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Veröffentlicht: 02.05.2017, 09:35 Uhr

Knappheit bei Narkosemittel „Das kann schwierig werden“

In Deutschland fehlt ein wichtiges Betäubungsmittel. Operationen können ausfallen. Ein Anästhesist erklärt, was das für die Patienten heißt und ob es Alternativen gibt.

von
© dpa Ohne Narkose wird es schmerzhaft.

Herr Bartels, Sie leiten ein großes ambulantes Operationszentrum mit Tagesklinik und einigen Außenstellen in Mainz. Können Sie Ihr Tagesprogramm zurzeit noch bewältigen, trotz der Engpässe bei der Lieferung des Narkosemittels Ultiva mit dem Wirkstoff Remifentanil?

Lucia Schmidt Folgen:

Wir bemerken die Lieferengpässe schon im Tagesgeschäft. Ganz aktuell haben wir dieses Medikament noch für etwa drei, maximal vier Wochen vorrätig. Und da wir nicht wissen, ob wir bis in vier Wochen eine Nachlieferung bekommen, versuchen wir, alle Narkosen, die nicht unbedingt mit diesem Medikament gemacht werden müssen, mit anderen Mitteln durchzuführen.

In welchen Fällen können Sie denn kein anderes Medikament wählen?

Es gibt da teilweise ganz praktische Probleme. Wir arbeiten unter anderem in Praxen, in denen wir gar keine Inhalationsnarkosen machen können, weil dafür die technischen Vorrichtungen fehlen. In solchen Fällen müssen wir auf eine Anästhesie über die Vene, die sogenannte totale intravenöse Anästhesie, zurückgreifen. Und bei dieser setzt man in der Regel Ultiva ein. Totale intravenöse Anästhesien sind übrigens keinesfalls die Ausnahme, sondern heute eigentlich die Regel bei ambulanten Operationen.

Und bei welchen Diagnosen oder Patientengruppen sind andere Medikamente von Nachteil?

Wir nehmen Ultiva gerne bei Operationen, die über einen längeren Zeitraum gehen, weil die Patienten dann trotz der langen Narkose schnell wieder ansprechbar sind. Außerdem setzen wir Ultiva vor allem bei Operationen ein, bei denen man einen niedrigen Blutdruck benötigt, weil man durch das Medikament sehr gut den Blutdruck kontrollieren kann.

46176677 © Foto KV RLP Vergrößern Doktor Andreas Bartels ist Facharzt für Anästhesiologie in Mainz und stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz.

Welche Operationen sind das?

Eingriffe an der Wirbelsäule etwa. Da möchte man unbedingt verhindern, dass es durch einen hohen Blutdruck in den Wirbelkanal einblutet. Auch bei Schulterarthroskopien wünscht sich der Operateur oft einen niedrigen Blutdruck, damit er einen klaren Blick ins Gelenk hat. Gleiches gilt für laparoskopische Eingriffe.

Was ist der große Vorteil von Remifentanil?

Seine sehr kurze Wirkungszeit. Es wird sehr schnell im Körper abgebaut. Im Prinzip kann man sagen: Fünf Minuten nachdem man die Gabe des Medikaments beendet hat, ist der Patient ansprechbar und gut orientiert. Das ist ein riesiger Vorteil, ganz besonders bei Kindern.

Auf was muss man achten, wenn man Kinder in Narkose versetzt?

Bei Kindern geht einfach alles schneller. Das Herz schlägt schneller, ein Medikament wird schneller umverteilt, die Sauerstoffreserven sind viel schneller aufgebraucht. Als Arzt muss man bei Kindern ganz exakt dosieren, um etwa einen Atemstillstand zu verhindern. Eine Narkose mit Remifentanil ist einfach sowohl für den Patienten wie auch für seine Überwachung sehr komfortabel. Aber es gibt auch Nachteile, zumindest postoperativ.

Welche?

Ultiva wird ja zur Schmerzhemmung eingesetzt. Dadurch, dass es so schnell abgebaut wird, verspürt der Patient nach dem Eingriff natürlich relativ schnell Schmerzen. Da muss man als Anästhesist unbedingt gegensteuern und Schmerzmittel geben.

Spricht das für Alternativen zu Ultiva?

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