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Veröffentlicht: 17.01.2013, 16:38 Uhr

Köln Katholische Kliniken weisen Vergewaltigte ab

Zwei katholische Krankenhäuser in Köln haben eine junge Frau abgewiesen, die mit K.o.-Tropfen betäubt und vergewaltigt worden war. Offenbar wollten sie so ein Gespräch über die „Pille danach“ vermeiden. Die Betreiber der Klinik sprechen von einem „Missverständnis“.

von , Köln
© dpa Das katholische Heilig Geist-Krankenhaus in Köln

Die Cellitinnen zur heiligen Maria sind eine katholische Schwesterngemeinschaft, die sich ganz den Kranken und Schwachen verschrieben hat. Unter dem Dach einer 2002 gegründeten Stiftung, die nach eigenen Angaben die Werke christlicher Nächstenliebe zum Zweck hat, betreiben die Cellitinnen in Aachen, Bonn, Köln und Wuppertal Seniorenhäuser, Reha-Kliniken und Krankenhäuser. „Mit ihren medizinischen Fachabteilungen decken die Krankenhäuser die Grund- und Regelversorgung der Menschen im Kölner Nord-Westen...komplett und kompetent ab“, heißt es auf der Internetseite der Cellitinnen. Doch eine junge Frau, die offenbar Opfer einer Vergewaltigung geworden war, machte kurz vor Weihnachten die gegenteilige Erfahrung. Die gynäkologische Abteilung des St.Vinzenz-Krankenhauses lehnte es am 15. Dezember ab, sie aufzunehmen.

Reiner Burger Folgen:

Die 25 Jahre alte Kölnerin war am Abend des 14. Dezember zum Feiern in der Kölner Innenstadt. Als sie am Nachmittag des darauffolgenden Samstags auf einer Parkbank im Stadtteil Kalk aufwachte, konnte sie sich an nichts erinnern. Gemeinsam mit ihrer Mutter suchte sie den ärztlichen Notdienst auf. Für die erfahrene diensthabende Ärztin war der Fall klar: Die junge Frau war offenbar mit K.o.-Tropfen betäubt und vermutlich vergewaltigt worden. Umgehend informierte die Medizinerin die Polizei, danach nahm sie Kontakt mit der St.Vinzenz-Klinik auf, um ihre Patientin gynäkologisch untersuchen und Spuren sichern zu lassen.

Mit dem katholischen Gedankengut nicht zu vereinbaren

Wie die Zeitung „Kölner Stadtanzeiger“ berichtet, teilte die katholische Klinik dem Notdienst aber mit, eine Untersuchung sei nicht möglich, weil beim Arzt-Patienten-Gespräch auch über die „Pille danach“ aufgeklärt werden müsse. Das sei mit dem katholischen Gedankengut nicht zu vereinbaren. In dieser Frage habe sich die Ethik-Kommission des Krankenhauses auch mit dem Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zusammengesetzt - was ein Sprecher des Bischofs allerdings bestreitet. Im ebenfalls zur Cellitinnen-Stiftung gehörenden Heilig-Geist-Krankenhaus in Köln-Longerich erhielt die Medizinerin dieselbe Auskunft. Die Polizei brachte die junge Frau schließlich in ein evangelisches Krankenhaus.

Christoph Leiden, Sprecher der Cellitinnen, bestätigt, dass der „Klinische Ethikrat“ im November eine Stellungnahme verabschiedet hat, die „den behandelnden Ärzten Sicherheit bei ethischen Fragestellungen“ gebe. Doch sei es im aktuellen Fall „vermutlich zu einem Missverständnis“ gekommen. Denn in dem Dokument sei zwar die Behandlung mit der „Pille danach“ ausgeschlossen. Aber alle anderen medizinischen Maßnahmen würden sofort angeboten. Christoph Heckeley, Sprecher des Erzbistums, sprach von einem „bedauerlichen Einzelfall“. Das einzige, was katholische Krankenhäuser nicht tun dürften, sei die „Pille danach“ zu verschreiben, da sie abtreibende Wirkung habe.

Die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende der von katholischen Laien gegründeten Schwangerenberatung Donum Vitae, die Kölner CDU-Bundestagsabgeordnete Ursula Heinen-Esser, spricht dagegen von einem Skandal. Die junge Frau sei gedemütigt und durch die halbe Stadt von Klinik zu Klinik geschickt worden. „Weil die Frau von gleich zwei katholischen Krankenhäusern abgewiesen wurde, kann ich nicht an ein Missverständnis glauben.“ Krankenhäuser hätten die Pflicht, Vergewaltigungsopfern jegliche Hilfe zukommen zu lassen. „Das schließt auch das Beratungsgespräch und die ‚Pille danach‘ ein, die, anders als das Erzbistum offenbar glaubt, eben kein Mittel der Abtreibung ist, sondern dazu dient, eine Abtreibung zu verhindern.“

Quelle: F.A.Z.

 

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