorben sei. Es seien zwar Proben genommen worden, diese seien jedoch noch nicht untersucht worden.
Am vergangenen Wochenende war bekannt geworden, daß ein Großteil von 7,8 Tonnen Geflügelfleisch, die Ende Oktober nach Berlin geliefert wurden, wohl verzehrt wurden. Wie die Senatsverwaltung am Montag mitteilte, wurden zudem am 3. November 1,5 Tonnen Fleisch bei einem Großhändler in der Hauptstadt sichergestellt. Hier bestehe der Verdacht, daß der Lastruper Betrieb das Material durch Einspritzen von Wasser manipuliert habe. Hinweise darauf, daß auch dieses Fleisch verdorben gewesen sei, gebe es bislang nicht.
Verbraucherschützer: Produkte benennen!
Auch in Sachsen wurde offenbar Fleisch aus den niedersächsischen Betrieben weiterverarbeitet. Wie der Sender MDR 1 unter Berufung auf einen Sprecher des Dresdner Gesundheitsministeriums berichtete, wurde das als Frischfleisch etikettierte Geflügel über einen Berliner Großhändler an einen sächsischen Fleischverarbeitungsbetrieb geliefert. Derzeit werde geprüft, an welche Händler das Fleisch gelangt sei.
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hatte zuvor schon schärfere Sanktionen und die Nennung von „Roß und Reiter in der Öffentlichkeit“ gefordert. Der Verbraucher müsse wissen, in welchen Produkten „die ekelerregenden Stoffe“ drin sind, damit auch er „die gelbe oder rote Karte“ zeigen kann, sagte Verbandssprecher Christian Fronczak dem Norddeutschen Rundfunk am Montag. Fronczak riet den Verbrauchern, nicht nur auf den Preis, sondern auch auf Qualität zu achten, denn die Skandale seien auch Ausdruck eines enormen Preiskampfes in den Supermärkten.