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Ende des Komasaufens : Junge Leute trinken weniger Alkohol

Tendenz sinkend: Immer mehr junge Menschen verzichten auf Alkohol. Bild: dpa

Unter der deutschen Jugend vollzieht sich ein Umdenken in Sachen Wein, Bier und härteren Getränken. Der Alkoholkonsum erreicht einen neuen Tiefstand. Denn vor allem auf Facebook und anderen sozialen Medien will jeder ein gutes Bild abgeben.

          Die Zeit des Komasaufens scheint vorbei zu sein. Jahr für Jahr trinken junge Leute in Deutschland weniger Alkohol – 2016 wurde ein neuer Tiefstand erreicht. Das ergab die jährliche Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Alkoholkonsum junger Menschen, die am Donnerstag von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), in Berlin vorgestellt wurde.

          Demnach trinkt nur knapp jeder Dritte aus der Gruppe der jungen Erwachsenen (18 bis 25 Jahre) mindestens einmal in der Woche Alkohol. Vor fünf Jahren griffen noch knapp 40 Prozent regelmäßig zu Bier, Wein oder Schnaps. Auch bei den Jüngeren im Alter von zwölf bis 17 Jahren ist der Anteil derer, für die Alkohol zum Alltag gehört, zurückgegangen: Nur noch jeder Zehnte trinkt regelmäßig. Vor zehn Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele. Jeder dritte Minderjährige hat heute noch nie Alkohol konsumiert.

          Die neuen Zahlen schreiben einen langfristigen Trend fort. In den siebziger Jahren tranken noch rund zwei Drittel der jungen Erwachsenen und ein Viertel der Jugendlichen regelmäßig Alkohol. Heute trinken nicht nur viele weniger, sie fangen auch später damit an. 2004 waren die Jugendlichen beim ersten Schluck Alkohol im Durchschnitt 14 Jahre alt, 2016 ein Jahr älter.

          Wunsch nach Fitness mindert Konsum

          Alkohol, sagt der Berliner Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann, werde nicht mehr nur als „reine Spaßdroge“ wahrgenommen, sondern besonders von Gebildeten auch mit Undiszipliniertheit verbunden. Entscheidend für Jugendliche sei es aber heute, „fit“ zu sein. Dieser Konflikt befördere den Rückgang. Verstärkt wird der Effekt durch die sozialen Netzwerke. Dort wollen viele ein perfektes Bild von sich zeichnen, was viel Disziplin erfordert. „Absturzbilder“, aufgenommen nach übermäßigem Alkoholkonsum, wie sie noch vor zehn Jahren Netzwerke wie „StudiVZ“ prägten, passen da nicht ins Konzept. „Sie möchten nicht unkontrolliert sein“, sagt Hurrelmann.

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          Vor etwa einem Jahrzehnt fürchteten dagegen manche noch eine Trendwende. Damals hatten wieder mehr Minderjährige regelmäßig zur Flasche gegriffen. Auch das Phänomen des Rauschtrinkens nahm zu – also des Konsums von fünf Standardgläsern Alkohol bei Jungen beziehungsweise vier bei Mädchen zu einer Gelegenheit. Medien berichteten vom „Komasaufen“ und von „Flatrate-Partys“. In der aktuellen Studie bekundeten nur noch 16,5 Prozent der befragten Jungen, sich im vergangenen Monat mindestens einmal einen Rausch angetrunken zu haben. 2007 waren es noch rund 31 Prozent gewesen.

          Bild: F.A.Z.

          Dass exzessiver Alkoholkonsum bei einer Minderheit der Jugendlichen aber noch immer ein verbreitetes Phänomen ist, legt eine andere Zahl nahe. So wurden 2015 knapp 22.000 Jugendliche zwischen zehn und 20 Jahren mit einer Alkoholvergiftung in ein Krankenhaus gebracht. Das ist zwar ein Rückgang von 17 Prozent im Vergleich zu 2009, es sind aber noch immer mehr als doppelt so viele Fälle wie 2000. Auch der Konsum von Cannabis nehme zu, sagt Hurrelmann. Der wichtigste Ausgleich für den verlorenen Rausch, vermutet Hurrelmann, dürfte aber das Internet sein.

          Quelle: F.A.Z.

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