Im vergangenen Jahr sind 1932 Fälle von Hepatitis A an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet worden. Das teilte das Institut in seinem aktuellen Epidemiologischen Bulletin mit. Im Jahr 2003 waren es nur 1368 Fälle gewesen. Das entspricht einem Anstieg um 41 Prozent.
Zum ersten Mal seit Jahrzehnten ist damit der rückläufige Trend bei Hepatitis-A-Erkrankungen durchbrochen. In 56 Prozent der Fälle war Deutschland das Infektionsland, in 17 Prozent Ägypten und in sieben Prozent die Türkei. Das RKI führt den Anstieg der Infektionen auf zwei große Ausbrüche zurück.
Ansteckung durch Brotteig
Der erste - 64 Fälle in sechs Landkreisen - ereignete sich im März und April 2004 im südlichen Nordrhein-Westfalen und im nördlichen Rheinland-Pfalz. Angesteckt hatten sich die Betroffenen wahrscheinlich über den Brotteig einer Großbäckerei, der durch einen erkrankten Angestellten kontaminiert worden war.
Vom zweiten Hepatitis-A-Ausbruch waren Reisende betroffen, die zwischen dem 10. Juni und dem 7. August 2004 in einem Hotel im ägyptischen Hurghada Urlaub gemacht hatten. Die Touristen erkrankten im Zeitraum August und September. 350 Fälle sind dem RKI in diesem Zusammenhang bekannt: 271 Primär- und sieben Sekundärfälle in Deutschland, 59 Primär- und 13 Sekundärfälle in acht weiteren europäischen Ländern.
Orangensaft als Infektionsquelle?
Die betroffenen deutschen Ägypten-Touristen waren zwischen zwei und 67 Jahre alt. Todesfälle gab es zwar nicht, allerdings einige schwere Krankheitsverläufe. Das ägyptische Hotelmanagement zeigte sich kooperativ und arbeitete für eine Fall-Kontroll-Studie mit dem RKI zusammen: Bei erkrankten und nicht erkrankten Gästen verglichen die Wissenschaftler, wer was getrunken und gegessen hatte, wer wann im Hotel war und welche Urlaubsaktivitäten unternommen hatte.
Dabei stellte sich heraus, daß die erkrankten Hotelgäste beim Frühstück viel häufiger Orangensaft getrunken hatten als die gesunden. Unter den Hotelangestellten war niemand mit Hepatitis A infiziert, auch an der Produktionsstätte für den Orangensaft nicht. Da dort aber die Fluktuation unter der Belegschaft groß ist, kann es sein, daß ein infizierter Mitarbeiter während der Studie schon nicht mehr angestellt war.
Akute Leberentzündung
Hepatitis A ist eine akute Leberentzündung mit den klinischen Zeichen einer Gelbsucht. Ein Virus ruft die Krankheit hervor, die in seltenen Fällen tödlich verlaufen kann. Das Virus überträgt sich durch Fäkalien, verunreinigte Lebensmittel oder Trinkwasser. Als Hauptinfektionsrisiko gelten Auslandsreisen.
