Home
http://www.faz.net/-gum-73sk2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 Plus

Keimbefall in Charité Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

In Berlin starb ein Kind im Krankenhaus an Keimen. Sind besonders schwache Frühchen in Gefahr? Und wann wird die Ursache gefunden? Bislang gibt es mehr Fragen als Antworten.

© dapd Am Virchow-Klinikum wurden die Erreger entdeckt.

Nach dem Tod eines Babys in Berlin durch Keime im Krankenhaus ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung. Das Baby kam auf einer Station der Charité zur Welt. Die Ermittlungen richteten sich gegen unbekannt. Sie stünden ganz am Anfang, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Montag der Nachrichtenagentur dpa. Das Kind war an einer Infektion mit Serratien-Keimen gestorben, weitere erkrankten. Die Suche nach dem Infektionsherd läuft.

Unklar ist, ob andere Frühchen oder Babys mit schweren Erkrankungen jetzt in Lebensgefahr sind. Am Montag hielt sich die Klinik mit Auskünften bedeckt. Das im Oktober gestorbene Baby war mit einem Herzfehler geboren worden.

Nach bisherigen Angaben einer Charité-Sprecherin soll der Zustand eines Frühchens kritisch sein. Der Ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei, sagte im Sender RBB Inforadio am Montag allerdings, der Zustand der Babys sei stabil. Bis zum Mittag gab es dazu keine neuen Angaben, auch nicht zu laufenden Untersuchungen.

Mehr zum Thema

Die Suche nach dem Herd der Infektion ging weiter. Eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Gesundheitsamtes Berlin-Mitte wurde gebildet. Das Team werde die Lage analysieren und weitere Schritte beraten, sagte eine Sprecherin der Gesundheitsverwaltung. Vertreter der Charité, des Robert Koch-Instituts, des Landesamtes für Gesundheit und Soziales und der Senatsverwaltung für Gesundheit wollten am Nachmittag erstmals zusammentreten.

Indessen berichtete der „Tagesspiegel“, dass Babypflegebäder, die inzwischen aus dem Drogeriehandel zurückgerufen wurden, keimbelastet gewesen sein sollen. Wer die umstrittenen Mittel untersucht, war noch unklar.

Laut Staatsanwaltschaft soll in dem Ermittlungsverfahren geklärt werden, wie die Keime in die Klinik gelangten und ob daraus strafrechtliche Vorwürfe entstehen können.

Erwartet wurde, dass sich Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) sowie Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zu den Vorfällen noch am Montag äußern würden. Die Charité gehört als Uni-Klinikum zum Verantwortungsbereich von Scheeres.

Nach einem Bericht der „Morgenpost“ vom Montag könnte es Monate dauern, bis zwei betroffene Frühchen-Stationen wieder geöffnet werden könnten. 2011 und 2012 gab es bereits große Aufregung um eine Frühchenstation in Bremen, in der Kinder durch Keime starben.

Quelle: DPA

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Tödlicher Unfall im Bahnhof Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben

Vor über fünf Jahren war ein junge Frau im Winter vom vereisten Bahnsteig gerutscht und vor einen Zug gestürzt. Sie starb. Nun ist Anklage gegen Bahnmitarbeiter und den Chef einer Schneeräumfirma erhoben worden. Mehr

28.08.2015, 13:59 Uhr | Rhein-Main
Gegen Lufthansa Strafrechtliche Ermittlungen nach Germanwings-Absturz

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine mit 150 Todesopfern hat die französische Justiz strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung sollen gegen Unbekannt eingeleitet werden, sagte der französische Staatsanwalt Brice Robin. Mehr

12.06.2015, 09:50 Uhr | Gesellschaft
Olympia-Wasser vor Rio Segler mit Infektion durch multiresistente Bakterien

Segel-Europameister Erik Heil geht es nach einer bakteriellen Infektion nach der olympischen Testregatta in Rio besser. Nun appelliert er an die Organisatoren der Sommerspiele. Mehr

01.09.2015, 19:10 Uhr | Sport
Nach Schiffsunglück 16 Überlebende in riesigem Flüchtlingslager

Nach den jüngsten Flüchtlingstragödien im Mittelmeer kommen die EU-Staats- und Regierungschefs zu einem Sondergipfel in Brüssel zusammen. 16 Überlebende der bislang schwersten Katastrophe mit 800 Toten leben nun im riesigen Flüchtlingslager Mineo in Sizilien. Die Staatsanwaltschaft Catania wirft dem tunesischen Kapitän neben vielfacher fahrlässiger Tötung, Verursachen eines Schiffsuntergangs und Beihilfe zur illegalen Einwanderung auch Freiheitsberaubung vor. Mehr

23.04.2015, 14:51 Uhr | Politik
Daten-Skandal Londoner Klinik verschickt Namen Hunderter HIV-Patienten

Eine Londoner Klinik hat in einem Newsletter rund 800 Namen und E-Mail-Adressen von überwiegend HIV-positiven Patienten verbreitet. Das könnte für das Krankenhaus nun teuer werden. Mehr

03.09.2015, 12:05 Uhr | Gesellschaft

Veröffentlicht: 22.10.2012, 13:46 Uhr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden