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Jahrbuch Sucht : Gefährliches Spiel

Die meisten Spielsüchtigen in ambulanter Betreuung suchen ihr Glück in Spielautomaten Bild: dpa

Die Zahl der Glücksspieler, die sich in ambulante Betreuung begeben, hat sich mehr als verdreifacht. Die größten gesundheitlichen Belastungen entstehen aber immer noch durch Alkohol- und Tabakkonsum.

          Selbst mit einem Arm kann der Bandit ganz schön gefährlich werden: Während sich im Jahr 2005 noch 5100 Glücksspieler in einer Suchtberatungsstelle in ambulante Betreuung begaben, waren es 2011 etwa 18.800. Die meisten von ihnen, fast drei Viertel, warfen regelmäßig ihr Kleingeld in Spielautomaten. Das geht aus dem „Jahrbuch Sucht 2013“ hervor, das die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) am Mittwoch präsentierte. „Einer der Hauptgründe für diese Entwicklung ist die Novellierung der Spieleverordnung im Jahr 2006“, sagt Gerhard Meyer, Psychologe an der Universität Bremen. „Sie hat den Aufstellern von Spielautomaten mehr Gestaltungsfreiräume ermöglicht.“

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          Anteil am Gesamtumsatz :
          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Spielautomaten wurden nicht nur attraktiver, ihre Anzahl ist zwischen 2005 und 2011 auch von 183.000 auf 242.500 gestiegen. Der Anteil der Spielautomaten am Gesamtumsatz der Glücksspiel-Anbieter hat zwischen 2002 und 2011 von 20,3 Prozent auf 55,6 Prozent zugelegt und sich damit fast verdreifacht. Der Dachverband der deutschen Suchthilfeeinrichtungen schätzt, dass etwa 200.000 Personen in Deutschland süchtig nach Glücksspielen sind, zu denen auch Spielbanken und Lotto gehören. Insgesamt etwa 300.000 Personen hätten ein „problematisches Spielverhalten“.

          Ein volkswirtschaftlicher Schaden von 26,7 Milliarden Euro

          Die größten gesundheitlichen Belastungen entstehen laut der DHS jedoch immer noch durch Alkohol- und Tabakkonsum. Jeder Deutsche hat 2011 im Schnitt 136,9 Liter alkoholische Getränke wie Bier, Wein oder Spirituosen konsumiert. Das entspricht einer randvoll gefüllten Badewanne. Umgerechnet entfielen damit wie im Vorjahr auf jeden Deutschen rund 9,6 Liter reinen Alkohols. 1,3 Millionen Menschen gelten als alkoholsüchtig, 9,5 Millionen Menschen trinken mehr, als für ihre Gesundheit gut ist. Die Folgen des Alkoholkonsums würden häufig unterschätzt, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin der Hauptstelle, Gabriele Bartsch, bei der Vorstellung des Berichts.

          Etwa 74.000 Menschen sterben nach Angaben der Suchtexperten jährlich an den Folgen von Alkohol oder der Kombination aus Alkohol und Rauchen. Durch Erkrankungen, Fehlzeiten oder Frühverrentung, die auf Alkohol zurückgehen, entstehe in Deutschland ein volkswirtschaftlicher Schaden von 26,7 Milliarden Euro pro Jahr. Die Zahl der nikotinsüchtigen Deutschen bezifferte die DHS auf elf Millionen, 1,5 Millionen Personen seien medikamentensüchtig.

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