07.12.2005 · Dank einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums liegen erstmals Zahlen vor: In Deutschland sterben jährlich mehr als 3300 Nichtraucher an den Folgen des Passivrauchens.
An den Folgen des Passivrauchens sterben in Deutschland jährlich schätzungsweise mehr als 3300 Nichtraucher. Das seien mehr Todesfälle als „durch illegale Drogen, Asbest, BSE und SARS zusammen“, warnten Experten in einer neuen Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums, die am Mittwoch in Heidelberg vorgestellt wurde. Erstmals liegen damit für Deutschland Zahlen zu Passivrauchopfern vor.
Vermutlich 2140 Nichtraucher sterben dadurch jedes Jahr an einer koronaren Herzkrankheit, 770 Nichtraucher an Schlaganfall und 260 an Lungenkrebs. Etwa 60 Säuglinge verlieren jedes Jahr ihr Leben, weil sie zu Hause erheblichem Tabakrauch ausgesetzt sind oder die Mutter während der Schwangerschaft rauchte, erklärten die Mitautoren der Studie, Ulrich Keil und Heiko Becher. „Passivrauch enthält giftige Substanzen wie Blausäure, Ammoniak und Kohlenmonoxid, aber auch eine Vielzahl krebserregender Stoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, N-Nitrosamine, aromatische Amine, Benzol, Vinylchlorid, Arsen, Cadmium, Chrom und das radioaktive Isotop Polonium 210“, erklärte Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum.
Informationskampagne zu Gefahren des Passivrauchens
Schon kleinste Belastungen könnten zur Entwicklung von Tumoren beitragen. Passivrauch reizt akut die Atemwege und kann zu Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung, erhöhter Infektanfälligkeit, Kopfschmerzen und Schwindel führen. Diese Symptome können bereits bei kurzzeitiger Belastung auftreten. Passivrauchen ist auch mitverantwortlich für Erkrankungen wie Herzkrankheiten, Schlaganfall und Lungenerkrankungen. Das Ausmaß der Belastungen durch Tabakrauch in Deutschland ist laut Studie erheblich: Mehr als 170.000 Neugeborene jährlich werden bereits im Mutterleib den Schadstoffen des Tabakrauchs ausgesetzt. Schätzungsweise acht Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher.
Unter den Erwachsenen werden mehr als 35 Millionen Nichtraucher zu Hause, am Arbeitsplatz oder in ihrer Freizeit durch Passivrauch mit Schadstoffen belastet. Allein am Arbeitsplatz sind noch immer etwa 8,5 Millionen Nichtraucher dem Gequalme ihrer Kollegen ungeschützt ausgesetzt.
Angesichts der geschätzten über 3300 Todesopfer jährlich und ungezählten Kranken aufgrund des Passivrauchens hält Martina Pötschke-Langer ein Bundesgesetz zum umfassenden Nichtraucherschutz in öffentlichen Räumen für dringend geboten. Dies müsse auch für die Gastronomie gelten. Zudem fordern die Experten eine Informationskampagne zu den Gefahren des Passivrauchens.
Rauchen in der Öffentlichkeit
Peter P. (Patt1)
- 07.12.2005, 19:28 Uhr
Zweierlei Gefahren
Armin Quentmeier (thiotrix)
- 11.12.2005, 00:18 Uhr