Krankenhaus-Keime: Das mit den 15000 Toten ist jetzt keine Schätzung mehr - Gesundheit - FAZ
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Krankenhaus-Keime : Das mit den 15000 Toten ist jetzt keine Schätzung mehr

Wenn das Krankenhaus krank macht: Eine Studie hat sich jetzt erstmals wissenschaftlich mit sogenannten nosokomialen Infektionen auseinandergesetzt. Bild: Jonas Wresch

Eine Studie aus Jena hat jetzt wissenschaftlich bestätigt, was vielen schon als erwiesen galt: Jedes Jahr erkranken in deutschen Krankenhäusern hunderttausende Patienten an Infektionen.

          Die Schätzungen über die Anzahl der Patienten, die in Deutschland an Infektionen sterben, die sie erst im Krankenhaus erworben haben, sind jetzt wissenschaftlich erhärtet. Das zeigen erste Ergebnisse der „Alerts-Studie“ des Universitätsklinikums Jena. Bislang konnte nur geschätzt werden, dass in deutschen Krankenhäusern jedes Jahr bis zu 600000 Patienten an den sogenannten nosokomialen Infektionen erkranken, also an Infektionen, die sie erst im Krankenhaus erworben haben. Die Infektionen können, weil Antibiotika oft nicht mehr wirken, zur Sepsis werden. Hier wurden bis zu 15000 Todesfälle im Jahr angenommen.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Allerdings beruhten diese Annahmen auf Erhebungen, die sich nur auf bestimmte Patientengruppen oder Abteilungen bezogen, etwa die Intensivstation. Die Alerts-Studie, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird, bestätigt nun diese Schätzungen. Das Projekt des Forschungs- und Behandlungszentrums „Sepsis und Sepsisfolgen“ am Universitätsklinikum Jena hat über ein Jahr alle am Klinikum auftretenden Infektionen erfasst. So wurden nach den Angaben bei etwa 40000 Patienten in den vergangenen zwölf Monaten Daten erhoben, die auch über das übliche Krankenhausinfektions-Überwachungssystem (Kiss) hinausgingen, etwa solche über die Antibiotikatherapie. Das Ergebnis der Studie zeigt für die ersten, nun ausgewerteten sechs Monate, dass 823 Mal Krankenhausinfektionen auftraten, also bei 4,3 Prozent der Patienten.

          In der zweiten Phase werde man nun Therapien und Präventionsvorgaben auf diese Ergebnisse zuschneiden, sagte Studienleiter Frank Brunkhorst. Das Studienteam will überprüfen, ob die Verbesserungsvorschläge auch wirken. Deshalb werden von März an wieder alle Infektionen im Krankenhaus erfasst. Nach Angaben Brunkhorsts will man die Infektionen um ein Fünftel verringern. Insgesamt suche man über die bestehenden Hygieneregeln hinaus nach Wegen, um Wund- oder Atemwegsinfektionen, die zu den häufigsten Krankenhausinfektionen gehören, besser zu vermeiden. Dazu sollten die Ärzte zum Beispiel prüfen, ob wirklich in jedem Fall ein Venenkatheter gelegt werden muss und ob er aseptisch angebracht und rechtzeitig entfernt wird. Hier werde wieder besonderes Augenmerk auf die Handdesinfektion des Klinikpersonals gelegt. Die Handdesinfektion ist der einfachste und wichtigste Weg, um Krankenhausinfektionen zu vermeiden.

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