19.07.2007 · Hat die Lebensmittelbranche aus den Gammelfleischskandalen der vergangenen Jahre keine Lehren gezogen? Im vergangenen Jahr fielen der Lebensmittelüberwachung so viele Betriebe wie seit fünf Jahren nicht mehr auf. Angeblich wurden die Kontrollen verbessert.
Fehlende Hygiene, Mogelpackungen, Gammelfleisch: In fast jedem vierten Lebensmittelbetrieb in Deutschland stellten die Kontrolleure im vergangenen Jahr Mängel fest. Das hat der Jahresbericht der Lebensmittelüberwachung 2006, den das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Donnerstag in Berlin vorstellte.
Die Verstöße mit möglichen Gesundheitsschäden für Verbraucher beschränkten sich aber auf wenige Einzelfälle, sagte BVL-Präsident Christian Grugel. Rund 138.000 Betriebe fielen negativ auf - so viele wie seit fünf Jahren nicht. Die Kontrolleure beanstandeten mehr als jede siebte Lebensmittelprobe. Der Anteil der Proben mit Mängeln blieb allerdings nahezu gleich gegenüber 2005.
Kontrollen funktionieren besser
Die meisten Mängel gab es prozentual mit mehr als einem Fünftel bei Fleischwaren, gefolgt von Süßwaren und Alkohol - mit Ausnahme von Wein. Die EU-Erweiterung hat aus Sicht des Bundesamts zu Unsicherheiten bei der Lebensmittelproduktion geführt. Der BVL-Präsident zeigte sich aber optimistisch: „Wir sind eher in der Situation, dass die Lebensmittel schrittweise sicherer werden.“
Die gestiegene Zahl der Betriebe mit Verstößen erklärte er damit, dass die Eigenkontrollen der Wirtschaft besser funktionierten als früher und amtliche Prüfungen zielgenauer seien. „Die Bundesländer arbeiten sehr viel risikoorientierter“, sagte Grugel. Die Zahl der Kontrollen nahm allerdings um etwa zehn Prozent ab.
Verstöße durch falsche Etikettierung
Die meisten Verstöße bei Lebensmittelproben gab es im vergangenen Jahr durch falsche Kennzeichnung. Fast die Hälfte der Mängel ging hierauf zurück. Bei gut einem Viertel der Verstöße handelte es sich um Verunreinigungen - verdorbene Ware, Krankheiten auslösende Keime oder Pflanzenschutzmittel. Der Anteil der Mängel durch mikrobiologische Verunreinigungen nahm bei Fleisch und Milch deutlich zu, bei Obst stieg der Anteil der Verstöße durch Schimmelpilzgifte, Pflanzenschutzmittel oder Acrylamid. Das Bundesamt will nun verstärkt über Pflanzenschutzmittelrückstände in Obst und Gemüse informieren und stellt dazu vom 31. August an eine Übersicht ins Internet.
Beim Zustand der einzelnen Betriebe bemängelten die Kontrolleure vor allem die Hygiene. Die Verstöße im Produktionsablauf nahmen im vergangenen Jahr zu. Andererseits verbesserte sich die allgemeine Hygiene etwa bei Kleidung und Fußböden merklich.