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Westafrika : Klingt die Ebola-Epidemie jetzt ab?

Rückt die Hoffnung dieses Fußball-Fans näher? Es gibt zumindest Anzeichen dafür. Bild: AFP

Zwei gute Nachrichten im Kampf gegen Ebola: Guinea öffnet nach einer Abnahme der Neuinfektionen wieder die Schulen; und Mali gilt offiziell als Ebola-frei. Noch aber ist nicht sicher, ob die Epidemie in Westafrika tatsächlich abklingt.

          Die erste gute Nachricht kam am Wochenende aus Guinea. Dort ist die Zahl der Neuinfektionen mit dem Ebola-Virus derart gesunken, dass die Behörden eine Wiedereröffnung aller Schulen im Land für „vertretbar und verantwortlich“ halten. Liberia, das neben Guinea, Mali und Sierra Leone ebenfalls von Ebola erfasst ist, will dem Beispiel folgen und den Unterricht, der sechs Monate ausgesetzt war, bald wieder beginnen lassen.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Die zweite gute Nachricht kam am Montag aus der malischen Hauptstadt Bamako. Seit dem 6. Dezember hat es dort nach den Angaben keine neuen Infektionen gegeben. Nach Ablauf der doppelten Inkubationszeit (21 Tage) ohne neue Fälle gilt ein Land offiziell als frei von Ebola. Allerdings hatte sich die Zahl der Infizierten in Mali mit insgesamt acht Patienten (sechs von ihnen starben) im Vergleich zu den Nachbarstaaten in engen Grenzen gehalten.

          Noch ist nicht sicher, ob die Ebola-Epidemie in Westafrika tatsächlich abklingt. Entsprechend vorsichtig äußerten sich Repräsentanten der Weltgesundheitsbehörde (WHO) und der Vereinten Nationen. Der Rückgang der Infizierten sei „echt, aber das heißt noch lange nicht, dass der Kampf gegen Ebola vorbei ist“, sagte etwa Tarik Jasarevic, der Sprecher der WHO an ihrem Sitz in Genf. Ähnlich verhalten äußerte sich der Ebola-Koordinator der Vereinten Nationen, David Nabarro, der die Krankheit ebenfalls im Abklingen begriffen sieht, aber vor „einer neuen Ausbreitung“ warnt.

          Epidemie : Mali besiegt Ebola

          Tatsächlich sind die neuesten Zahlen der WHO nur vor dem Hintergrund der Infektionsraten aus dem Sommer vergangenen Jahres als hoffnungsvoll zu begreifen. Demnach hat es in der Woche vom 5. Januar bis zum 11. Januar in Guinea 42 neue Fälle gegeben, in Sierra Leone 184, davon allein 59 in der Hauptstadt Freetown, und in Liberia acht neue Fälle. Im August und September vergangenen Jahres meldete allein Liberia jede Woche mehr als 300 neue Ebola-Kranke. Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF), die den Kampf gegen Ebola über Monate fast im Alleingang führte, sieht denn auch keinen Grund zur Entwarnung. Nach ihren Angaben breitet sich das Virus in Guinea geografisch weiter aus und tritt inzwischen auch in Regionen auf, die bislang von Ebola verschont geblieben waren. Dort aber fehlen nach wie vor Krankenstationen und qualifiziertes Personal.

          Seit dem Ausbruch von Ebola in Guinea im Dezember 2013 sind etwa 8500 von den mehr als 21.000 Infizierten an der Krankheit gestorben. Damit ist die Ebola-Epidemie in Westafrika die tödlichste seit der Entdeckung des Virus 1976 im kongolesischen Regenwald. Immerhin haben inzwischen zwei von drei geplanten klinischen Tests mit experimentellen Anti-Ebola-Medikamenten begonnen. Seit Mitte Dezember wird in einem MSF-Krankenhaus in Guéckédou in Guinea Patienten das aus Japan stammende Präparat „Favipiravir“ verabreicht. Das Projekt steht unter wissenschaftlicher Leitung der Nationalen französischen Instituts für Gesundheit und medizinische Forschung (Inserm). In Monrovia in Liberia ist unter Leitung der Universität Oxford seit Januar dieses Jahres ein anders Produkt namens „Brincidofovir“ im klinischen Einsatz. Mit diesem Medikament war unter anderen der amerikanische Arzt Kent Brantly erfolgreich behandelt worden, der sich im vergangenen Jahr in Liberia mit Ebola infiziert hatte. In wenigen Wochen soll zudem unter der Führung des Antwerpener Tropeninstituts in Guinea eine Behandlung mit Blutplasma geheilter Ebola-Patienten beginnen.

          Quelle: F.A.Z.

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