Ärzte diagnostizieren bei immer mehr Kindern und Jugendlichen in Deutschland Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS). Die Zahl der Fälle stieg nach einer Untersuchung der Krankenkasse Barmer/GEK bei den unter 19 Jahre alten Kindern und Jugendlichen in den Jahren 2006 bis 2011 um 42 Prozent. 2011 seien 552.000 Jungen und 197.000 Mädchen wegen ADHS behandelt worden. Im Alter von elf Jahren erhielten sieben Prozent aller Jungen und zwei Prozent der Mädchen eine Verordnung mit dem Medikament Ritalin, wie es in dem am Dienstag vorgelegten „Ärztereport 2013“ heißt.
Der Mediziner Friedrich Schwartz wies darauf hin, dass das umstrittene Präparat in Deutschland erheblich öfter als in Schweden oder Großbritannien eingesetzt werde. „Wir haben sozusagen amerikanische Verhältnisse.“ Der Report legt nahe, dass Diagnosen zu leichtfertig gestellt werden und zu oft medikamentös therapiert wird. Schwartz stellte die Frage: „Wo bleiben die Grenzen zwischen krank und gesund?“ Barmer/GEK-Vorstand Rolf-Ulrich Schlenker sagte, man müsse „aufpassen, dass die ADHS-Diagnostik nicht aus dem Ruder läuft und wir eine ADHS-Generation fabrizieren“. Pillen gegen Erziehungsprobleme seien der falsche Weg. Jungen mit zehn Jahren, also bei Schulwechseln mit großem Leistungsdruck, bekämen das Präparat am häufigsten verschrieben.
In der Region um Würzburg wird ADHS nach Angaben der Forscher überdurchschnittlich oft diagnostiziert und medikamentös behandelt. Dort liege die Diagnosehäufigkeit um 75 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Würzburg sei „ADHS-Welthauptstadt“. Einen Grund für die Häufung vermuten die Wissenschaftler im großen Angebot von Kinder- und Jugendpsychiatern in der Gegend.
Ähnlich hohe Diagnoseraten stellten die Fachleute in Erlangen-Höchstadt, Speyer, im Rhein-Pfalz-Kreis, in Frankenthal, dem Kreis Mannheim und dem Altenburger Land in Thüringen fest. Unterdurchschnittliche Werte wurden dagegen im Odenwaldkreis oder in der Region Darmstadt ermittelt. Diagnose und Therapie hängen nach der Studie auch zusammen mit Bildungsstand, Einkommen und Alter der Eltern. So gelte die Faustregel, dass bei Akademikerkindern seltener ADHS diagnostiziert und mit Ritalin behandelt werde als bei Kindern aus bildungsferneren und ärmeren Schichten. Auch lasse sich feststellen, dass Kinder junger Eltern eher gegen das „Zappelphilipp-Syndrom“ behandelt werden als Kinder von Eltern jenseits der dreißig. Schlenker wies darauf hin, dass es auch effektive Therapieoptionen wie Eltern- oder Verhaltenstraining gebe. „Ritalin darf nicht per se das Mittel der Wahl sein.“
ADHS
Heiner Peters (Peters1961)
- 04.02.2013, 20:20 Uhr
Früher waren die Kinder unruhig, heute bekommen sie ein
krebserzeugenden Medikament
Klaus Letis (odysseus_8)
- 01.02.2013, 09:09 Uhr
Schade!
Lazslo Kovacs (LazsloKovacs)
- 30.01.2013, 14:28 Uhr
Wen wunderts?
Stefan Neudorfer (sttn)
- 30.01.2013, 14:03 Uhr
Stoffwechselstörung
Mark Krogel (mkrogel)
- 30.01.2013, 13:09 Uhr
