Home
http://www.faz.net/-guw-740uw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 Plus

Keimbefall in Charité Säugling starb an Operations-Folgen

Das in der Berliner Charité verstorbene Frühchen ist ersten Erkenntnissen zufolge doch nicht an einer Keim-Infektion gestorben. Ein angeborener Herzfehler habe nach einer komplizierten Operation zum Tod des Kindes geführt, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

© dpa Vergrößern Das Neugeborene war im Deutschen Herzzentrum am Herzen operiert worden und anschließend gestorben

Das Anfang Oktober im Berliner Krankenhaus Charité verstorbene Frühchen ist offenbar nicht aufgrund seiner Infektion mit Serratien-Bakterien verstorben. Die Staatsanwaltschaft Berlin teilte am Mittwoch mit, es sei davon auszugehen, dass „das Kind nach einer hochkomplizierten und riskanten Operation eines natürlichen Todes gestorben ist“. Das hätten erste Ergebnisse der gerichtsmedizinischen Untersuchung ergeben.

Auch Charité-Chef Karl Max Einhäupl hatte betont, das Baby habe zwar eine Serratien-Infektion gehabt, sei aber nicht daran gestorben. Vielmehr habe der angeborene Herzfehler den Tod herbeigeführt. Die Ärzte hatten die geringen Überlebenschancen des schwer kranken Säuglings durch die Operation erhöhen wollen. Obwohl die Operation selbst erfolgreich war, verschlechterte sich der Zustand des Kindes. Schließlich wurden die lebenserhaltenden Apparate im Einvernehmen mit den Eltern abgestellt. Auf dem Totenschein wurde ein „natürlicher Tod“ ausgewiesen.
  
Das Kind war am 5. Oktober gestorben, drei Tage nach einer Operation im Deutschen Herzzentrum. Bei seiner Obduktion in der Klinik wurde nach Angaben der Charité ein Befall mit Serratien-Bakterien festgestellt. Infiziert wurde das Kind demnach vermutlich auf der Frühchen-Intensivstation der Charité, auf der es vor der Operation behandelt worden war. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt ein und ließ das Kind exhumieren, um es erneut zu obduzieren.

Diskussion im Berliner Wissenschaftsausschuss

Berlins Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat die Charité-Führung nun zu einer Sondersitzung des Aufsichtsrates gebeten, um die Vorkommnisse aufzuarbeiten. Der Termin wurde nach Aussagen eines Sprechers für Mitte November anberaumt. Am Mittwoch waren die Vorfälle auch Thema im Wissenschaftsausschuss. Dort stand der ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei, Rede und Antwort. Die Diskussion, die inhaltlich keine neuen Details zutage gefördert habe, sei sachlich und unaufgeregt gewesen, hieß es.

Mehr zum Thema

Fast zwei Dutzend weitere Frühchen waren ebenfalls auf den beiden Frühchen-Intensivstationen der Charité mit den Bakterien infiziert worden. Sie können für Kinder unter 1500 Gramm Gewicht lebensbedrohlich sein. In diesen Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Quelle: FAZ.NET mit AFP/dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Lebensmittelskandal Verseuchte Wurst gelangte auch nach Deutschland

Verseuchte Fleischprodukte aus Dänemark sind neuen Erkenntnissen zufolge auch nach Schleswig-Holstein geliefert worden. Zwölf Dänen starben bereits nach dem Konsum der belasteten Lebensmittel. Mehr

14.08.2014, 06:52 Uhr | Gesellschaft
Alle Tests negativ Berliner Ebola-Verdachtsfall bestätigt sich nicht

Nachdem Mitarbeiter eines Berliner Jobcenters für eine Afrikanerin mit hohem Fieber den Notarzt gerufen hatten, wurde sie unter Ebola-Verdacht in die Charité gebracht. Dort geben die Ärzte Entwarnung. Mehr

19.08.2014, 13:41 Uhr | Gesellschaft
Lebensmittelskandal 160 Kilo Bakterien-Wurst in Deutschland verkauft

Mit Listerien verseuchte Wurst, die in Dänemark schon zwölf Menschen das Leben gekostet hat, wurde auch in Schleswig-Holstein verkauft. Nach bisherigen Erkenntnissen allerdings nur in einem einzigen Supermarkt. Mehr

14.08.2014, 13:09 Uhr | Gesellschaft
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden