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Blutprobe statt OP : Wie man Krebs bald schon im frühsten Stadium erkennen kann

  • -Aktualisiert am

Die Liquid Biopsy bei Lungenkrebspatienten ist für die Wissenschaftler ein besonders interessantes Forschungsgebiet. Denn je nachdem, wo genau der Tumor im Organ sitzt, ist es für Ärzte unter Umständen sehr schwierig, dort eine Gewebeprobe zu entnehmen. Manchmal kommen sie schlicht nicht dran oder nur unter Bedingungen, die den Patienten gefährden würden. Ähnlich wie beispielsweise bei Hirntumoren können Ärzte in der Lunge außerdem nicht beliebig oft Biopsien vornehmen, da die Entnahmen an diesen Organen besonders aufwendig und die Belastung sowie die Risiken für die Patienten besonders groß sind.

Tumore im frühsten Stadium erkennen

Die Herausforderungen in der Liquid Biopsy begannen für die Ärzte und Wissenschaftler bislang direkt nach der Blutentnahme. Denn für die Analyse der DNA-Fragmente machte es einen Unterschied, ob die Probe beispielsweise geschüttelt wurde, unmittelbar oder erst eine Stunde nach der Entnahme in einem Kühlschrank gelagert werden konnte. Dazu kam, dass die DNA des Tumors schon nach zwei Stunden nicht mehr im Blut nachweisbar war. Da es momentan noch nicht so viele Labore in Deutschland gibt, die in der Lage sind, eine Blutprobe auf Krebs-DNA zu analysieren, war das ein großes Problem.

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Biotechnologe Michael Kazinski und seine Kollegen von der Firma Qiagen haben zusammen mit dem Unternehmen Becton Dickinson deshalb in den vergangenen zehn Jahren an der Entwicklung eines speziellen Blutabnahmeröhrchens gearbeitet, das vor wenigen Monaten zugelassen und auf den Markt gebracht wurde. Es enthält eine spezielle Substanz, die dafür sorgt, dass die DNA-Fragmente im Blut bis zu sechs Tage auch bei ungekühlter Lagerung nahezu unverändert stabil bleiben. Dadurch können die Proben also relativ lange nach der Entnahme noch korrekte Ergebnisse liefern.

Neben dem großen Vorteil, dass eine Blutentnahme für die Patienten deutlich angenehmer ist als eine Gewebebiopsie, haben die Wissenschaftler in der Diagnostik und Behandlung von Krebs mittels Liquid Biopsy noch ein weiteres großes Ziel: Eines Tages wollen sie Tumore mit Hilfe dieser Methode schon dann erkennen, wenn sie noch so klein sind und aus so wenigen Zellen bestehen, dass sie auf Computer- oder Magnetresonanztomographien noch gar nicht sichtbar sind. Es ist ein Ziel, das die Krebsmedizin tatsächlich revolutionieren würde.

Denn je früher ein Tumor erkannt wird, desto höher sind die Chancen, dass er erfolgreich behandelt werden kann. Ganz besonders interessant ist das beispielsweise wieder für Lungentumore. Denn für sie gilt heute noch: Sobald sie Beschwerden verursachen und erkannt werden, ist es meist schon sehr spät, um sie erfolgreich zu bekämpfen. Oft haben sie zu diesem Zeitpunkt schon in andere Teile des Körpers gestreut.

Albtraum für jeden Betroffenen

Wann das Verfahren so weit ausgereift sein könnte, darüber streiten die Wissenschaftler. Der Molekulargenetiker Peter Lichter, der am Deutschen Krebsforschungszentrum zwei Studien zur Liquid Biopsy durchführt, rechnet damit, dass das Verfahren in spätestens fünf Jahren dafür ausreichen wird. Sein Kollege, der Biochemiker Holger Sültmann, ist der Ansicht, dass man über den Zeitpunkt noch gar keine Aussage treffen kann: „Wir wissen schlichtweg nicht, wie schnell wir in der Lage sind, die Analysemethoden zu verbessern.“

Kampf gegen Krebs : Ein maßgeschneidertes Medikament

Doch es ist nicht nur die reine Technik, die weiter verfeinert werden muss, damit die Liquid Biopsy zu einem zuverlässigen Verfahren und Früherkennungsinstrument wird. Aufgekommen ist auch bereits die Frage, ob das Gesundheitssystem eines Tages die Kosten stemmen kann. Denn im Unterschied zu Krebsmedikamenten, die heute häufig für größere Patientengruppen entwickelt werden und die trotzdem oft sehr teuer sind, muss die Liquid Biopsy für kleinere Untergruppen von Patienten entwickelt werden, die etwa an einer speziellen Mutation der jeweiligen Krebsart leiden. Die Entwicklungskosten der Tests müssen die Firmen also mit kleineren Patientengruppen wieder reinholen.

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