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Krankheiten Mit der Sorglosigkeit nehmen die HIV-Infektionen zu

 ·  2003 wieder mehr HIV-Erstdiagnosen. Die neuen Zahlen betreffen vor allem homosexuelle Männer. Gesundheitsexperten beklagen eine wachsende Sorglosigkeit in der Bevölkerung.

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Gesundheitsexperten schlagen Alarm: Sowohl die Zahl der Infektionen mit dem HIV-Virus als auch die Sorglosigkeit gegenüber der Immunschwächekrankheit Aids hat im vergangenen Jahr wieder zugenommen. Dies teilten das Robert Koch Institut (RKI) und die Bundeszentrale für gesunddheitliche Aufklärung (BZgA) am Mittwoch in Berlin mit.

„Diese Entwicklung bietet Anlaß zur Sorge und muß ernstgenommen werden“, so Institutspräsident Reinhard Kurth, bei der Präsentation des aktuellen HIV/Aids-Berichtes. Insbesondere bei den homosexuellen Männern sei das Risikobewußtsein erheblich gesunken. 2003 wurden 1950 Neuinfizierungen registriert. Davon seien etwa 22 Prozent Frauen und mehr als 40 Prozent homosexuelle Männer gewesen. Auch die Zahl von Syphillisinfektionen sei erheblich gestiegen, betonten die Gesundheitsexperten.

Mitverantwortlich für diese neue Sorglosigkeit ist nach Ansicht Kurths die zu positive Werbung für Aidsmedikamente in Magazinen für homosexuelle Männer. „Diese Werbung sollte sachbezogener sein“, kritisierte er und betonte: „Aids ist nach wie vor nicht heilbar.“

Höhere Risikobereitschaft

Obwohl in Deutschland die grundsätzliche Bereitschaft zum Schutz mit Kondomen vorhanden sei, zeigten sich viele Menschen „bereit, ein höheres Risiko einzugehen“, sagte Osamah Hamouda, Leiter des Fachgebiets „Sexuell übertragbare Infektionen“ am Robert Koch Institut. Die neuen Fälle konzentrieren sich vor allem auf die Großstädte Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main.

Neben den homosexuellen Männern, stellten die BZgA-Forscher in ihrer Wiederholungsbefragung zur Aidsprävention aber auch in anderen Gruppen einen Trend zu weniger Schutzverhalten fest: Bei den Singles unter 45 sinkt vor allem in riskanten Situationen die Kondomnutzung. Bei Menschen mit mehreren Sexualpartnern in einem Jahr schützen sich nach eigenen Angaben 78 Prozent, bei Urlaubsbekanntschaften 73 Prozent - jeweils rund 5 Prozent weniger als bei der Befragung 2001.

Diese rückläufige Entwicklung kommt auch in den sinkenden Absatzzahlen der Kondomhersteller zum Ausdruck. 2000 wurden noch 207 Millionen Kondome verkauft, drei Jahre später waren es schon 18 Millionen weniger.

Positive Entwicklung bei Jugendlichen und Frauen

Erfreulich sei hingegen die Entwicklung der regelmäßigen Kondomnutzung bei den 16- bis 20jährigen. Sie ist laut RKI auf 68 Prozent gestiegen. Dies zeige, daß die Aufklärungskampagnen ihre Wirkung entfalten. Auch der Anteil der Frauen, die Kondome im Haus oder bei sich hatten, ist 2003 auf 62 Prozent gestiegen.

In Deutschland sind nach Einschätzung des RKI rund 43.000 Menschen mit HIV infiziert, darunter etwa 33.500 Männer, 9500 Frauen und knapp 400 Kinder. Im Jahr 2003 starben etwa 600 Menschen an der Krankheit.

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