Home
http://www.faz.net/-gum-74s9a
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 Plus

Veröffentlicht: 03.12.2012, 14:20 Uhr

Krankenhaus-Keime Das mit den 15000 Toten ist jetzt keine Schätzung mehr

Eine Studie aus Jena hat jetzt wissenschaftlich bestätigt, was vielen schon als erwiesen galt: Jedes Jahr erkranken in deutschen Krankenhäusern hunderttausende Patienten an Infektionen.

© Jonas Wresch Wenn das Krankenhaus krank macht: Eine Studie hat sich jetzt erstmals wissenschaftlich mit sogenannten nosokomialen Infektionen auseinandergesetzt.

Die Schätzungen über die Anzahl der Patienten, die in Deutschland an Infektionen sterben, die sie erst im Krankenhaus erworben haben, sind jetzt wissenschaftlich erhärtet. Das zeigen erste Ergebnisse der „Alerts-Studie“ des Universitätsklinikums Jena. Bislang konnte nur geschätzt werden, dass in deutschen Krankenhäusern jedes Jahr bis zu 600000 Patienten an den sogenannten nosokomialen Infektionen erkranken, also an Infektionen, die sie erst im Krankenhaus erworben haben. Die Infektionen können, weil Antibiotika oft nicht mehr wirken, zur Sepsis werden. Hier wurden bis zu 15000 Todesfälle im Jahr angenommen.

Karin Truscheit Folgen:

Allerdings beruhten diese Annahmen auf Erhebungen, die sich nur auf bestimmte Patientengruppen oder Abteilungen bezogen, etwa die Intensivstation. Die Alerts-Studie, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird, bestätigt nun diese Schätzungen. Das Projekt des Forschungs- und Behandlungszentrums „Sepsis und Sepsisfolgen“ am Universitätsklinikum Jena hat über ein Jahr alle am Klinikum auftretenden Infektionen erfasst. So wurden nach den Angaben bei etwa 40000 Patienten in den vergangenen zwölf Monaten Daten erhoben, die auch über das übliche Krankenhausinfektions-Überwachungssystem (Kiss) hinausgingen, etwa solche über die Antibiotikatherapie. Das Ergebnis der Studie zeigt für die ersten, nun ausgewerteten sechs Monate, dass 823 Mal Krankenhausinfektionen auftraten, also bei 4,3 Prozent der Patienten.

Mehr zum Thema

In der zweiten Phase werde man nun Therapien und Präventionsvorgaben auf diese Ergebnisse zuschneiden, sagte Studienleiter Frank Brunkhorst. Das Studienteam will überprüfen, ob die Verbesserungsvorschläge auch wirken. Deshalb werden von März an wieder alle Infektionen im Krankenhaus erfasst. Nach Angaben Brunkhorsts will man die Infektionen um ein Fünftel verringern. Insgesamt suche man über die bestehenden Hygieneregeln hinaus nach Wegen, um Wund- oder Atemwegsinfektionen, die zu den häufigsten Krankenhausinfektionen gehören, besser zu vermeiden. Dazu sollten die Ärzte zum Beispiel prüfen, ob wirklich in jedem Fall ein Venenkatheter gelegt werden muss und ob er aseptisch angebracht und rechtzeitig entfernt wird. Hier werde wieder besonderes Augenmerk auf die Handdesinfektion des Klinikpersonals gelegt. Die Handdesinfektion ist der einfachste und wichtigste Weg, um Krankenhausinfektionen zu vermeiden.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Altersmedizin OP gelungen, Patient Pflegefall

Wenn ältere Menschen ins Krankenhaus müssen, kann das böse ausgehen. Viele geraten in ein Delirium und finden sich anschließend nicht mehr zurecht. Nur an wenigen Kliniken unternimmt man etwas dagegen. Mehr Von Michael Brendler

28.01.2016, 09:50 Uhr | Wissen
Syrienkonflikt Tod und Zerstörung in Aleppo - Zehntausende auf der Flucht

In Syrien läuft eine Offensive der von russischen Kampfbombern unterstützten syrischen Regierungstruppen auf die Stadt Aleppo. Bei Luftangriffen wurden zuletzt laut Aktivisten mindestens 21 Zivilisten getötet. Nach einer Schätzung der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte haben fast 40.000 Menschen die Flucht ergriffen. Mehr

05.02.2016, 15:45 Uhr | Politik
Alternativmedizin in Kritik Den Homöopathen soll es an die Globuli gehen

Homöopathie breitet sich immer stärker aus. Damit wächst auch Klärungsbedarf. Ärzte, Wissenschaftler und Biologen bauen eine kritische Internetplattform auf. Mehr Von Rüdiger Soldt

03.02.2016, 09:05 Uhr | Gesellschaft
Zentral- und Südamerika Zika-Virus breitet sich aus

Die Zahl der Infektionen mit dem Zika-Virus nimmt stetig zu. Und auch die Sorge wächst: Besonders betroffen sind Zentral- und Südamerika. Mehr

28.01.2016, 15:42 Uhr | Gesellschaft
Schmerz nach der Krebstherapie Kaum auszuhaltende Qualen

Lange dachten Ärzte, Krebspatienten könnten keine chronischen Schmerzen entwickeln. Heute wissen sie es besser. Gut versorgt sind diese Patienten trotzdem noch nicht. Mehr Von Lucia Schmidt

31.01.2016, 08:40 Uhr | Gesellschaft
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden