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Welche Pflege schützt die empfindliche Kopfhaut? Passt Glitzer-Lidschatten zu grünen Augen? Um solche Fragen geht es hier. Bild: DKMS Life

Kosmetik für Krebspatientinnen : Was ein wenig Farbe im Gesicht bewirkt

  • -Aktualisiert am

Make-up wird oft als schöne, aber eigentlich überflüssige Spielerei abgetan. In Kosmetik-Seminaren für Krebspatientinnen jedoch entpuppen sich Rouge und Lidschatten als kleine Hoffnungsträger, die alles andere als trivial sind.

          Gerade eben war der Besprechungsraum des Brustzentrums im Hamburger Marienkrankenhaus noch von Stimmengewirr erfüllt, nun herrscht konzentrierte Stille. Alle Blicke sind gerade auf Inge gerichtet. Normalerweise kommt sie her, um mit ihrer Ärztin über ihre Chemotherapie, deren Nebenwirkungen und ihren Heilungsprozess zu sprechen. Heute aber ist Inge aus einem anderen Grund da. Heute möchte sie vor allem lernen, wie sie ihre Augenbrauen, die sie im Laufe der Therapie verloren hat, so nachzeichnet, dass sie ganz natürlich aussehen. Und deshalb beobachtet Inge in dem kleinen Spiegel, der vor ihr zwischen großen Schalen mit Obst, Wasser, Säften und Schminkanleitungen auf dem Konferenztisch steht, ganz genau jedes noch so kleine Strichlein, das Anissa Ben Chaabane gerade sorgfältig malt. Dorthin, wo vor der Therapie Inges Brauen waren.

          Ben Chaabane ist Make-up-Artist und leitet heute das Seminar „look good feel better“, zu dem die DKMS Life ins Marienkrankenhaus geladen hat. Die gemeinnützige Gesellschaft mit Sitz in Köln, eine Tochter der DKMS – so nennt sich heute die ehemalige Deutsche Knochenmarkspenderdatei –, organisiert diese Seminare in rund 300 medizinischen Einrichtungen in ganz Deutschland, insgesamt über 1.400 Mal pro Jahr. Mehr als 130.000 Patientinnen haben in den vergangenen zwanzig Jahren teilgenommen. Finanziert werden die Seminare mit Hilfe zahlreicher Sponsoren, privater Spender und durch den tatkräftigen Einsatz von fast 300 ehrenamtlichen Kosmetikexpertinnen.

          Eine von ihnen ist die 34 Jahre alte Ben Chaabane. „Du brauchst nur ein bisschen Geduld“, sagt Anissa Ben Chaabane in beruhigendem und optimistischem Ton, als Inge mit heller, fast mädchenhafter Stimme von ihren Hoffnungen erzählt: „Meine letzte Behandlung ist zwei Wochen her, sie müssten also bald wieder nachwachsen.“ Zwei bis vier Wochen kann es noch dauern, hat ihre Ärztin gesagt, doch Inge ist ungeduldig. „Keine Augenbrauen zu haben fällt mehr auf, als keine Wimpern zu haben“, findet sie. Tatsächlich prägen Augenbrauen unsere Mimik, sie geben dem Blick einen Rahmen, und spätestens seit Cara Delevingne die Kosmetikindustrie zu immer neuen Wundermitteln für die Partie oberhalb der Augen inspiriert, sind Models mit betont vollen Brauen auf Plakatwänden und in Hochglanzmagazinen allgegenwärtig.

          Rote Lippen soll man küssen

          Das weiß auch Anissa Ben Chaabane. Deshalb nimmt sie sich Zeit, um genau zu erklären, wie sich die perfekte und doch natürlich wirkende Braue schminken lässt. Die Hamburger Patientinnen hören ihr aufmerksam zu. „Ich wollte mich schon immer sozial engagieren“, erzählt Ben Chaabane: „Das Thema ist mir persönlich wichtig. Meine Großmutter hatte Brustkrebs.“ Für einen kurzen Moment wird der Blick der tunesisch-stämmigen Hamburgerin ernst. Eine Kollegin brachte sie auf die Idee, die DKMS Life zu unterstützen: „Schließlich liebe ich Kosmetik und Schönheit!“ Nun erhellt ein Lächeln ihr Gesicht. Seit diesem Sommer hilft sie Krebspatientinnen in ganz Norddeutschland dabei, die eigene Schönheit wiederzuentdecken und anders als bisher zu definieren: „Ich will euch motivieren, auch Neues auszuprobieren“, sagt sie zu den Patientinnen.

          Die betrachten gerade zögerlich die knallroten Lippenstifte, die sich neben anderen hochwertigen Produkten zahlreicher Sponsoren in den großen Kosmetiktaschen verbergen, welche auf jedem Platz bereitstehen. „Ich trage eigentlich nie Lippenstift“, sagt Manuela, die neben Inge sitzt. Dann zuckt sie fast unmerklich mit den Schultern, stimmt leise „Rote Lippen soll man küssen“ an und trägt lächelnd die ungewohnt starke Farbe auf. Ihre Sitznachbarin muss lachen und tut es ihr gleich.

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